Alina Bronsky: „Pi mal Daumen”

Pi mal Daumen von Alina Bronsky
Pi mal Daumen von Alina Bronsky. Spiegel-Belletristik Bestseller 2025.

Der Universitätsalltag findet in der Literatur seltener Erwähnung als Schulzeit- und Kindheitsgeschichten. In letzter Zeit lassen sich da, bspw., Raphaela Edelbauers Die Inkommensurablen, Slata Roschals Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten oder Terézia Moras Muna anführen, und ein Klassiker stellt sicherlich John Williams Stoner, Philipp Roths Der menschliche Makel oder, weiter zurückgehend Die Blendung von Elias Canetti dar. Alina Bronsky, die mit ihren Büchern bereits zweimal (2010,2015) auf der Longlist des Preises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gelandet ist, legt nun ein Buch über das Mathematikstudium vor, insbesondere über die auftretenden Anfangsschwierigkeiten:

Am Anfang des Semesters waren die Vorlesungen noch voll, die Leute mussten auf der Heizung oder auf dem Boden sitzen. Die Hälfte der Professoren hatte osteuropäische Namen. Sie waren besonders gefürchtet, weil sie den Stoff des ersten Uni-Semesters bereits in der neunten Klasse auf ihren spezialisierten Schulen gelernt und wenig Verständnis für das Schneckentempo in Deutschland hatten. »Warten Sie ein paar Wochen«, hatte der Studiendekan Professor Orlov bei der Begrüßungsveranstaltung gesagt. »Dann sind wir wieder unter uns.«
Alina Bronsky aus: „Pi mal Daumen“

Inhalt/Plot:

Die zwei Hauptfiguren aus Pi mal Daumen heißen Oscar Maria Wilhelm Graf von Ebersdorff, sechzehn Jahre alt zu Beginn des Romans, und Monika Kosinsky, 53-jährig, mit einer Tochter, die drei Kinder hat, Justin, Kevin und Quentin. Sie befinden sich also in völlig verschiedenen Lebensphasen und werden dennoch Freunde. Der Stoff lautet also Freundschaft, der hauptsächlich durch die Dynamik Umgarnte Machtmenschen in Bewegung gebracht wird. Im Zentrum des Geschehens steht nämlich der Fields-Medaillen-Gewinner Daniel Johannsen, bei dem Oscar unbedingt seine akademische Karriere beginnen möchte und den Moni noch aus Schulzeiten her kennt:

Das Geräusch der Cowboystiefel-Absätze hatte Moni aus ihrem Sekundenschlaf gerissen. Sie öffnete die Augen und schaute sich nach dem Kind um. Dann entdeckte sie den Mann.
»Oh«, sagte sie. »Hallo, Daniel.«
Der Mann sah sie an. Sie stand auf und richtete ihre Kleidung. Was auch immer sie gerade im Gesicht hatte: Es war nicht ihr Lächeln, sie hatte es irgendwo geklaut. Das Schweigen dehnte sich. Dann hörte ich zum ersten Mal live die Stimme von Daniel Johannsen, dem berühmtesten lebenden Mathematiker Deutschlands. »Hi there«, sagte er. »Geht’s hier irgendwo zum Raum 102?«

Johannsen erkennt Moni zuerst nicht wieder. Erst nach und nach beginnt er sich zu erinnern, und so passiert es, dass Moni, nicht Oscar, seine Bachelorarbeit über die Klassifikation vierdimensionaler hochsymmetrischer Polytope bei ihm schreibt. Bis dahin aber gilt es noch einige Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, die unter anderem durch Oscars soziale Anpassungsprobleme und auch durch das ignorante familiäre Umfeld von Moni zustande kommen. Oscar, verwöhnt bis unter die Haube, weiß sich gar nicht wirklich selbst zu helfen und wird von Moni trotz seiner beleidigenden Kommentare großzügig bemuttert. Im Gegenzug jedoch hilft Oscar, der ein Talent für Mathematik besitzt, Moni beim Bestehen ihrer Übungsaufgaben und Klausuren.

Im Rückblick konnte ich kaum glauben, dass ich es irgendwann für seltsam gehalten hatte, dass Moni Mathematik studierte, oder dass ein rotznäsiges Kind im Hörsaal saß und ein Polyeder aus meinem Zometool zusammensetzte oder dass ich am Morgen vom Duft des Käsekuchens aufwachte, den Moni nachts gebacken hatte, weil sie gerade in einer Lösung nicht weiterkam und sich ablenken wollte. […] Es war der Sommer, in dem ich mich dabei ertappte, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben spontan das Pronomen wir aussprach.

Oscar und Moni streiten sich, versöhnen sich und lernen sich und ihr Umfeld immer besser kennen. Von Neugier getrieben möchte Oscar wissen, woher Moni Daniel Johannsen kennt und weshalb Professor Herbst sie so zuvorkommend behandelt. Er spürt, dass sich da ein Geheimnis verbirgt, und in der Tat entpuppt sich die Vergangenheit von Moni komplexer, als Oscar es zuerst angenommen hat. So kommt es zu Plagiatsvorwürfen, Racheaktionen und allen möglichen anderen Problemen im etwas kindisch dargestellten akademischen Betrieb, bis Moni endlich ihre Bachelorarbeit verteidigen darf.

»Zehn ist korrekt«, sagte Herbst.
Ich hob den Kopf. »Aber Sie selbst haben doch null gesagt!«
»Ich habe Daniel zuliebe mitgespielt. Hat sich ja sonst niemand getraut.«
»Sie haben mit Absicht eine falsche Zahl genannt? Ich könnte so etwas nicht«, sagte ich.
»Sie werden es noch lernen«, sagte Herbst.

Mit allerhand Anspielungen zeichnet Pi mal Daumen einen Institutionsalltag nach, in dem es für alle Beteiligten interessanter zu sein scheint, dreckige Wäsche über andere zu waschen, sich die Forschungsergebnisse zu stehlen und sich über Ernährungsfragen auszutauschen, als sich mit den aufgegebenen und vorgegebenen Forschungsgegenständen zu befassen.

Stil/Sprache/Form:

Bronskys Stil lässt sich als alltagssprachlich bezeichnen. Direkte Rede dominiert den Text. Beschreibungen fallen kurz aus. Reflexionen finden fast gar nicht statt. Oscar, der Ich-Erzähler, betrachtet die Ereignisse aus einer nicht bekannten Erzählgegenwart heraus, und dies im Rückblick, ohne aber zusammenhangsstiftende Vertiefungen zu bieten. Der rückblickende Ich-Erzähler bleibt so immersiv seiner Erzählung verhaftet, ohne sie zu durchdringen und für das Publikum sinnstiftend mittels Straffung, Dehnung oder Verdichtung zu bearbeiten. Er berichtet fast durchweg linear, mit ein, zwei kleinen Ausnahmen, so dass sich eine Art Protokollgeschehen einstellt, die die Erzählinstanz merklich limitiert und im Zaum hält. Sie darf und soll offensichtlich nicht abschweifen.

Allmählich dämmerte mir, dass Moni Kosinsky ein Leben außerhalb der Uni haben musste. Dieses Verständnis aufzubauen fiel mir schwerer, als seinerzeit die partielle Integration zu erlernen. Als ich noch klein war, war ich überzeugt davon gewesen, dass Menschen, sobald sie aus meinem Blickfeld verschwanden, erstarrten wie ausgeschaltete Roboter. Ich war davon ausgegangen, dass sie hinter einer Art Bühne darauf warteten, meine Welt wieder zu betreten und erst dann wieder aktiv zu werden. Inzwischen hatte ich eine Ahnung davon, dass es mehr als meiner Aufmerksamkeit bedurfte, um Personen lebendig zu machen. Trotzdem sprengte es meine Vorstellungskraft, dass jede einzelne von ihnen ein eigenes Leben, eine Familie, vielleicht Bücher und Haustiere hatte und eventuell sogar über ein Wissen verfügte, das ich nicht besaß.

Offensichtlich besitzt Oscar ein mangelndes Empathievermögen und verhält sich deshalb sehr unbedarft und eigensinnig, ja offenherzig bis kaltschnäuzig, was bisweilen zu unterhaltsamen Situationen führen kann. Pi mal Daumen setzt sich also in die Erzähltradition der Schelmenromane und teilt die Vorteile wie Nachteile mit dem Genre, denn ein Schelm, der Narrenfreiheit besitzt, erscheint unzuverlässig und beliebig und vermag schon alleine aus diesem Grunde nicht wirklich zu faszinieren. Schelmenromane leben deshalb von kurzen Episoden, in denen die Überraschung zum Humor führt, was aber selten wirklich gelingt, siehe bspw. Trottel von Jan Faktor, Necati Öziris Vatermal oder Orhan Pamuks Die Nächte der Pest oder selbst der, nicht ohne Grund, unvollendet gebliebene Roman Felix Krull von Thomas Mann.

Kommunikativ-literarisches Resümee:

Schwieriger wird die erzählerisch-kommunikative Einordnung  von Pi mal Daumen, denn in Bronskys Roman geht es nicht um Mathematik oder das Studium, noch nicht einmal wirklich um Freundschaft. Das, was zwischen Oscar und Moni im Laufe des Textes entsteht, geht weit über eine Freundschaft hinaus. Sie gehen ein Mutter-Sohn-Verhältnis ein. Kohärent erscheint der Text solange, wie Moni die unerschöpfliche, allzeit bereite, immer zur Verfügung stehende Übermutter repräsentiert, die liebend gern auf ihre eigene Bestimmung und ihre eigenen Ansprüche auf eine mathematische Karriere verzichtet.

Oscar, talentiert, aber mit sozialen Schwierigkeiten, erinnert Moni an ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Jan, für den sie sogar, um ihm in der Schule direkt helfen zu können, zweimal sitzengeblieben ist. Die Sekretärin des Kolmogorov-Gymnasiums, auf dem Moni, Daniel Johannsen und Jan gewesen sind, Frau Finke, nennt Moni gegenüber von Oscar „dumm wie Brot“ zugleich aber besonders hilfsbereit:

»Monika war immer an Jans Seite«, hatte Frau Finke erzählt. »Sonst hätte er gar nicht auf der Schule bleiben können. Sie begleitete ihn zu all seinen Wettbewerben. Der Vater hat die ganze Zeit gearbeitet, und damals wussten wir auch nichts von sogenannten besonderen Bedürfnissen. Entweder es passte irgendwie, oder die Verrückten mussten gehen. Bitte zitier mich nicht, ja? Aber niemand wollte, dass Jan abging, weil er einer der genialsten Schüler war, die jemals die Schule besucht hatten. Wenn die Lehrer nicht gerade seinetwegen verzweifelt waren, waren sie hingerissen. Einer hatte einmal gesagt, die Stunden mit Jan glichen einem religiösen Erlebnis. So ein tragisches Schicksal.«

Dieses Bild passt zu Monis Verhalten gegenüber Oscar, und zwar vom allersten Tag an. Sie adoptiert ihn als Bruderersatz. Im Gegensatz zu den anderen, die in Oscar nur einen vorlauten, arroganten Schnösel sehen, erkennt Moni nämlich seine Besonderheit. Diese Lesart wird im Text durch den Verweis auf Ray Bradburys Das vierdimensionale Kind bestärkt, die der Vater von Moni (und Jan) Oscar zum Lesen gibt. Die Kurzgeschichte handelt von Peter und Polly Horn, dessen Kind während der Geburt teilweise in die vierte Dimension rutscht:

»Das Kind ist irgendwie durch den Geburtsdruck beeinflußt worden. Es hat eine dimensionelle Distruktur gegeben, die auf einen Kurzschluß in der neuen Geburtsmaschine und eine gleichzeitige Fehlfunktion im Hypnoseapparat zurückzuführen ist.  […] Ihr Kind lebt, ist gesund und zufrieden. Es liegt dort auf dem Tisch. Aber weil es in eine andere Dimension geboren wurde, hat es eine Form, die uns fremd ist. Unsere Augen, der dreidimensionalen Welt angepaßt, können es nicht als Baby erkennen. Aber es ist ein Baby. Unter der Tarnung, unter der seltsamen Pyramidenform mit seinen Tentakeln ist es Ihr Kind.«
Ray Bradbury aus: „Gesänge des Computers“

Bradbury allegorisiert die Geburt des Kindes als den totalen Neubeginn des Lebens der Eltern unter nun veränderten mehrdimensionalen Vorzeichen. Zunächst sehen sie in ihrem Kind nicht mehr als die anderen sehen können. Als sich aber Peter und Polly entscheiden, Teil der vierten Dimension zu werden, können sie ihren Sohn in wahrer Gestalt erkennen, verlieren dafür aber für ihre Mitmenschen die gewöhnliche Gestalt. Mehrmals verweist Alina Bronsky in ihrem Roman Pi mal Daumen auf diese Erzählung und die blaue Pyramide. Andere sehen in Jan oder in Oscar nur unverschämte, verhaltensauffällige Bengel. Nicht aber sie, Moni, die Teil ihrer Welt wird, und so das wahre Potential der beiden erkennt und fördert und hierdurch selbige Talente zu entfalten beginnt:

Anstatt sich auf Inhalte ihrer Studien und ihrer Forschung zu konzentrierten, stellten Studierende wie Dozenten Hypothesen über das Zustandekommen der Johannsen-Kosinsky-Konstellation auf. Ein kleinerer Teil mutmaßte, dass es sich bei Moni um ein mathematisches Genie handelte, das Johannsen ganz allein entdeckt hatte und weiter fördern wollte. Der größere Teil unterstellte Johannsen unlautere PR-Absichten, da Monis überraschend erfolgreiches Studium angeblich bereits das Interesse der wissenschaftlichen und regionalen Medien geweckt hatte. 

Mit viel Emphase beschreibt Bronsky Polytope und die Projektion vierdimensionaler Körper auf drei Dimensionen, die dort nur verstümmelt und unsymmetrisch erscheinen. Diese erscheinen so als Metapher für die ungeahnten, verborgenen Talente von Mitmenschen, die sich außergewöhnlich, vielleicht sogar schwierig im Alltag verhalten. Leider aber franst diese kohärente Allegorie dort aus, wo sie beginnt, nämlich bei Monis Bruder Jan, der wie Oscar eine sehr schattenhafte Existenz im Roman führt. Sein Werdegang stellt den Schlüssel für Oscars Zukunft dar, bleibt aber für alle ein Geheimnis. Vieles deutet am Ende daraufhin, dass er in die vierte Raum-Dimension geflohen ist und nun für alle nur noch als Kristall zu bestaunen ist. Wie das aber mit dem Rest des Buches zusammenhängt, bleibt schleierhaft und ist vielleicht auch nur aus der vierten, nur für manche zugänglichen Raum-Dimension heraus zu verstehen.

tl;dr … eine Kurzversion der Lesebesprechung, aber mit detaillierter Inhaltsangabe findet sich hier.

Nächste Woche am 14.101.2025 auf Kommunikatives Lesen werde ich den neuen Roman von Heinz Strunk besprechen: Zauberberg 2.

Diese und andere aktuelle Kurzrezensionen befinden sich hier

20 Antworten auf „Alina Bronsky: „Pi mal Daumen”“

    1. Und ich habe mich beim Lesen von Alexanders sensibler Besprechung gefragt, ob du das Buch kennst bzw. ob es etwas für dich ist, lieber Lu. 😁
      Vormittagskaffeegrüße ☁️💻🎶☕🍪

    2. Hast du etwas dazu geschrieben? Mich interessiert, wie du die Raummetapher aufgefasst hast. Ich habe es nicht außergewöhnlich mathematisch empfunden. Wie hast du den Titel „Pi mal Daumen“ aufgefasst? Worauf bezog sich die Näherung – also dieses Ungefähr, eben Pi mal Daumen? Auch das war mir nicht so klar, aber ich dachte, ich muss mich ja nicht in jedes Geheimnis verbeißen 😀 Vielen Dank fürs Kommentieren. Gruß Alexander

  1. Es klingt sehr spannend, vielschichtig, ungewöhnlich. Aber ich habe es mal mit einem Buch von Bronsky versucht. Und es ging ( wie fast jedesmal mit Gegenwartsliteratur,) nicht. Von daher freue ich mich einfach über diese schöne Rezension

    1. Es ist eine sehr gewagte Mischung, die Bronski vorlegt, die wiederum sogar zweimal für den Deutschen Buchpreis nominiert worden ist. Bin mir noch nicht sicher und werde vielleicht noch ein weiteres Buch von ihr ansehen – rein sprachlich war es nicht sehr viel, für mich. Die Allegorisierung fand ich jedoch nicht ungelungen. Ein schöne weitere Woche wünsche ich dir aus dem seltsam lauen-milden Winterberlin!

      1. Bin mir im Moment nicht sicher, ob man das laue Wetter besser noch genießt, bevor es kalt wird. Und wenn man sieht wie die Wetterlage in Österreich ist. Hier stürmt es ein bisschen .
        Die Nominierungen für den Buchpreis finde ich wenig aussagefähig. Dafür deine Rezensionen. Viele Grüße aus windböenumwehten Kiel

  2. Ich staune immer wieder, wie sehr du deine Lektüren sezierst. Und das meine ich respekt- und hochachtungsvoll, aber mir persönlich erschließt sich dieser Zugang nicht, der mich sehr an Erlebnisse aus dem Mittelstufen-Deutschunterricht erinnert, meiner ist eher intuitiv.
    Gerade dieses Buch habe ich nicht nur als Buchhändlerin (und in dieser Eigenschaft lese ich nach der Maßgabe, wem ich ein Buch empfehlen kann), sondern in erster Linie als Mutter einer mathematisch hochbegabten Tochter im Autismus-Spektrum gelesen.
    Und so kann ich zur Sprache nur sagen (auch wenn gilt, dass jeder ASS-Betroffene einzigartig ist): Alina Bronsky hat die Ausdrucksweise, die ungeschminkte, manchmal brutal und respektlos anmutende Ehrlichkeit, die Argumentationslinien eines hochfunktionalen Autisten sehr gut eingefangen.

    Obwohl wir beiden unterschiedliche Leseerlebnisse hatten, danke ich für deine Rezension, die mir eine andere Sichtweise auf das Buch eröffnet hat.

    Liebe Grüße
    Anja

    1. Das Schöne an Literatur liegt an ihrer Vielschichtigkeit und wie das Leseerlebnis sich an den Leseerwartungen anpasst, wie der Text funktioniert, mit den eigenen Gedanken, Emotionen und Erfahrungen spielt. Diese sehr individuelle Seite beleuchte ich in der Tat sehr wenig, doch versuche ich durch die Verknüpfungen einen mehr oder weniger innerliterarischen Diskurs zu schaffen, als das je stattfindende Lektüre-Erlebnis hervorzuheben. D.h. auf meinem Blog spiele ich virtuelle Diskussionen von Büchern durch – das funktioniert mal gut, mal weniger gut, und insbesondere dann schlecht, wenn das Buch individuell große Bedeutung besitzt. Mich freut es immer zu hören, dass Bücher liebgewonnen werden. Ich habe das Buch mehr auf seine Allegorie und seine ca. acht Anspielungen auf den Text von Bradbury gelesen. Hast du eine Idee, wieso Bradbury und die blauen Pyramiden so oft vorkommen? Es ist ja nicht so, als hätte sie es so oft nur zufällig erwähnt. Viele Grüße und vielen Dank für dein Interesse!

      1. Ich sag nur: Spezialinteresse. Im Laufe der Jahre waren das bei uns zuhause Harry Potter, Dinosaurier, Taylor Swift und aktuell ist es das Periodensystem der Elemente

      2. Also, du erklärst die „Blaue Pyramiden“ als ein Spezialinteresse von Alina Bronski? Und statt Bradbury hätte es auch „Taylor Swift“ sein können? Ja, dann hätte ich mir tatsächlich das Kopfzerbrechen sparen können 😀 … viele Grüße und schönes Wochenende!

  3. Deine Rezension fand ich mal wieder äußerst spannend, Alexander. Immer wieder in den vergangenen Jahren habe ich empfunden, dass Bücher über die Entwicklung sehr junger und männlicher Menschen mir nicht sehr viel sagen, es sind halt nicht meine Probleme. Es gibt natürlich Ausnahmen davon (Paul Austers 4321 gehört dazu).
    Aber die Zeit für deine Besprechungen wende ich auch in solchen Fällen gerne auf, das lohnt sich immer.

    1. „Pi mal Daumen“ als Genre habe ich auch noch nicht begriffen, aber in der Tat geht es in diesem Buch weniger um Oskar als um Moni. Oskar wird umsorgt. Moni kämpft und scheitert, bemüht sich und ändert sich. Sie durchläuft eine Katharsis in eine diskutierbare Wendung. Paul Auster hat mich sprachlich immer wenig gereizt „4321“ erschien mir bislang sehr ausufernd, ich hatte es letztens mit „Baumgartner“ versucht, aber das klappte auch nicht so ganz. Legst du mir „4321“ sehr ans Herz? Dann überlege ich es zu lesen! Vielen Dank für dein Interesse, liebe Ule! Viele Grüße!!

      1. Schwierige Frage … es gibt Menschen, die zu Austers Büchern keinen Draht finden, da helfen dann keine Empfehlungen. Ich fand es großartig, lang ja, mit vier Versionen desselben Lebens kein Wunder. Aber die Idee, sich alternative Verläufe seines Lebens auszudenken, hat mich so oft beschäftigt, dass ich von 4321 ganz gefesselt war. Die englische Originalversion hat übrigens nur 900 Seiten gegenüber 1200 der Übersetzung. Vielleicht findest du das straffer; das Englische mit seiner großen Menge einsilbiger Wörter macht eben einen Unterschied.

  4. Vielen Dank für den ausführlichen Text. Alina Bronsky kommt demnächst auf ihrer Lesereise mit dem Buch auch nach Mainz. Dein Beitrag ist neben der Lektüre des Buches selbst eine perfekte Vorbereitung. Ich werde berichten.

    1. Ich denke, ich habe einige Themen anreißen können. Bei der Lesung würde ich Bronsky gerne nach dem Stellenwert der Bradbury-Geschichte fragen – also der Metapher der blauen Pyramide. Viel Spaß bei der Lesung, wünsche ich. Viele Grüße nach Mainz aus dem eiskalten Berlin!

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