Ayn Rand: „Atlas Shrugged“ (ii: der Plot)

Von der Kunst, sich selbst in die Falle zu gehen.

Die Widersprüchlichkeit von Ayn Rands „Atlas Shrugged“ lässt sich bereits in der literarischen Anlage, also im Genre des Romans lokalisieren. Im ersten Teil der dreiteiligen Besprechung dieses überbordenden Wälzers wurden die Parallelen zu den klassischen Vertretern des sozialistischen Realismus herausgearbeitet. Dies verwundert sehr, zieht man in Betracht, dass „Atlas Shrugged“ eine dezidiert anti-sozialistische Pose einnimmt. Im zweiten Teil werden nun die Widersprüche in der Handlung untersucht, die ebenfalls überraschend klar das literarische Unternehmen von Ayn Rand ad absurdum führen, freie, rationale, selbstbewusste Figuren einzuführen, um deren Überlegenheit darzustellen. Der Roman beginnt mit Eddie Willers, der sich an seine Kindheit erinnert, an die Eiche auf dem Landsitz der Familie Taggart:

Er fühlte sich sicher bei der Eiche; sie war etwas, dem nichts etwas anhaben konnte; sie war das größte Symbol für Stärke, das er kannte. Eines Nachts schlug der Blitz in die Eiche. Eddie sah sie am nächsten Morgen. Sie lag da, in zwei Hälften gespalten. Er sah in ihre Wurzel hinein wie in die Öffnung eines schwarzen Tunnels. Die Wurzel war nur eine leere Hülle; ein morsches Herz, schon vor Jahren verfault; nichts war darin – nur ein dünner, grauer Staub, den der leiseste Windhauch davontrug. Die Lebenskraft war längst versiegt, und die leere Form, die sie zurückgelassen hatte, konnte ohne sie nicht mehr ihre Gestalt wahren.

Ayn Rand aus: „Atlas Shrugged“ (dt. „Der freie Mensch“)

Die Symbolik liegt auf der Hand: die Eiche repräsentiert die USA, die ungezügelte Marktwirtschaft, die Freiheit und Reichtum für alle verspricht, der grandiose Erfolg der Eisenbahnerfamilie Taggart, der aber willentlich von innen heraus zerstört worden ist. Der Widerspruch besteht darin, dass Eddie Willers einer der konsistentesten Figuren des Romanes ist. Er zweifelt nie an Dagny Taggart, an ihrem Unternehmen, für das er arbeitet. Keine Sekunde zieht er in Betracht, seine Mission, sein Ethos aufzugeben trotz aller Wirrnisse und Chaos um ihn herum. Er ist und bleibt der treue Vasall, Dagnys Fels in der Brandung, der Wahrheit spricht, objektiv und rational und verlässlich Rechenschaft ablegt, und doch irrt. Dort, wo er vermeinte Kraft und unbesiegbare Macht zu sehen, ist plötzlich nichts mehr übrig als Tod und Vergänglichkeit. Der Gewährsmann der objektiven Realität sieht sich getäuscht.

Seinen Schock erlebte er, als er still dort stand und in das schwarze Loch der Wurzeln sah. Es war ein ungeheurer Verrat – umso furchtbarer, als er nicht verstand, worin dieser Verrat eigentlich bestand. Nicht er selbst war verraten worden, nicht sein Vertrauen; es war etwas anderes.

Der Ausweg der Erzählung, der Versuch, den Bericht Eddie Willers nicht zu unterminieren, besteht also darin, nicht das Getäuscht-Sein einzugestehen, sondern die Täuschung als Verrat zu betrachten, ohne jedoch den Ursprung des Verrats verorten zu können. Der Verrat erlaubt ihm jedoch, seinen Sinnen weiterhin zu vertrauen, seiner Überzeugung, dass es eine objektive Realität gibt, denn nicht er war verraten worden, sondern etwas anderes. Was dieses „etwas anderes“ ist, wird nicht geklärt. Wichtig ist nur, dass das Vertrauen Eddie Willers in die objektive Welt nicht erschüttert wird, und sei’s um den Preis einer mystischen Verschiebung des Geschehenen ins Irreale. Er entscheidet sich einfach dafür, dass es diese Erinnerung so nicht gegeben hat:

Er wollte mit seiner Kindheit nichts Trauriges verbinden; er liebte ihre Erinnerung; jeder Tag, an den er sich erinnern konnte, war von ruhigem, strahlendem Sonnenlicht durchströmt.

Dass er sich nur ein paar Zeilen zuvor an den Schock mit der Eiche erinnert hat, kommt nicht mehr zur Sprache. Der epistemologische Dezisionismus erreicht bereits auf den ersten Seiten einen nicht überbietbaren Höhepunkt und erinnert an die fröhliche Pippi Langstrumpf und ihrem Lied: „Ich mach mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt“. Tatsächlich erscheint Dagny Taggart und das Ayn Rand-Universum wie die dunkle Schwester von Astrid Lindgrens Kinderbuchwelt, in der die lebenslustige Pippi Langstrumpf mit dem Affen Herrn Nilsson und dem Pferd Kleiner Onkel in der Villa Kunterbunt lebt. In „Atlas Shrugged“ lebt Dagny Taggart mit Eddie Willers im Lichtermeer New Yorks und erlebt eine ganz andere Reise als die Pippis ins Taka-Tuka-Land. Ihre Reise geht ins moderne Atlantis, wohin sich die Superreichen zurückgezogen haben, um den Armen und Faulen zu beweisen, wie arm und faul diese in Wahrheit sind und wie sehr sie die Superreichen nötig haben.

So richtig geht die Rechnung jedoch nicht auf, und so stapelt sich absatzweise Widerspruch auf Widerspruch. Beispielsweise Dagny Taggarts Liebesleben, das wie von außen auf die Figur geklebt erscheint. Ohne Unterlass wird Dagny als Geschäftsfrau, Vize-Präsidentin, als wettbewerbsorientierte Person beschrieben, die das Dollarzeichen anbetet und alles für das Wohl der Taggart Transcontinental opfert. Sie schläft im Büro und ordnet alles dem geschäftlichen Erfolg unter, und doch, ohne weitere Ankündigung, sagt sie zu Hank Rearden:

»Hank, ich … Ich würde alles aufgeben, was ich je in meinem Leben hatte, außer dass ich ein … ein luxuriöses Objekt zu deinem Vergnügen bin.«

Als sie sich kennenlernen und das Stahlwerk von Rearden betrachten, spürt Dagny noch, dass Arbeit, mathematische Kalkulation, das Materielle, Gewicht, Druck und Kosten alles sind, wofür es sich zu leben lohnt, dass nur die Arbeit, der Wettbewerb zählt und dass Hank und sie das gerade verbindet.

Das hier [der Schmelzofen, die geschäftliche Verhandlung] war die Realität, dachte sie, dieses Erlebnis von klarem Gestaltungswillen, von sinnvollen Absichten, Helligkeit und Hoffnung. So hatte sie sich vorgestellt zu leben – sie wollte keine Stunde verbringen und keine Arbeit leisten, die weniger war als das. Sie sah zu ihm, genau in dem Augenblick, als er sich ihr zuwandte. Sie standen sehr nah zusammen. Sie erkannte in seinen Augen, dass er das Gleiche dachte wie sie. Wenn Freude das Ziel und das Wesen aller Existenz ist, überlegte sie, und wenn wir das, was uns wirklich Freude macht, als innerstes Geheimnis verbergen, dann haben wir uns jetzt gerade nackt erlebt.

Und doch sagt sie später zu Hank, als sie sich ihrer Gefühle bewusstwerden:

Ich will nicht deinen Geist, dein Denken, dein Wesen oder deine Seele, solange du mit deinen niedrigsten Trieben zu mir kommst. Ich bin ein Tier, das nur die Befriedigung sucht, die du so verachtest. Aber diese Befriedigung will ich von dir. Wenn du dafür deine Werte und deine Tugend aufgeben musst – ich habe da nichts, was ich aufgeben müsste. Solche Werte sind mir egal.

Die situative Vereinseitigung bildet das prägendste Stilmerkmal von Ayn Rand. Ihre Situationen entstehen komprimiert, kondensiert, stehen für sich, völlig herausgelöst aus dem Kontext. Sie erlebt die Szene als abgeschlossen, als Absolutum, ohne Vergangenheit und Zukunft, ohne Geheimnis und Hoffnung. Alles ist, was es ist, gewährt durch das Prinzip der Identität, das A=A zeitlose Sicherheit in jeder einzelnen Situation verspricht. Nur so lässt sich verstehen, dass die Figuren in „Atlas Shrugged“ ständig gegen ihre eigenen Prinzipien verstoßen. Die Prinzipien gelten in situ, nicht über die Szene hinaus. Sie gelten in einem jeweiligen Moment, in keinem sonst. Der geldgierige Midas Mulligan gibt sein Bankgeschäft auf, verschwindet aber nicht mit dem Geld, verkauft das Unternehmen auch nicht mit Gewinn, sondern wickelt alles ordnungsgemäß ab. John Galt betreibt seine Forschung im Herzen von New York, nicht in seinem Refugium, obwohl er der Welt von seinen Entdeckungen nichts erzählen will. Eddie Willers schließt sich am Ende Dagny nicht an, obwohl diese zeitlebens sein Vorbild gewesen ist. Und Hank Rearden, der tugendhafte, prinzipientreue, rechtschaffene Mann betrügt seine Ehefrau mit Dagny, schämt sich dafür, aber betrügt seine Ehefrau weiterhin, wird vertragsbrüchig und heuert selbst Anwälte an, schmiert Richter, um eine Scheidung durchzusetzen, die sie um ihren rechtmäßigen Anteil an seinem Vermögen bringt.

Die Logik lautet Auge um Auge, Zahn um Zahn. Jedoch behaupten die Figuren Prinzipien, die keine sind, wenn sie keinerlei Allgemeinheit implizieren. In dem Universum von „Atlas Shrugged“ ist schlicht alles erlaubt, um das selbsterklärte Gute durchzusetzen. Neben John Galt repräsentiert Nat Taggart das Ideal des Menschen, der aus dem Nichts den riesigen Eisenbahnkonzern Taggart Transcontinental erschaffen hat.  

Nathaniel Taggart war ein Abenteurer aus Neu-England ohne einen Penny in der Tasche. In der Frühzeit der Eisenbahnen hatte er seine erste Strecke quer durch den Kontinent gebaut.  […] keinen Cent seines Reichtums hatte er sich durch Gewalt oder Betrug angeeignet; er hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen, außer sein Vermögen selbst verdient und nie vergessen zu haben, dass es nur ihm gehörte.

Dieses Vorbild für Dagny, an dessen Statue sie jeden Tag vorbeigeht und eine Form von Gebet empfindet, hat alles erreicht, was sie sich von ihrem eigenen Leben wünscht. Der self-made Mann Nat, der niemandem als seiner eigenen Kraft und Energie verpflichtet ist, stieg vom Mittellosen, also Tellerwäscher, zum Multimillionär auf, aber scheinbar doch nicht ganz ohne Gewalt, denn als sein Projekt zu stagnieren drohte,

warf er einen bedeutenden Gentleman drei Treppen hinunter, weil er ihm ein Regierungsdarlehen angeboten hatte. Dann verpfändete er seine Frau als Sicherheit für einen Kredit von einem Millionär, der ihn hasste, aber die Schönheit seiner Frau bewunderte. Er zahlte den Kredit rechtzeitig zurück und musste das Pfand nicht herausgeben. Den Deal hatte er mit Zustimmung seiner Frau geschlossen.

Die eigenartig nachgeschobene Rechtfertigung, für den geschäftlichen Erfolg seine Ehefrau verpfändet zu haben, beleuchtet noch deutlicher die Widersprüchlichkeit der Persona Nat Taggart, die in einem fort als jemand beschrieben wird, „der nie akzeptierte, dass andere das Recht haben sollten, ihn aufzuhalten.“ Zudem wird diese Episode auch nicht aus der Sicht der Ehefrau, die zudem nicht einmal einen Namen bekommt, erzählt.

Es ließen sich noch mehr Beispiele finden. Gewaltlosigkeit predigen die Helden aus „Atlas Shrugged“ zwar in einem fort, aber handeln nicht danach. Sie predigen Gewaltlosigkeit wie der Herrscher, der alles an sich gerissen hat und nun Gewaltlosigkeit als oberstes Prinzip deklariert, um seine Besitztümer zu schützen. Hank Rearden schlägt Francisco d’Anconia, um seinen Besitzanspruch auf Dagny zu unterstreichen, und als John Galt gefangen genommen wird, stürmt die verschworene und bewaffnete Clique rundum Dagny, Hank und Francisco das Gefängnis, um ihn zu befreien. Der unbewaffnete Wachmann stellt sich ihnen in den Weg. Dagny gibt ihm die Wahl, beiseitezutreten oder sich zu wehren:

»Ich zähle bis drei«, sagte sie. »Dann werde ich schießen.«
»Warten Sie! Warten Sie! Ich habe weder ja noch nein gesagt!«, rief er und drückte sich fester gegen die Tür, als ob Unbeweglichkeit von Geist und Körper sein bester Schutz wäre.
»Ein …«, sie zählte; sie konnte sehen, wie seine Augen sich erschrocken weiteten –
»Zwei …«, sie konnte sehen, dass die Pistole ihm weniger Angst machte als die Alternative, die sie anbot –
»Drei.« Ruhig und unpersönlich drückte sie – die gezögert hätte, auf ein Tier zu schießen – ab und feuerte direkt in das Herz eines Mannes, der keine Verantwortung für sein Bewusstsein und seine Existenz übernehmen wollte.

Die ganze Widersprüchlichkeit des Plots gibt sich preis, sobald man auf den großen Bogen des Erzählten schaut. Die Unternehmer und Superreichen, die von niemandem abhängig sein wollen, die nach totaler Autarkie streben, die sich für nichts zu schade sind, um Profit zu erzielen, ziehen sich beleidigt zurück, geben ihr Geschäft, ihre Unternehmungen auf, um endlich die Anerkennung zu finden, nach der sie scheinbar darben, um sich endlich gegenseitig den Respekt zu zollen, den sie von den Plünderern und Mittellosen nicht bekommen haben, von der gesichtslosen Masse, mit denen sie nichts verbindet. Und so, als Dagny in diesem Refugium ankommt und sie von den erfolgreichsten Geschäftsmännern ihrer Zeit begrüßt wird, gestehen sie sich gegenseitig ihre wahre Sehnsucht ein:

»Das ist doch nicht alles«, sagte Dannager. »Bestimmt möchten Sie etwas von ihnen hören, oder nicht? Ich wusste es auch nicht, bis ich ihm zum ersten Mal begegnete« – er zeigte auf Galt – »und er es zu mir sagte, und dann wusste ich, was mir mein ganzes Leben gefehlt hatte. Miss Taggart, Sie wünschen sich, dass diese berühmten Leute zu Ihnen sagen: ›Gut gemacht!‹« Dagny senkte schnell den Kopf und nickte stumm. Sie wollte nicht, dass er die Tränen sah, die ihr in die Augen schossen. »Also: Gut gemacht, Dagny! – Gut gemacht – viel zu gut – und jetzt ist es an der Zeit, dass Sie sich von dieser Last erholen, die keinem von uns je hätte aufgebürdet werden dürfen.«

Die viel gepriesene Individualität verliert sich in der sehnsüchtig erwarteten Reziprozität und schmiedet einen Jet-Set-Gruppe, um es der restlichen Welt heimzuzahlen. Die Industriemagnaten benötigen die gesichtslose Masse, um sich als etwas anderes zu fühlen. Dieses Andere ist aber nichts Bestimmtes, zumal jede Bestimmung ihre Freiheit einschränken würde. Das Andere reicht als Gegensatz zur Masse, die als Hintergrundrauschen dient, während sich die Einzelnen gegenseitig als Anderes bestätigen, als leuchtende Punkte im Schwarz, die ohne das Schwarz nicht auffallen könnten. Der Masse wird insofern vorgeworfen, dass sie ihre zugewiesene Rolle nicht einhält, aufmuckt, in der Reziprozität teilzunehmen begehrt, als taubstummes, konformes Bestätigungsfundament. Genau hierin liegt der Konflikt in „Atlas Shrugged“. Denn genau das wollen sich Dagny und Konsorten nicht gefallen lassen. Sie suchen der Herr-Knecht-Dialektik zu entkommen, indem sie sich untereinander anerkennen, aber vom Knecht distanzieren. Das endet bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel stets in einer Form des unglücklichen Bewusstseins:

Das unglückliche Bewußtsein aber findet sich nur als begehrend und arbeitend; es ist für es nicht vorhanden, daß, sich so zu finden, die innere Gewißheit seiner selbst zum Grunde liegt und sein Gefühl des Wesens dies Selbstgefühl ist. Indem es sie für sich selbst nicht hat, bleibt sein Inneres vielmehr noch die gebrochene Gewißheit seiner selbst; die Bewährung, welche es durch Arbeit und Genuß erhalten würde, ist darum eine ebensolche gebrochene; oder es muß sich vielmehr selbst diese Bewährung vernichten, so daß es in ihr wohl die Bewährung, aber nur die Bewährung desjenigen, was es für sich ist, nämlich seiner Entzweiung findet.

G. W. F. Hegel aus: „Phänomenologie des Geistes“ (Abschnitt: B-IV-B)

Mit anderen Worten, die sich unbestätigt wissenden Besitzenden müssen auf ihren Besitz verzichten, um im Akt des Verzichtens die Tätigkeit und Selbständigkeit zu empfinden, die ihnen für sich selbst abhandengekommen ist, als der entfremdete Sinn der Tätigkeit nicht das Selbstwertgefühl, sondern allein der Profit geworden ist. Sie sind so reich geworden, dass ganze Produktionslinien Pleite gehen konnten, ohne die Bilanzen eines Rearden, d’Anconia oder Mulligan zu gefährden. Statt also sich selbst genügende Tätigkeiten anzustreben, aus sich heraus frei schöpfende kommunikative Prozesse zu initiieren, verlangten sie, dass der verlorene Sinn ihrer Tätigkeit von außen kommt. Dies implizierte aber das Missverständnis, auf die Meinung anderer wertzulegen, die man nicht als seines gleichen anerkannt hat. Des Rätsels Lösung also war die Flucht und das gegenseitige Schulterklopfen im Exil.

Ayn Rands „Atlas Shrugged“ zieht nur die vom Außen gelenkte Persönlichkeit in Betracht. Sie kennt nicht die sinnerfüllte, sinnstiftende Tätigkeit, die im Vollzug bereits die Freude generiert und bereits der Weg zum Glück gewesen ist. Ihr Roman improvisiert gekonnt die verschiedenen Stufen der Phänomenologie des Geistes durch, ohne das Phantasma zu durchschreiten, ohne den Widerspruch einzusehen, den sie sich selbst aufgebrummt hat. Wie eine Katze um den heißen Brei schleicht sie um des Rätsels Lösung – Forschung, Kunst und Genuss, die sich selbst genügen. Die Welt in „Atlas Shrugged“ ist hierfür jedoch zu prosaisch. Selbst der größte Musiker dieser Welt, Richard Halley, hört auf zu musizieren, weil ihm das Publikum nicht gefällt.

6 Antworten auf „Ayn Rand: „Atlas Shrugged“ (ii: der Plot)“

  1. Schöne Zusammenfassung von diesem Monsterbuch. Ich habe es ja ( die romantischen Szenen Mal ausgenommen) sehr gern gelesen. Vielleicht weil es so ist, wie du es im Anfang beschreibst. Anknüpfung an sozialistische Prosa und hier die Vermehrung ins Gegenteil.
    Ich habe noch ein weiteres Buch von Rand gelesen. Mit manchen Dingen gehe ich konform mit anderen nicht.
    Ein Beispiel: Karla bekam gestern im Deutschunterricht eine zwei in einer Erörterung über das gendern Begründung: der Text sei zu hochsprachlich, universitären Niveau das würde die anderen unter Druck setzen. Da sehe ich immer wieder problematisches Potential: wenn Leistung sich nicht lohnt wofür dann leisten?

  2. Alexander Carmele – Ich lese gern, reise viel, laufe Langstrecken, studiere, lerne und bin wissbegierig und interessiert an neuen Erfahrungswelten. Studiert, am Arbeiten, Hobbydenker, Freizeitsportler, offen für moderne Unterhaltung aller Art. Germanistik, Physiker, und blogge herum.
    alexander.carmele sagt:

    Nun, ich denke, allein die Tatsache, dass man ein zweitausend Seiten langes Buch liest und nicht aufhört, sagt vieles über die Qualität aus. Ich habe es sehr gerne gelesen, aber auf manche einseitige Konstruktionen reagiere ich ungeduldig. Was du über Karlas Deutschunterricht sagst, ist erschreckend – ich kenne dies aus der Uni, also hat das nicht einmal etwas mit dem „Bildungsniveau“ zu tun. Ich werde nicht müde, Niklas Luhmann zu empfehlen: „Das Erziehungssystem der Gesellschaft“ – der mikrologische Blick versperrt hier sonst den Kontext der Bildungsinstitution. Individuell bleibt einem nichts anderes übrig, als Prioritäten zu setzen. Da, in der Entscheidungsstruktur, gehe ich mit Rand konform, aber nicht in der Analyse und erst recht nicht in der metaphysischen Begründung 🙂 … ich arbeite am dritten Teil Ayn Rands „Logik“, mal sehen, ob das gelingt. Klara soll diese Erfahrung einfach als Sieg verbuchen. Ich applaudiere von Berlin aus.

  3. Habe gestern gelesen, dass Ayn Rand mit Absicht ihre Romane oberflächlich gehalten hat, weil die ihre Philosophie möglichst vielen Menschen nahebringen wollte. Romane die möglichst viele Menschen erreichen. Dann macht das Banale vielleicht sogar Sinn. Dieser Arztromankitsch neben absolut spannenden Erörterungen. Sie fasziniert mich noch immer. Allerdings bin ich ein 2. Mal an Fountainhead gescheitert. Das ist so plakativ, dass es wirklich nicht geht für mich.

  4. Alexander Carmele – Ich lese gern, reise viel, laufe Langstrecken, studiere, lerne und bin wissbegierig und interessiert an neuen Erfahrungswelten. Studiert, am Arbeiten, Hobbydenker, Freizeitsportler, offen für moderne Unterhaltung aller Art. Germanistik, Physiker, und blogge herum.
    alexander.carmele sagt:

    Ich denke, ehrlich gesagt, wir kommen nicht drum herum, auch Fountainhead zu lesen, irgendwann. Sie ist ein zu störrischer, zu wirbelnder, zu feuriger Charakter, von denen gibt es nicht viele. Sie provoziert und murrt, hämmert und überschreitet, was und wann immer sie will – man kann sich schwer entziehen. Habe „Die Tugend des Egoismus“ gelesen … Kopfschütteln … und doch habe ich es gelesen. Ob sie die Ärzteromantik nun extra oder nicht hineingenommen hat, die Unehrlichkeit in den Beziehungen erschreckt mich. Sie kreiert ein sehr hartes, konsumbasiertes Menschenbild. Aber ja, die Romantikstellen könnten einfach gekürzt werden … eigentlich hätte dieser ganze Roman einige Kürzungen verdient (bspw. auch die schreckliche Befreiungsaktion von John Galt, die Clique aus gewaltverneinenden Egoisten, die mit Gewalt einen Egoisten befreien). Sich Ayn Rand zu stellen, ist dennoch sehr lohnenswert – ich stimme dir rückhaltlos zu.

    1. Du hast mich erwischt:) Ich bin schon dabei. Aber nur sporadisch. Stimmt die Befreiungsgeschichte fand ich auch furchtbar. Ja du findest treffende Worte. Ein feuriger Charakter

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