Der Tod eines Kindes wird in der Literatur selten aus der Sicht eines Elternteils erzählt. Häufiger findet sich die Trauerarbeit einer Partners wie in Irvin D. und Marilyn Yaloms Unzertrennlich, Jon Fosses Der andere Name oder Helga Schuberts Der heutige Tag. Auch der Verlust der Eltern aus Sicht des Kindes bildet einen häufig bearbeiteten und gestalteten Stoff wie in Edgar Selges Hast du uns endlich gefunden, Caroline Wahls Windstärke 17 oder Alois Hotschnigs Der Silberfuchs meiner Mutter. Daniela Krien nimmt sich nun in ihrem neuesten Roman Mein drittes Leben der Thematik an, was bleibt, wenn ein Kind stirbt, und schließt so an bspw. Cees Nootebooms Allerseelen an, nur im Falle Kriens steht die trauernde Mutter im Zentrum des Geschehens:
„Daniela Krien: „Mein drittes Leben““ weiterlesenVor Sonja bin ich ein eigenständig fühlender, doch unvollendeter Mensch gewesen, ein Individuum ohne Zusammenhang. Ab ihrer Geburt war mein Lebensglück ihrem unterworfen. Von Beginn an und bis über ihr Ende hinaus bin ich das, was sie ist – glücklich, unglücklich, ängstlich, traurig, euphorisch, lebendig oder tot. Denn wenn ein Kind geht, nimmt es dich mit. Es lässt nicht mehr von dir zurück als eine welke Hülle.
Daniela Krien aus: „Mein drittes Leben“
