Caroline Peters: „Ein anderes Leben“

Ein anderes Leben
Ein anderes Leben von Caroline Peters. Spiegel Belletristik Bestseller 12/2024.

Der Titel von Caroline Peters‘ Romandebüt Ein anderes Leben verweist nicht auf eine utopische Lebensform, eine andersgeartete Lebensweise oder auf ein futuristisches Lebewesen. In ihrem Roman geht es eher um das Allernächste, scheinbar Allerbekannteste und Selbstverständlichste, das sich aber bei genauerem Hinsehen als komplexer und geheimnisvoller als gedacht entpuppt: Das Leben der eigenen Mutter, das die namenlos bleibende Ich-Erzählerin am Tag des Begräbnisses ihres Vaters zu rekapitulieren beginnt:

Meine beiden Schwestern [Laura und Lotta] haben Klaus und Roberto in ihrem Leben, aber Bow war ihr Vater. Väter werden in unserer Familie sehr geschätzt und ernst genommen. Ich sage oft, dass wir aus unserer mütterlichen Linie mehr hätten machen können. Die Schwestern bestreiten das, schon weil ich die Jüngste bin, und die Jüngsten haben nie recht. […] Laura und Lotta lieben die Ramspeck’sche Stammesgeschichte und die daraus folgenden Umgangsformen. Sie lieben Wurzeln. Und sie ignorieren gern alles, was die Linie von Hanna und Tita hervorgebracht hat. Sie sind Ramspecks durch und durch. Aber vielleicht ändert sich das jetzt. Vielleicht befreit Bows Tod auch bei meinen Schwestern weggesperrte Erinnerungen an unsere Mutter.
Caroline Peters aus: „Ein anderes Leben“

Inhalt/Plot:

Die Situation erscheint nur auf den ersten Blick kompliziert. Hanna hat drei Töchter von drei befreundeten Männern, die sie aus der Studienzeit in Heidelberg kennt. Die genaue Konstellation spielt aber keine Rolle, denn im Grunde wächst die Ich-Erzählerin mit ihren beiden Schwestern und ihrem Vater Peter Ramspeck gemeinsam am Innenstadtrand Kölns in einem Bungalow heran. Erst zieht die älteste Schwester, Laura, die Schauspielerin wird, dann die zweitälteste, Lotta, die eine Laufbahn als Juristin einschlägt, aus und dann geht auch noch die Ehe zwischen Hanna und Peter in die Brüche. Wie diese dritte und letzte Ehe von Hanna scheitert, bildet das Herzstück des Romans:

Der Sturm brach noch nicht los. Wie kann das sein?, frage ich mich heute. Wie hat er so still und stumm in Hanna aufziehen können? Still und stumm wie das Männlein im Walde in dem Lied, das sie auf langen Autofahrten mit uns Töchtern gesungen hatte, als wir klein waren und unterhalten werden wollten. Dann passierten hintereinander vier Dinge, die mir gleichzeitig einfallen. Vier Ereignisse, die ich in die richtige Reihenfolge bringen muss, um sie zu verstehen.

Diese vier Ereignisse, die die Ich-Erzählerin schuldig fühlen lassen, werden nun kurz skizziert: Zum einen beginnt die Ich-Erzählerin sich aufreizend zu kleiden, etwas frühreif in den Augen ihrer Eltern; zweitens versucht sie die Rolle Lottas im Leben des Vaters einzunehmen, nachdem diese ausgezogen ist, und sich seine alleinige Aufmerksamkeit zu sichern, was unter anderem dazu führt, dass sie Lottas Zimmer vereinnahmt und die Mutter sich wieder mit einem Schreibtisch im Flur begnügen muss; drittens, selbst nach mehrmaligem Nachfragen, erkennen ihre Eltern nicht die Parallele zwischen ihrer Ehe und dem Konflikt in Oscar Wildes Stück Salomé, das sie sich als Familie anschauen gehen; und viertens, ein Jahr später, hat die Ich-Erzählerin ihren ersten Freund, was zu einem Streit zwischen den Eltern führt, ob die Ich-Erzählerin bereits Sex haben darf oder nicht. Die Situation bringt das Fass zum Überlaufen, und die Mutter trennt sich vom Vater:

Ein Tsunami der Wut und der Empörung über die ihr zugedachte Rolle der cremefarbenen Gattin. Der Sturm, der sie rausspülte aus dem angenehmen Bungalow, aus den Architektengattinnenlesekreisen und dem Zuhören. Sie wollte nicht mehr zuhören, sie wollte gehört werden. Sie wollte hinein in eine Welt ihrer eigenen Wörter. In ein unendliches Labyrinth würde sie ziehen, bestehend aus den geräumigen Höhlen ihrer Gedanken, Palästen mit gigantischen Kuppeln aus Worten. Endlich kam ihre Energie zu ihr zurück. Ihre ungeheure Energie, die jahrelang an Reißverschlüssen von Kinderanoraks verpufft war und sich in unfreiwilligen Kinnhaken entladen hatte. 

Sie zieht in die Nähe, und die Ich-Erzählerin bleibt beim Vater, aber besucht ihre Mutter nun täglich, die sich nun nach und nach eine Existenz als Schriftstellerin aufbaut, dichtet, übersetzt, zu Lesungen fährt und an ihrem Werk arbeitet. Im Nachgang betrachtet die Ich-Erzählerin das Leben ihrer Mutter mit anderen Augen. Ihr wird mit jedem Moment klarer, dass sie sich über-, die Mutter aber unterschätzt habe:

Meine Selbstbeschimpfungsstimme konterte: «Wenn wir immer alles so machen, wie die Zeit es gerade macht, sind wir nichts anderes als Treibgut. Es war deine Mutter. Du dachtest, es ist nicht wichtig. Jetzt, nachdem dein Vater verstorben ist, gehst du in sein leeres Haus und versuchst, ihm nachzuspüren. Du bist keine gute Tochter für deine Mutter gewesen. Du bist eine klägliche Feministin. Eine klägliche Salonfeministin an einem Off-Theater, wo sowieso niemand zuhört.»

Im Versuch, Frieden mit den Erinnerungen an ihre Mutter zu finden, kehrt die Ich-Erzählerin alleine zurück nach Berlin und lässt die letzten Jahre Hannas Revue passieren, ihre Erfolge, Niederlagen, die Unfähigkeit der Ärzte, die Krankheit der Mutter zu diagnostizieren, der langsame mentale Abbau und die eigentümliche, völlige Abwesenheit ihres Vaters. In ihrer Wohnung sieht sie im Flur eines der Lieblingsbilder der Mutter stehen und versucht zu erkennen, ob der abgebildete Baum nach oben oder nach unten unvollständig ist, ob diesem die Wurzel oder die Krone fehlen, und vermag deshalb nicht zu entscheiden, wie herum das Bild, das bislang auf dem Boden im Flur gestanden hat, aufzuhängen sei.

Henne oder Ei, denke ich und stelle das Bild, so wie es jetzt ist, an die Wand. Entweder stand es all die Jahre auf dem Kopf, oder es steht jetzt falsch herum. Wer soll mit mir darüber streiten? Hanna. Hanna könnte streiten mit mir. Darüber, warum ich so lange gebraucht habe, um einen Kringel auf einem Bild zu entdecken. Warum es so viele Jahre gedauert hat, die Fragen zu stellen, die ich nie gestellt habe. Und warum ich sie nun selber beantworte. Ach, Hanna, könnte ich darauf sagen. Menschen machen Fehler.

Das Buch endet mit einer, wahrscheinlich, erfundenen Episode, wie ihre Mutter zu diesem Bild gekommen ist. Vom Stoff her gehört Ein anderes Leben dem Kreis Generationen (Familie) an und wird durch Prekäre Kindheitserfahrungen mehr oder weniger erfolgreich dynamisiert. Im Stoff und Plot schließt Caroline Peters‘ Roman nahezu kongruent an Lügen über meine Mutter an und Alois Hotschnigs Der Silberfuchs meiner Mutter. Entfernter steht hier Sylvie Schenks Maman Pate, da in diesem autofiktionalen Schreiben die Mutter eine eigensinnigere Widerstandskraft ausstrahlt.

Stil/Sprache/Form:

Sprachlich bietet Ein anderes Leben nicht sehr viel. Es wirkt fast wie transkribiert eingesprochen. Insbesondere die Zeitenverwendung erscheint hier und da inkonsistent, von den Modi wie Konjunktiv ganz abgesehen, die eigentlich die Figurenrede von der Erzählung abgrenzt, hier aber ineinander übergehen, und zu etwas verwirrenden Erzählsituationen führen:

Heute wird [mein Vater] begraben. Ich habe mich oft gefragt, wie schlimm dieser Moment wohl werden wird. Genau genommen gar nicht so schlimm, stelle ich jetzt fest. Wir schaffen es alle, so traurig es auch ist. Keine von uns zerbricht im Stehen daran, wie ich es manchmal befürchtet habe, wenn ich mir dieses Ereignis ausgemalt habe, an Tagen, an denen sowieso alles schlecht erscheint und man sich selbst etwas noch Schlechteres skizziert, damit die Wirklichkeit nicht mehr schrecken kann.

Da sie sich in der Vorvergangenheit gefragt hat, müsste sie schreiben, „wie schlimm dieser Moment wohl werden würde“, jetzt, wo sie ihn erlebt und er sich nämlich als gar nicht so schlimm herausstellt, um das vorgängige Irrealis der Frage zu betonen. Indikativ verwirrt hier nur. Die Wendung „im Stehen an etwas zerbrechen“ mag sich mundartlich herleiten, aber der zweite Perfekt müsste ein Präteritum sein, da das Ausmalen im Bezug auf das Befürchten bereits sequenziell vollendet ist, dass daraufhin wieder das Präsens herangezogen wird, macht die Verwirrung schließlich perfekt. Von diesen holprigen Absätzen abgesehen, mischen sich noch etwas allzu gewollte Wortfelder, wie bspw. in:

«Ihr drei auf der Rückbank», dieser Satz muss sich aus vielen Geschichten zusammensetzen. Ein Fiktionspuzzle, eine Familienfiktion. Gehirne und Erinnerungen sind fahrig und löchrig wie Schweizer Käse oder die Superstringtheorie. Vielleicht brauchen fahrige Gehirne diese Fiktionen. Das Gehirn nimmt nicht alles auf, was wirklich geschieht, sondern bastelt, rechnet, antizipiert.

Weshalb die Superstringtheorie fahrig oder löchrig wie Schweizer Käse ist, erschließt sich weder aus dem Zusammenhang noch aus dem theoretischen Kontext des Begriffs, der ja in einer Großen Vereinheitlichten Theorie (GUT) das vollständige Abbild der Realität physikalisch sichern will. Im Laufe der Erzählung pendelt sich aber der Ton und die Ich-Erzählperspektive ein und bleibt, emotional dichter und verbindlicher werdend, ihrem Gegenstand immer treuer.

Kommunikativ-literarisches Resümee:

Auffällig werden in den Büchern wie Daniela Dröschers Lügen über meine Mutter, Wolf Haas‘ Eigentum, Alena Schröders Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid oder Birgit Birnbachers Wovon wir leben sehr renitente, selbstbewusste Frauenfiguren aus der Vergangenheit mit eher an sich selbst zweifelnden, sich selbst kritisierenden in der Gegenwart kontrastiert. Die Großmütter, Mütter kämpfen sich durchs Leben. Sie erkämpfen sich ein kleines Stück Freiheit, gehen Opfer ein, finden aber Momente des Glücks, während (meist) die Töchter mit Blick auf die Eltern an ihrem eigenen Leben verzweifeln. Ein anderes Leben stimmt in diesen Chor ein und kennt, eigentümlicherweise, gar nicht die Solidarität mit ihrer Mutter, wie sie bspw. Dinçer Güçyeter in Unser Deutschlandmärchen beschreibt, als das erinnernde Ich seiner erschöpften Mutter auf der Arbeit helfen will:

Am nächsten Tag hatte ich nicht den Mut, dir von meinem großen Plan zu erzählen, stattdessen schmiedete ich neue Pläne. […] Ich rollte mich wie ein Igel unter dem Rücksitz [des VW-Bus] zusammen. […] Tante Fadime beugte sich runter, ihre Kugelaugen gafften mich an wie eine Eule. ‚Tatsächlich, Dinçer liegt hier unter dem Sitz.‘ Jetzt kam der Moment der Klarstellung […] ‚Ich werde ab jetzt mit dir auf das Feld kommen, arbeiten und Geld verdienen, damit du nicht mehr weinst. Und wenn du mich jetzt nach Hause schickst, komme ich mit dem Fahrrad nach, ich kenne die Strecke, das Feld ist hinter dem Schwimmbad. Ist mir egal, du kannst mich auch schlagen, ich mache es trotzdem.‘
Dinçer Güçyeter aus: „Unser Deutschlandmärchen

Eine solche Aktion kommt den Kindern aus besagten Texten nicht in den Sinn. Sie bedauern das Schicksal ihrer Mutter, aber sie werden erst im Nachhinein, sogar meist erst nach dem Tod der Mutter mit ihr solidarisch. Eine gewisse Problematik entsteht dadurch, dass den Ich-Erzählerinnen, wie auch in Ein anderes Leben, klar wird, wie aufregend und abenteuerlich das Leben ihrer Großeltern und Eltern im Vergleich zu ihrem bisherigen gewesen ist. Reißt die Mutter in Birnbachers Roman nach Italien aus, spart sich die Mutter in Dröschers Erzählung heimlich ein Vermögen an, und nistet sich in Haas‘ Kurzroman die Mutter gegen den Willen des Bürgermeisters einfach in ein leerstehendes Gebäude ein, so beginnt die Mutter in Caroline Peters Ein anderes Leben mit fünfzig Jahren ein Leben als Dichterin und deren Mutter, die Großmutter der Ich-Erzählerin, Oma Tita, lässt sich weder vom Krieg noch vom Haushalt ins Bockshorn jagen, zecht mit Offizieren, reitet Dressur und übernimmt die Geschäftsführung eines Autohauses, wenn sie nicht gerade ihre Enkelinnen triezt:

Spaziergänge mit Oma Tita waren Märsche. Sie lief querfeldein durch Felder und Wiesen, ohne auf Wege zu achten. Sie brachte uns bei, welche Dinge am Wegesrand man essen konnte, wilden Salbei, Löwenzahn, Schnecken, Schlehen. Sie zeigte uns, wie man Mais klaut und ohne Hilfsmittel Feuer macht. Über die Flucht wurde nie gesprochen, aber ich denke, Mais klauen und Schnecken braten ist auch eine Sprache, nur besteht diese nicht aus Buchstaben.

Angesichts der Lebensfülle, der Intensität dieser Mütter und Großmütter schleichen die Protagonistinnen dieser Gegenwartsromane eher schweigend umher, mit Blick zurück statt mit Blick nach vorn, aber in diesem Sinne, vielleicht verstärkend und zurückweisend in einem, mag Caroline Peters‘ Ein anderes Leben der erste hoffnungsvolle Schritt zur Überwindung dieser narrativ sich selbst auferlegten Beschränkungen sein, denn die Vorgängerinnen stehen dort als leuchtende Sterne in einer ansonsten eher verdrießlich finsteren Gegenwartsnacht.

tl;dr … eine Kurzversion der Lesebesprechung, aber mit detaillierter Inhaltsangabe findet sich hier.

Nächste Woche am 24.12.2024 auf Kommunikatives Lesen:
wahrscheinlich von Dana von Suffrin Nochmal von vorne.

Diese und andere aktuelle Kurzrezensionen befinden sich hier

17 Antworten auf „Caroline Peters: „Ein anderes Leben““

  1. Aufarbeitung der Beziehung zur Mutter überfallen die Leserschaft derzeit wirklich von allen Seiten. Mein allererstes Buch über diese Thematik war vor vielen Jahren Handkes wunschloses Unglück, das mich sehr beeindruckt hat. Inzwischen bin ich des Themas etwas müde geworden. Liebe Grüße
    PS.:ich habe geschmunzelt darüber, dass dich die angebliche Löchrigkeit der Superstringtheorie irritiert hat🙃

    1. Das Buch von Handke werde ich dann doch auch mal lesen, irgendwann. Die Form der Mutter-Literatur selbst langweilt mich nicht, aber das etwas „Larmoyante“ daran. „Deutschlandmärchen“ ist eine gute Ausnahme, es gibt bestimmt noch andere, aber mir fallen nicht viel mehr ein. Die Löchrigkeit von Theorie ist ein Thema für sich – ich habe mir kurz den Kopf zerbrochen, wie eine Theorie löchrig sein kann … jetzt zerbreche ich ihn mir wieder 😀 Vielen Dank für den Kommentar!! Viele Grüße!!

      1. Es ist schon sehr lange her, dass ich es gelesen habe, aber ich weiß noch, dass mich der Blick auf die Mutter beeindruckt hat

  2. Du bist mir zu streng mit dem Text.
    Kommt dir gar nicht in den Sinn, dass die meisten Menschen etwas wie die Superstringtheorie als etwas für das Gehirn unfassbares betrachten?
    Sie nutzt den Begriff aus seiner starren Begriffsdefinition herausgelöst spielerisch.
    Das fahrige Gehirn ist nicht in der Lage eine solch umfassende Theorie zusammenzusetzen. Löchrig ist nicht die Theorie, sondern die Erinnerung, das Gehirn selbst, das diese Theorie nicht zusammen bekommt.
    Also der Zugriff auf die Theorie ist das Problem, nicht die Theorie selbst.
    Die Theorie wird hier ehr wie eine Art Resonanzraum verwendet.

    1. Ich habe lediglich eine Wortfeldmischung konstatiert – die mich aufmerken ließ. Sie schreibt ja nicht das, was du sagst – sie schreibt „fahrig und löchrig wie Schweizer Käse oder die Superstringtheorie“, hätte sie geschrieben „löchrig wie Schweizer Käse und unzugänglich, verwirrend wie die Superstringtheorie“ hätte ich zwar die Wortfeldmischung seltsam gefunden, aber verstanden, was sie meint. Zudem habe ich mich gefragt, wie eine Theorie löchrig sein kann … andererseits kommt aus einem Zitat die Fremdheit nicht gut heraus. Im ganzen Text wird nie über Theorie oder Physik oder über Strings reflektiert. Sie fallen einfach aus dem Himmel und wirken daher irgendwie losgelöst vom Ganzen. Es sind aber nicht viele solcher Stellen, und das Ende wird ja runder, geschlossener. Mir sind ein paar dieser Stellen aufgefallen. Ich wollte nur ein Beispiel geben. Es gibt viele Ebenen-Vermischungen in dem Text, wahrscheinlich könnte man das besser herausarbeiten und daraus eine eigene Perspektivierung des Textes begründen.

      1. Nanana, mit das steht nicht im Text lasse ich dich diesmal nicht durchkommen. Und ob das im Text steht. Das Zitat hat auch noch einen Satz davor und danach. Damit ist eine Kontextualisierung gegeben. Ein klein wenig assoziative Mitarbeitet musst du schon gewähren.
        Und wieso soll sie denn vorher die Strings irgendwo anders erwähnen? Was ist das denn für ein Argument? Gerade weil es so irritierend gesetzt ist entfaltet es doch seine Wirkung.
        Pow! Superstringtheorie! Und dein Hirn! Klingelingeling! Hä?
        Fühlst du dich plötzlich auch ganz fahrig und löchrig? Und? Vielleicht ist das bewusst schräg gesetzt um genau ihren Punkt den sie machen will zu unterstreichen. Alles ein bisschen schwierig zu verstehen, wenn das Hirn komische Sachen machen und lauter Fragmente zusammen klöppeln muss.
        Also bei mir funktioniert es prächtig.
        Übrigens: wenn man den Käse, die Löcher und die Strings verbindet bekommt man stinkende Sterne, hehehe….

      2. Jeder Text lässt sich gut oder schlecht reden. Mir fielen einige Vergleiche in ihm auf, die mich irritiert haben, wie auch manche Zeitanschlüsse, die für mich ins Leere verliefen und nur sehr lose, wenn überhaupt, mit dem Erzählfluss verbunden blieben. Der Text besitzt etwas sehr Lockeres und Fragiles. Eine Lesart wäre tatsächlich ihn auf diese Durchlässigkeit und Anpassungsfähigkeit hin zu lesen, hin fast zur Alltagslyrik. Sollte ich noch mal etwas von Caroline Peters lesen, wäre das ein Einsatz, ich bin mir noch nicht sicher, in welche Erzähltradition das den Text stellt. Ich denke mal darüber nach, ich hoffe nicht die der stinkenden Sterne 😀

    1. Physikalische Gleichungen komprimieren Messdaten – bspw. die Planetenbewegung wird durch die Bewegungsgleichungen von Newton komprimiert, und zwar durch zwei Konstanten, Radius und eine planetentypische Konstante (wenn man will „die Masse“). Die Superstringtheorie versucht die Daten aus atomaren Experimenten mit den Daten aus astronomischen Messungen in einer gemeinsamen Basis darzustellen (Experiment wäre bspw. die Energieabstrahlung eines Schwarzen Loches) und dies wieder durch abzählbar viele Konstanten. Die Gleichung hat 10 Dimensionen und muss dann angepasst für die Experimente angepasst werden. Es ist eine der großen Suchen gegenwärtiger theoretischer Physik diese Gleichungsform (oder Komprimierungsform) zu finden. Es ist noch nicht bruchlos gelungen. (Zusätzlich wird das zittrige Atombild durch ein schlängelndes Gitarrensaitenbild ersetzt, hat aber nur illustrativen Charakter). Viele Grüße!

  3. Was ist Superstring?
    Habe die Besprechung sehr gern gelesen, das Buch lesen ich aber lieber nicht. Ich würde aber eines lesen welches deine gesammelten Rezensionen enthält

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