Kriterien für das ästhetische Gelingen eines Romans

Plot
Roman-Taxonomie: Kriterien für das ästhetische Gelingen eines Romanes

In der Beschäftigung mit Romanen stellt sich irgendwann von selbst die Frage, was das eigentlich sein soll, ein Roman. Als sogenannte Epopöe des entzauberten Zeitalters oder der transzendentalen Obdachlosigkeit spiegelt der Roman eine Art Kommunikationsmedium wider, in welchem alles und jedes seinen Platz findet, alles und jedes erzählt und reflektiert werden, jedwede Länge, Kürze und Form besitzen kann. Ältere Definitionen, die kaum der Erwähnung wert sind, versuchen, den Roman von der Novelle und Erzählung durch den größeren Umfang und/oder durch die Vielzahl an Handlungsfäden zu unterscheiden. All diese literaturtaxonomischen Versuche betreffen aber lediglich Äußerlichkeiten. Die eigentliche Frage, vom Romanstoff her, stellt sich dahingehend, was ein Roman von einem Geschichtstext, eine Erzählung von einem Zeitungsartikel, die Fiktion von einem Kommentar  unterscheidet.

Im folgenden wird also der Versuch unternommen, eine Unterscheidung zu motivieren, die nicht nach äußerlichen Merkmalen kategorisiert (wie der Länge, der Anzahl der Figuren). Statt dessen wird die dem Roman eigentümliche Lesedynamik in den Vordergrund gestellt, nämlich Glaubwürdigkeit zu erzeugen statt zu behaupten.

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Ralf Rothmann: „Museum der Einsamkeit“

Museum der Einsamkeit von Ralf Rothmann
Museum der Einsamkeit von Ralf Rothmann. SWR Bestenliste 2025.

Dem herkömmlichen Literaturdiskurs fällt eher selten auf, dass ein großer Bereich des sozialen Lebens und Erlebens weitestgehend in den meisten Texten und Romanen ausgeklammert bleibt, die Realität der Werktätigen, und zwar nicht aus der Sicht der Kunst oder des Journalismus oder der Politik, sondern aus der Mitte ihrer eigenen Tätigkeit, des Handwerks, der Putz- und Bauarbeiten selbst heraus. Ausnahmen wie Heinz Strunk in Ein Sommer in Niendorf, Jan Weilers Der Markisenmann oder Dinçer Güçyeters Unser Deutschlandmärchen gibt es, stellen aber zahlenmäßig die krasse Minderzahl dar und kratzen auch oft nur die Oberfläche dieser Sozialräume, indem sie sich nämlich auf die Trunksucht, Einsamkeit oder das Ausgeschlossensein fokussieren. Die Arbeitsrealität kommt kaum zur Sprache. Dagegen geht bspw. Werner Bräunig in Rummelplatz auf die Lebensrealität von Bergbauern ein, Brigitte Reimann in Franziska Linkerhand auf die der Bauerarbeiter und, noch weiter zurück, Émile Zola auf die der Wäscherinnen in Der Totschläger. Ralf Rothmann nimmt diese Traditionslinie auf. Schon Die Nacht unterm Schnee handelt im Arbeitermilieu und auch in seinem Erzählband Museum der Einsamkeit werden Episoden und Lebensläufe hauptsächlich von Menschen erzählt, die jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen.

»Wieso«, sagte Herbert und drückte seine Zigarette auf der Fensterbank aus, »machst du denn groß was anderes [als dein eigenes Gefängnis zu bauen]? Wer oder was, glaubst du wohl, hat dir die Hüfte demoliert? Der Geist der Freiheit?« Er öffnete seinen Tabakbeutel und bröselte die Kippe hinein. »Der Unterschied ist, du kriegst ein bisschen Geld dafür und kannst dir abends die Kante geben oder Druck im Puff ablassen, damit du den Krampf überhaupt erträgst. Aber auch du schlägst dich mit Arschlöchern rum und wartest den ganzen Tag darauf, dass man dir aufschließt.«
Ralf Rothmann aus: „Museum der Einsamkeit“ [Engel auf Krücken]

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Tarjei Vesaas: „Frühlingsnacht“

Frühlingsnacht von Terjei Vesaas
Frühlingsnacht von Tarjei Vesaas. SWR Bestenliste 2025.

Durch die öffentlichkeitswirksamen Neuübersetzungen von Hinrich Schmidt-Henkel, der auch die Texte des Literaturnobelpreisträgers von 2023, Jon Fosse, vom Norwegischen ins Deutsche überträgt, erlebt der 1970 verstorbene, vielfach für den Nobelpreis vorgeschlagene, Tarjei Vesaas seit ein paar Jahre eine Renaissance und erscheint auf vielen Kritiker-Bestenlisten wie vom SWR. 2025 ist nun die Übersetzung des 1954 publizierten Romans Frühlingsnacht erschienen. Thematisch und atmosphärisch lassen sich viele Parallelen zu Jon Fosses Der andere Name ziehen wie aber auch zu Frank Wedekinds Frühlings Erwachen. Der Stoff Kindheit/Jugend erfährt in Frühlingsnacht eine imaginäre kosmische Selbstüberschreitung als Plot. Vesaas wählt als Erzählinstanz den vierzehnjährigen Hallstein als Hauptfigur:

Das ganze Haus fühlte sich anders an, weil dies eine Mal beide, Vater und Mutter, weggefahren waren. Sie waren früh heute weggefahren, und sie hatten ihr eigenes Gewicht mitgenommen. Es war gut mit ihnen auszukommen, aber doch: Jetzt atmete man erleichtert auf und war allein. So dachte der vierzehnjährige Hallstein, als er hineinging. Er dachte »allein«, denn seine Schwester Sissel, die gerade in der Stube saß, bedeutete für ihn nicht irgendeinen Druck, im Gegenteil. Und jetzt konnte er tun, was er wollte.
Tarjei Vesaas aus: „Frühlingsnacht“

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Barbi Marković: „Stehlen Schimpfen Spielen“

Stehlen Schimpfen Spielen von Barbi Marković
Stehlen Schimpfen Stehlen von Barbi Marković. SWR Bestenliste 2025.

Anlässlich der Stefan-Zweig-Poetikvorlesung, die die Leipziger Buchmesse Preisträgerin aus dem Jahr 2024, Barbi Marković, in Salzburg gehalten hat, ist nun der, wahrscheinlich, bearbeitete Vorlesungstext als Stehlen Schimpfen Spielen erschienen. Poetikvorlesungen gibt es in der heutigen Form noch nicht lange. Sie wurden mit der Verschulung und massenmedialen Institutionalisierung der Literatur eingeführt und gehören seitdem zum guten Ton wie die Frankfurter Poetikvorlesungen, die mit Ingeborg Bachmanns Probleme der zeitgenössischen Dichtung 1960 ins Leben gerufen worden sind. Eine der neueren Frankfurter Poetikvorlesungen, noch im introspektiven, aber weniger aufs Sprachliche ausgerichteten Sinne wie bei Bachmann, hat Judith Hermann mit Wir hätten uns alles gesagt 2022 gehalten. Barbi Marković schlägt diesbezüglich einen ganz anderen, frecheren, dadaistischeren Ton an:

Du bist ein Feigling, Barbi, eine Verräterin deiner eigenen Seele. Du bist eine Lügnerin, das ist der wahre Grund, aus dem du schreibst. Es wäre besser, wenn du aufhören würdest. Es wäre besser, du würdest dich darauf konzentrieren, deine idiotische Seele in Ordnung zu bringen, bevor du hier komplett scheiterst. Bevor alles aus ist. Na ja, zumindest bist du lustig. Wenn auch nicht freiwillig. Die Zweifel zweifle ich jedoch genauso an. Literarischer Wert ist bekanntlich wackelig und schwer einzuschätzen. Vielleicht bin ich ja doch ein Genie? 
Barbi Marković aus: „Stehlen Schimpfen Spielen“

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Sarah Lorenz: „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken von Sarah Lorenz.

Selten binden sich Coming-of-Age-Romane an vergangene Literaturen zurück. Moderne Jugendromane schwadronieren oft leutselig ins Offene und Gedächtnislose wie Caroline Wahls 22 Bahnen oder Tijan Silas Radio Sarajevo. Sarah Lorenz, Journalistin und Bloggerin, schlägt in Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken einen anderen Weg ein und nimmt sich Mascha Kaléko zum Leit- und Vorbild und arbeitet sich anhand ihrer Gedichte an ihren geballten Lebensereignissen ab. Im Stoffbereich Jugend zeichnet sie so eine Art narrativen Exorzismus nach, der Prekäre Kindheitserlebnisse aufzuarbeiten hat und sie im Punk-Literatur-Stil einer Kathy Acker unverhohlen auf den Punkt bringt:

Dosenbier war 1998 noch das Ding der Stunde. Hansa Pils. Früh Kölsch. Reissdorf Kölsch. Na und so weiter. Aus den silbernen Dosenverschlüssen wurden Ketten für den Hals oder die Springerstiefel gefertigt. Sehr effizient eigentlich, denn so hatte man kostenlosen DIY-Schmuck inklusive einiger Räusche. Diese silbernen Aluminiumösen wurden also entweder zu Schmuck recycelt oder landeten im Müll. Die vier oder fünf jungen Männer entschieden sich an diesem Nachmittag für eine dritte Option und steckten sie in meine Vagina.
Sarah Lorenz aus: „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“

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Nell Zink: „Sister Europe“

Sister Europe von Nell Zink
Sister Europe von Nell Zink. SWR Bestenliste 2025.

Die Großstadt als Ort der seltsamen Begegnungen eignet sich wie kaum eine andere Szenerie für Romane, insbesondere solche die diskursiv den Zeitgeist mit seinen eigenen Schlagworten in Bewegung zu bringen versuchen. Durch Literatur erhalten diese Großstädte eigenst für sie imaginierte Gestalten, die durch ihre Straßen flanieren, so bspw. im Falle von Berlin Jakob Fabian aus Erich Kästners gleichnamigem Roman, Franz Biberkopf aus Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz oder Edgar Wibeau aus Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W.. Figuren neueren Datums lassen sich ebenfalls leicht finden wie Herzogin Doktor Ludovica Domenica Waltrude Malabene von Bessarabien und Aragonien aus Ulrike Sterblichs Drifter oder Sophonisbe aus Iris Hanikas Echos Kammern. Nell Zink legt nun mit Sister Europe einen eigenen Berlinroman vor, der vordergründig einen kosmopolitisch-kulturellen melting pot zelebriert und Vorurteile bedient, um sie desto gründlicher im Verlauf zu diffusionieren:

«Wir sind jetzt alle auf der Nonnenschule, Mann», sagte Toto. «Das ist das neue Mittelalter. Homo sapiens gehört nicht mehr zu den Tieren. Wir haben eine höhere Daseinsstufe erreicht.»
«Ich hätte eine Deutsche heiraten sollen. Die YouTube-Kanäle, wo sie ihre Ideen herhat, sind alle auf Englisch. Ihr Teletherapeut spricht Englisch. Der hockt in Delaware. Und Harriet sagt: ‹Mach doch, schneid deinen Penis ab, wen interessiert’s, dann verlier ich einen Sohn, aber ich gewinne eine Tochter.› Für sie ist das wie der Umbau eines Gebäudes – als würden wir den Kirchturm abreißen, und schon ist es ein Gemeindezentrum.
Nell Zink aus: „Sister Europe“

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Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter (Hrsg.): „Die Backstage eines Buches“

Die Backstage eines Buches von Schiffer und Güçyeter
Die Backstage eines Buches von Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter.

Die Backstage eines Buches versammelt Reflexionen und Assoziationen von 21 Autoren und Autorinnen zum Thema: Schreib- und Publikationsprozess von Romanen, Erzählungen und Gedichten. Herausgegeben wurde die Anthologie, mit „Gegenwart“ als anthologisches Ordnungskriterium, von Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter, die beide auch als Autoren wirken: Schiffer bspw. mit Ich höre dem Regen zu und Güçyeter bspw. mit dem Leipziger Buchpreis 2023 prämierten Unser Deutschlandmärchen. In Die Backstage eines Buches jedoch halten sie sich zurück und lassen andere zu Wort kommen:

Im Universum gibt es keinen Vorhang, kein Dahinter, kein Davor, kein Drinnen und kein Darunter. Nur Vorderseiten, Oberflächen. Das ist die Welt, das Leben, und jede Vorstellung, ein Geheimnis könnte darin verborgen sein, setzt einen Gott voraus, der täuschen will. Die Wasseramsel, eben, in der halben Stunde, in der ich dich, Dinçer, alleine ließ für meine morgendliche Anbetung der Sonne, dieser Vogel auf seinem Stein im Bachbett, noch ohne Ehrgeiz für seine famosen Tauchgänge, er täuscht nicht, er gibt sich dar, streckt seine Daunen in den Morgen, lässt sich das Brustkleid, dieses weiße Pallium, vom Licht beglänzen.
Lukas Bärfuss in: „Die Backstage eines Buches“

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Anne de Marcken: „Es währt für immer und dann ist es vorbei“

Es währt für immer und dann ist es vorbei von Anne de Marcken
Es währt für immer und dann ist es vorbei von Anne de Marcken. Ursula K. Le Guin Prize 2024.

Anne de Marckens Es währt für immer und dann ist es vorbei nimmt eine momentan literarische Bewegung der phantastisch Allegorisierens auf, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit Alfred Kubins Die andere Seite und Franz Kafkas Der Proceß chiffrenhaft begann, und in letzter Zeit über einen Haruki Murakami aus Die Stadt und ihre geheimnisvolle Mauer insbesondere in den fernöstlichen Literaturen an Wichtigkeit zunimmt, wie in Sayaka Muratas Die Ladenhüterin, Han Kangs Die Vegetarierin und Hiroko Oyamada Das Loch. In diesen Texten mischen sich Traumsequenzen mit Realitäten und erzeugen eine unheimliche Schwebelage, die Raum und Möglichkeit gibt, Lebensbereiche narrativ zu behandeln und zu erforschen, die sich bislang narrativer Symbolisierung entzogen haben: Anorexie, Devolution, Statthalter-Syndrom oder, wie bei Anne de Marcken die Fehlgeburt:

Wir wollten mehr voneinander und mehr Leben. Wir fügten ein Baby zu dem Haus unserer Liebe hinzu. Wie ein lichtdurchfluteter Anbau, bestehend aus Staunen und Angst und Zeit und Verleugnung. Es war die Zukunft. Wir stellten uns vor, wie wir dort leben würden. All die imaginären ersten Male und die Welt, die einfach weiterging, als wäre es nicht schon zu spät. Es war gar nicht so, als wäre das Baby gestorben. Es war noch nicht einmal ein Baby, nicht wirklich. Noch nicht. Ich benutze das Wort nicht gerne und wünschte, es gäbe eine gute Alternative. Es war eher so, dass die Zukunft starb. Sie wurde Teil der Vergangenheit.
Anne de Marcken aus: „Es währt für immer und dann ist es vorbei“

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Patrick Modiano: „Die Tänzerin“

Die Tänzerin von Patrick Modiano
Die Tänzerin von Patrick Modiano. Literatur-Nobelpreis 2014.

Patrick Modiano, Literatur-Nobelpreisträger von 2014, schreibt um einen Erinnerungskern herum, den er aktiv am Schweben hält. Seine Ich-Erzählweise schließt sich klar einer Miniaturform von Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit an und viele Motive, die in seinem neuesten Roman Die Tänzerin vorkommen, hat er bereits in früheren behandelt, beispielsweise die Pariser Bahnhöfe wie den Gare de Saint-Lazare, den er in Eine Jugend (1981) als „eine Senke, eine Art Trichter, in den alle schließlich hineinrutschen“ bezeichnet. In Die Tänzerin übernimmt diese Rolle der Gare d’Austerlitz, als sie Pierre, den Sohn der Tänzerin, abholen:

Und doch erinnerte mich diese Halle ohne Reisende an die Gare d’Austerlitz, an jenem Abend, als wir, die Tänzerin, Hovine und ich, auf Pierres Zug warteten. Ja, in einer sehr fernen Zeit hatten sich in der Halle der Gare d’Orsay noch Menschen gedrängt, und drei Personen — eine Frau und zwei Männer — waren ein Kind abholen gekommen, und wie wir standen sie am Kopf des Bahnsteigs und versuchten es im Strom der Reisenden zu entdecken. Dann waren sie den Bahnsteig entlanggegangen und hatten gesehen, wie es mit seinem Koffer aus einem der letzten Wagen stieg. Und am Ende war ich überzeugt, das seien wir, denn die gleichen Situationen, die gleichen Schritte, die gleichen Gesten wiederholen sich über die Zeit hinweg. Und sie sind nicht verloren, sondern auf alle Ewigkeit eingeschrieben in die Trottoirs, Mauern und Bahnhofshallen dieser Stadt. Die ewige Wiederkehr des Gleichen.
Patrick Modiano aus: „Die Tänzerin“

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Antje Rávik Strubel: „Der Einfluss der Fasane“

Der Einfluss der Fasane
Der Einfluss der Fasane von Antje Rávik Strubel. SWR Bestenliste 05/2025.

Der Einfluss der Fasane spielt im Berliner Journalismus- und Kulturbetrieb und thematisiert das problematische Wechselspiel von Macht, Einflussnahme, Ruhm und Aufmerksamkeitsgier in diesen Bereichen. Antje Rávik Strubels Roman behandelt den Stoff Öffentliches Miteinander und als Plot Umgarnte Machtmenschen. Er steht hiermit im engen Zusammenhang zu Heinrich Bölls Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Alfred Anderschs Efraim und Tom Wolfes Fegefeuer der Eitelkeiten. Strubels Trubel findet in Berlin statt. Die Hauptfigur heißt Hella Renata Karl:

Im Mittelpunkt zu stehen; diesen Ehrgeiz hatte Hella nie besessen. […] Aber sie hatte, da war sie ehrlich, eine satte Niederlage [durch Kai Hochwerth] eingesteckt. Die Demütigung empfand sie hinterher noch stärker. Und als das Gefühl der Demütigung nachließ, begehrte sie auf. Sie beschloss, sich dieses Verhalten abzuschauen und es gelegentlich zu nutzen. Denn so war sie, Hella Renata Karl. Sie ließ sich von niemandem unterbuttern. Ein solches Ausagieren von Macht, so viel hatte sie verstanden, vergrößerte die Macht.
Antje Rávik Strubel aus: „Der Einfluss der Fasane“

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