Han Kang: „Griechischstunden“

Griechischstunden von Han Kang. Geduldiges Dunkelsein.

Außenseiter eignen sich für die Literatur, die mit allgemeinen Mitteln, also mit der Sprache, das Besondere, einzufangen sucht. Der eigenartige Mensch lässt Ungewohntes erscheinen, da er sich unnormal verhält, gegen Konventionen verstößt und so Licht auf Verhältnisse wirft, die ansonsten im Unbewussten weiter schlummern würden. Franz Kafkas Helden können als Beispiel genannt werden, oder Gustav Flauberts Madame Bovary. Auch Haruki Murakami mit Die Stadt und ihre geheimnisvolle Mauer oder Cees Nooteboom mit Die folgende Geschichte, um einen weiteren Vertreter der Gegenwartsliteratur zu nennen, beschäftigen sich hauptsächlich mit Aussteigern und seltsamen Käuzen. Insbesondere mit letztgenanntem Kurzroman hat Han Kangs Griechischstunden viel gemein:

An dem Tag, als du mich in deine Arme nahmst, habe ich wohl, bebend vor Klarheit, das Zarte, Glühende und Unverstellte dieser Geste verstanden. Dass der menschliche Körper eine traurige Angelegenheit ist, hohl, weich und verletzlich. Die Arme. Die Achselhöhlen. Die Brust. Die Leiste. Dieser Körper, zum Umarmen geboren und dazu, Lust darauf zu machen.
Han Kang aus: „Griechischstunden“

Inhalt/Plot:

Griechischstunden besitzt zwei Hauptfiguren: eine verstummte Dichterin und Lehrerin, die in einem Kunstgymnasium im Großraum Seoul Literatur unterrichtet; und ein fast erblindeter Altphilologe, der nach 14jährigem Aufenthalt in Deutschland zurück nach Südkorea geht, um dort Erwachsenenkurse in Altgriechisch zu geben. In der Figurenanlage besteht, narrativ gesehen, die offensichtlichste Parallele zu Die folgende Geschichte, in der es um einen aus dem Dienst entlassenen, schwersichtigen Lehrer für Altgriechisch geht, der mit einer Kollegin, Biologielehrerin, eine Verhältnis hat und es zu konsolidieren versucht. Vor allen Dingen jedoch geht es in beiden Romanen um die Liebe zur Sprache, die Möglichkeit über Sprache, Verbindlichkeit und ein Miteinander zu schaffen:

»Anfang Juni fangen wir an, Platon zu lesen. Natürlich werden wir uns parallel dazu auch weiterhin mit der Grammatik beschäftigen«, verkündet der Lehrer, an der nun sauberen Tafel lehnend. Mit der linken Hand, in der anderen hält er die Kreide, rückt er seine Brille zurecht. »Die Menschen, die sich nicht damit zufriedengegeben haben, im Stillen zu sitzen und nur mit Urlauten zu kommunizieren, wie ›oo‹ oder ›uu‹, haben die ersten Wörter erfunden, und Sprache bekam langsam eine Systematik. Als sie ihre Glanzzeit erlebte, folgte sie sehr detaillierten und strikten Regeln. Das erklärt, warum es so schwierig ist, alte Sprachen zu lernen.«

Die spontane Aphasie der Dichterin ließ sich in ihrer Jugend durch den Erwerb einer Fremdsprache überkommen. Damals lernte sie Französisch, und die überraschenden Worte und Redewendungen, die ungewohnten Betonungen übten neue Reize auf ihre Zunge aus und erfüllen so ihre Stimmbänder wieder mit neuem Leben. Besonders ein Wort riss sie aus der Stummheit:

Damals hatte sie die dunkelgrüne Tafel angestarrt, wie üblich stumm, den Blick ins Unendliche. Der Lehrer, klein und halb kahl, hatte das Wort an die Tafel geschrieben, darauf gezeigt und es laut ausgesprochen. Wie bei einem kleinen Kind hatten ihre Lippen sich bewegt, ohne dass sie sich dessen bewusst war. Bibliothèque, murmelte eine Stimme tief in ihr. Fern von Zunge und Kehlkopf.

In der Hoffnung diesen Erfolg zu wiederholen, belegt sie nun, da sie als Erwachsene wieder die Stimme verloren hat, einen Altgriechischkurs. Die Stimme verschwand, als ihre Mutter verstarb und sie kurz darauf noch das Sorgerecht für ihren neunjährigen Sohn abgesprochen bekam. Voller Hoffnung besucht sie nun den Kurs des fast blinden Lehrers, der im Gegensatz zu seiner Familie wieder in Südkorea lebt, nachdem sein Vater nach vermutlich schwerer Depression verstorben ist. Er leidet unter seinem schlechter werdenden Augenlicht und einer beziehungstechnisch entsagungsvollen Vergangenheit. 

Warum war ich für Sie nur der dumme Liebende? Meine Liebe zu Ihnen war nicht dumm, aber da ich es war, hat meine Dummheit sie vielleicht so wirken lassen. Nicht dass ich von Haus aus ein Idiot gewesen wäre, doch die der Verliebtheit naturgemäß innewohnende Idiotie hat wohl auf mich abgefärbt und am Ende alles zerstört.

Hier schreibt der Lehrer an seine Jugendliebe, die taube Tochter seines Augenarztes, die ihm als Siebzehnjähriger eine harte Abfuhr erteilte (sie schlägt ihm nach unbeholfenem Flirt mit der Faust ins Gesicht). Später erfährt er noch vom Tod seines ehemals besten Freundes, Joachim, der an einer nicht näher erwähnten schweren Krankheit litt und mit siebenunddreißig Jahren verstirbt.

Die beiden Handlungsfäden konzentrieren sich auf die Rekapitulation, wie die beiden Figuren mit ihren körperlichen Gebrechen und persönlichen Verlusten umgehen lernen: Sie zieht sich zurück, isoliert sich; und er sucht nach Anschluss, geht aber unbedarft und hölzern vor. All dies kulminiert in einer Szene im Erdgeschoss der Erwachsenenschule, als die Dichterin versucht, einem Vogel in die Freiheit zu verhelfen.

Ein kleiner Vogel hat sich in das Gebäude verirrt. Eine Meise, nicht größer als eine Kinderfaust. Unfähig, den Weg zurück nach draußen zu finden, piept sie aufgeregt, flattert umher und stößt immer wieder mit dem Kopf gegen die Betonwand und das Geländer der Treppe, die in den ersten Stock führt. Die Frau ist am Eingang stehen geblieben. Sie beobachtet, wie sich der Vogel mehrfach den Kopf stößt, sie dreht sich um, öffnet den noch geschlossenen zweiten Flügel der Glasfenster-Tür sperrangelweit. Tief in ihr drinnen, weit entfernt von Zunge und Kehlkopf, sagt sie: Du musst nach draußen.

Der Lehrer stürzt unbeholfen zur Hilfe, fällt hin und verliert dadurch seine Brille. Sie erschreckt sich und flieht die Treppen zum Klassenraum hinauf. Erst später traut sie sich wieder herunter, hilft ihm, der im Dunklen herumtapst, und sie beginnen sich kennenzulernen. 

Stil/Sprache/Form:

Han Kangs Sprache, von Ki-Hyang Lee aus dem Koreanischen übersetzt, bleibt durchweg lyrisch, deutet nur an. Es ist ein Roman der Lücken und wenigen Worte. Die Erzählweise bleibt fragmentarisch, assoziativ und eher atmosphärisch getragen. Viele Stellen lesen sich beinahe als Gedicht, stanzenartig akzentuiert und episodenhaft verdichtet:

Ich verurteile nichts./ Ich gestehe kein Gefühl zu.
Alles besteht aus Bruchstücken, alles zerbricht in Bruchstücke. Und verschwindet.

Die Wörter entfernen sich vom Körper. Wie Schichten sich überlagernder drückender Schatten,
wie Gestank und Übelkeit, wie Fliesen, die zu lange unter Wasser waren und zerbröseln,
wie ein Teil meines Fleisches, das unbemerkt verwest, lösen sich die verkrusteten Gefühle.

Ein rationaler, kausaler-getriebener Erzähldiskurs findet nicht statt. Viele Lücken im Text bleiben bestehen, bspw. was mit dem Vater geschah, nachdem er von seiner Familie fortlief, und weshalb er wiederkam, sich einschloss und in der Isolation verkümmerte; weshalb die Ehe der Dichterin zerbrach, wie sie ihren Ehemann kennenlernte. Motivationen, Intentionen spielen ebenfalls keine Rolle. Die Figuren tappen im Dunkeln. Der Text lebt von winzigen Prosaminiaturen, die geduldig und harmonisch im Leseprozess einen Gesamteindruck zuerst erahnen lassen und dann auch ergeben. Insbesondere geht es um die Verletzbarkeit, die Zerstörbarkeit von Gefühlen, von dem Körper, vom Körpergefühl und physischer Integrität:

Erinnerst du dich noch an das Küken, dem wir den Namen Bibi gegeben hatten? Du warst noch nicht eingeschult, als ich das nestwarme Tierchen, das ich vor der Schule gekauft hatte, in einer Papiertüte mit nach Hause brachte. Deine Wangen strahlten rot vor Freude. Nur deiner Beharrlichkeit hatten wir es zu verdanken, dass Mutter uns erlaubte, es zu behalten. Doch es dauerte keine zwei Monate, und wir mussten ihm ein kleines Kreuz basteln. […] Esslöffel waren alles, was wir als Grabwerkzeug hatten, und meiner verbog komplett, besiegt von der harten Oberfläche. Derweil lag Bibi steif daneben, eingewickelt in ein Stück Mullbinde.

Solche einprägsamen Stellen charakterisieren Griechischstunden besser als Inhaltsangaben, zumal die Dynamik des Überwindens der Isolation des Altgriechischlehrers und der Stummheit der Dichterin als Prozess klar vor Augen steht. Die Langsamkeit, in der sich die Entwicklung vollzieht, und die eingestandene Trägheit, die der Text ausstrahlt, zeichnen Han Kangs Erzählweise aus: Sanftheit als literarisierte Geduld. Das fragmentierte Erzählen weicht selbstredend der Herausforderung komplexer Prosastrukturen aus. Die Sätze bleiben kurz. Die Szenen lose verknüpft. Han Kang strebt keinen Roman im klassischen Sinne, in der Nachfolge einer Epik an und stellt sich darin neben Nootebooms Die folgende Geschichte, die auch plottechnisch nicht überzeugt, aber von einer präzise durchgehaltenen Stimmung lebt:

Weg, verschwunden war jetzt der letzte Seufzer des Landes, und noch immer standen wir unbeweglich da, nur der Schaum hinter dem Schiff und der erste Tanz der starken Dünung straften den Stillstand Lügen. Das Wasser des Ozeans schien schwarz, es schwankte, wogte, flutete in sich selbst weg, wollte sich immer wieder mit sich selbst bedecken, fließende, glänzende Platten aus Metall, die lautlos einstürzten, ineinander übergingen, füreinander Mulden gruben und sich darin ergossen, die unerbittliche, endlose Veränderung im Immergleichen.
Cees Nooteboom aus: „Die folgende Geschichte“        

Nootebooms Roman beschreibt die letzten Gedanken eines Sterbenden und die Hoffnung auf eine über ihn hinaus sich verknüpfende kosmische Form der Kommunikation; und Han Kangs Roman beschreibt das Kennenlernen und Entstehen einer Liebe, ohne Wörter, nur durch Gesten, durch Anwesenheit und verständnisvolle Sanftheit.

Kommunikativ-literarisches Resümee:

Die zentrale Thematik von Griechischstunden handelt von Platons Idee einer ewigen Schönheit. Die Idee, vorhanden als geistig erreichbare, transzendentale Einheit, vermag sich in der Realität nicht verlustlos zu manifestieren. Das Reale stirbt, wandelt sich. Die Idee dagegen nicht. Platons Idee lässt sich aber auch anderes interpretieren, als eine über das Reale hinaus reichende Kommunikation und Mitteilung desselben, das eben und gerade durch die Kommunikation konstituiert wird und erhalten bleibt:

Ein schwer zugänglicher und in Schatten gehüllter Ort, schwierig zu erforschen. Ein Satz des nicht mehr ganz jungen Platon, für den er sich womöglich viel Zeit gelassen hat. Eine undeutliche Stimme hinter vorgehaltener Hand. Sie umklammert den Bleistift. Vorsichtig atmet sie aus. Sie erträgt es, dass das diesem Satz innewohnende Gefühl wie eine Spur aus Kreide wirkt, getrocknetem und vergessenem Blut nicht unähnlich.

Dem Vergessen wirkt die Idee entgegen. Das Wandelnde, das sich Verändernde bleibt erhalten, insolange das Werden selbst gegenwärtig bleibt. Hier beginnt der kommunikative, gesellschaftsverknüpfende Aspekt von Platons Philosophie, die sowohl Cees Nooteboom zur Metaphysik wie Han Kang zur Schönheit geleitet.

»Platon war der Meinung, dass wer stärker an die Existenz schöner Dinge glaube als an die Schönheit selbst, in einer Traumwelt lebe, und Platon wollte das allen allein durch Argumente klarmachen. In seinen Augen musste alles erklärbar sein. Er war außerdem der Meinung, aus dem Traum erwacht zu sein. Er glaubte nicht an schöne Dinge, nur an die absolute Schönheit, die in ihrer Vollendung im realen Leben nicht existieren kann.«

Die Schönheit als Begriff bezieht sich nicht auf die momentane Lust, die greifbare sinnliche Gegebenheit, sondern auf die sich entfaltende Möglichkeit eines Bewahren-Wollens desselben als Haltung und Umgangsweise zu den Dingen der Welt überhaupt. In Die folgende Geschichte heißt es deshalb:

Was ich nicht verstehen konnte, aber nicht sagte, war, weshalb sie sich ausgerechnet diesen Einfaltspinsel ausgesucht hatte, aber dafür hatte Plato bereits seine Zauberformel: »Liebe ist in dem, der liebt, nicht in dem, der geliebt wird.«
Cees Nooteboom aus: „Die folgende Geschichte“

Han Kangs Griechischstunden expliziert die Haltung zur Welt als eigentlichen Inhalt des Erzählens überhaupt. Das Erzählen selbst drückt den Charakter aus oder wie Georges Louis Buffon 1753 in seiner Abhandlung über den Stil schrieb: „der Stil, das ist der Mensch selbst“ („Le style c’est l’homme même“). Als Außenseiter verfügen die Gestalten von Han Kang über potenzierte Aufnahmefähigkeiten. Sie sehen wohlmöglich mehr, weil sie sich Zeit nehmen, weil sie nicht vom Alltag fortgerissen werden. Wo das erste Wort auf sich warten lässt, kann das letzte noch nicht gesprochen worden sein: 

Herz an Herz gepresst, kennt er die Frau immer noch nicht. Er weiß nicht, dass sie als Kind in den dämmrigen Hof ihres Wohnhauses starrte und sich fragte, ob sie überhaupt das Recht hatte, auf dieser Welt zu sein. Er kennt den Panzer nicht, dessen Kettenglieder aus Wörtern ihren nackten Körper wie tausend Nadeln stechen. Er weiß nicht, dass sich ihre Augen in seinen spiegeln und umgekehrt  … bis ins Unendliche. Er weiß nicht, dass sie ihre bläulich-violetten Lippen fest geschlossen hält, weil all dies ihr Angst macht.

Han Kang präsentiert eine Literatur, die Freude am Schweigen lehrt, um so das Sprechen und Miteinanderreden im Rauschen des Diskurses wieder wertschätzen zu lernen, um es so wieder in seiner Magie sehen zu können.

tl;dr … eine Kurzversion der Lesebesprechung gibt es hier.

Nächste Woche am 14.05.2024 auf Kommunikatives Lesen:
bespreche ich von Michaela Maria Müller Zonen der Zeit und in diesem Zusammenhang auch von Cees Nooteboom ein Buch aus meinem persönlichen Kanon Allerseelen.

Eine Kurzversion der Besprechung und noch andere aktuelle Kurzrezensionen findet sich demnächst hier

12 Antworten auf „Han Kang: „Griechischstunden““

  1. hibouh – Grand Turc – read me! Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!
    hibouh sagt:

    Schäm! Schon wieder ein nicht gelesenes Buch. Aber Han Kang kenn ich. Vor einigen Jahren lasen wir “The Vegetarian” von ihr, wo es um eine (missbrauchte) Frau geht, die langsam in Geisteskrankheit versinkt. Aber was heisst Geisteskrankheit? Mir gefiel die Idee vom Baum als umgekehrten Menschen, vom Menschen, der eigentlich zur Pflannze werden möchte. Mir gefiel auch das Experiment, in allen drei dortigen Abschnitten einen anderen Erzähler zu Wort kommen zu lassen. Mir scheint, auch dort wie in “Griechischstunden” geht es um die Liebe zur Sprache. Schön, wie Du Sprachlosigkeit dem Erblinden gegenüberstellst. Naja, danke ganz allgemein für die Besprechung!

    1. Alexander Carmele – Ich lese gern, reise viel, laufe Langstrecken, studiere, lerne und bin wissbegierig und interessiert an neuen Erfahrungswelten. Studiert, am Arbeiten, Hobbydenker, Freizeitsportler, offen für moderne Unterhaltung aller Art. Germanistik, Physiker, und blogge herum.
      Alexander Carmele sagt:

      „Die Vegetarierin“ will ich noch lesen. Ich mochte das Buch „Griechischstunden“ ob seiner sehr poetischen Einfühlsamkeit. Sehr dunkel, aber. Ich freue mich, dass auch andere Bücher von ihr inspirierend sind: Bäume als umgekehrte Menschen finde ich eine interessante Wendung. Danke fürs Lesen und Kommentieren und für den Lesetipp!! Gruß!

      1. hibouh – Grand Turc – read me! Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!
        hibouh sagt:

        Haben jeweils andere Bücher derselben Autorin gelesen 🙂 Han Kang schreibt gut! finde ich

  2. Das macht sehr neugierig. Hab die Rezension aus aktuellem Anlass gerade noch mal gelesen.

    1. Alexander Carmele – Ich lese gern, reise viel, laufe Langstrecken, studiere, lerne und bin wissbegierig und interessiert an neuen Erfahrungswelten. Studiert, am Arbeiten, Hobbydenker, Freizeitsportler, offen für moderne Unterhaltung aller Art. Germanistik, Physiker, und blogge herum.
      Alexander Carmele sagt:

      Ich lese aus aktuellen Ansatz gerade die Vegetarierin und bin wieder sehr eingenommen vom Sog und der Sprache von Kang. Freue mich auf deine Lesenotizen.

      1. Ich bin auch sehr berührt von ihrer Sprache. Virtuos.

      2. Alexander Carmele – Ich lese gern, reise viel, laufe Langstrecken, studiere, lerne und bin wissbegierig und interessiert an neuen Erfahrungswelten. Studiert, am Arbeiten, Hobbydenker, Freizeitsportler, offen für moderne Unterhaltung aller Art. Germanistik, Physiker, und blogge herum.
        Alexander Carmele sagt:

        Ist einfach eine andere Art von Immersion möglich, da sie die Sprache für sich beansprucht, aus ihr heraus schafft, und sie deshalb belebt, als sie nur zu nutzen. Ich unterscheide stark darin, in welchen Texten Sprache Vehikel und in welchen sie als Medium (reziprokes) behandelt wird: Literatur kommuniziert mit Sprache, hält Sprache lebendig.

  3. hibouh – Grand Turc – read me! Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!
    hibouh sagt:

    Ich gönn ihr den Nobel-Preis. Haette ihn allerdings auch DeLillo oder Yoko Tawada gegönnt. Naja…das Geld ist n Bonbon. Aber die Preistraegerinnen sind in einem Jahr eh vergessen….

    1. Alexander Carmele – Ich lese gern, reise viel, laufe Langstrecken, studiere, lerne und bin wissbegierig und interessiert an neuen Erfahrungswelten. Studiert, am Arbeiten, Hobbydenker, Freizeitsportler, offen für moderne Unterhaltung aller Art. Germanistik, Physiker, und blogge herum.
      Alexander Carmele sagt:

      Typischerweise werden ja eher im Ausland unbekannte Autoren und Autorinnen mit dem Literaturnobelpreis versehen, was ich gut finde, um einen Zugang zur Weltliteratur zu erhalten. Heutzutage wird alles vergessen – sofort und unverzüglich, deshalb versuche ich Zusammenhänge zu kreieren, wieder in Erinnerung zu rufen, ja das Netz zu betonen, das notwendig ist, dass es Schriftsprache als Roman überhaupt gibt. Schade nur, dass so wenig Gegenwartsromane das Gespräch mit der Vergangenheit aufnehmen.

  4. Wie versprochen, ein paar Gedanken nach der Lektüre, lieber Alexander:

    Ein großer Gesang zweier Stimmen, die aus weiter Lage, weitem Abstand, aufeinander zu singen, bis sie einander schließlich finden und umschlingen, ohne einen Schlussakkord Ton für Ton auszuformulieren – etwas wie Hoffnung darauf schwebt wie ein vorausklingendes Echo im Raum, nachdem ich das Buch geschlossen habe.
    Eine solche Dynamik und Spannung zu erreichen, indem zwei innere Monologe die Geschichte entwickeln, verblüfft mich und erfüllt mich mit Hochachtung. 
    Han Kang beraubt ihre Personen jeweils eines Hauptkommunikationsmittels unserer Zeit. Ohne Sehsinn und ohne das Sprechenkönnen sind wir Menschen von direkten Kontakten weitgehend ausgeschlossen. Wie diese beiden Menschen fast gegen ihren Willen diese Kluft überbrücken, berührt mich sehr.

    Durch Han Kangs Bücher lerne ich zwischen den Zeilen auch viel über die koreanische Kultur, z.B. diese strenge Forderung nach Aufmerksamkeit und Rücksicht auf seine Mitmenschen. Und im Kontrast die Härte von Sanktionen auf Unangepasstheit auch durch die engste Familie. Es webt in ihren Bücher eine für mich fremdartige Atmosphäre, eine Mischung aus Zartheit und Brutalität (in Menschenwerk, aber auch in Die Vegetarierin), die ich aus westlichen Werken so nicht kannte. Ich lese weiter: als nächstes Weiß.

    1. Alexander Carmele – Ich lese gern, reise viel, laufe Langstrecken, studiere, lerne und bin wissbegierig und interessiert an neuen Erfahrungswelten. Studiert, am Arbeiten, Hobbydenker, Freizeitsportler, offen für moderne Unterhaltung aller Art. Germanistik, Physiker, und blogge herum.
      Alexander Carmele sagt:

      Ja, diese fremdartige Atmosphäre berührt mich ebenfalls. Mich hat die Szene mit dem Vogel sehr beeindruckt, ein paar Stellen fand ich schwierig, wie die mit dem Jungen in Berlin, der seine Liebe gesteht. Das war etwas losgelöst und beinahe zu stichwortartig erzählt, aber vielleicht macht das gerade den Zauber aus, das Unausgesprochene, das nur Angedeutete. Ich werde auch noch etwas von ihr lesen, sicherlich. Bin gespannt, wie „Weiß“ dir gefällt. Viele Grüße und Danke für den Bericht!!

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