Didier Eribon, Journalist, Soziologe und Autor von Beruf, legt mit Eine Arbeiterin einen seltsamen Hybrid vor. Autobiographisch motiviert, literaturwissenschaftlich ambitioniert, politisch agitierend handelt er auf etwas weniger als dreihundert Seiten das Thema Altern und Pflegeheime anlässlich des Todes seiner Mutter ab. In rückhaltloser Ehrlichkeit wie Emmanuel Carrère in Yoga nennt er das Kind, seine Scham, sein Versagen und seine Reue beim Namen:
Mittlerweile ist mir bewusst, dass ich zugleich dank meiner Mutter und in Abgrenzung zu ihr der Mensch geworden bin, der ich bin. In meinen Gedanken war das In-Abgrenzung-zu-ihr lange Zeit stärker als das Dank-ihr. Natürlich schäme ich mich seit Langem für all die Beispiele meines Egoismus und meiner Undankbarkeit. Mich schmerzt, wie viel Schmerz ihr mein Egoismus und meine Undankbarkeit zugefügt haben. Doch wie Albert Cohen in ‚Das Buch meiner Mutter‘ schreibt: »Etwas spät«, das schlechte Gewissen.
Didier Eribon aus: „Eine Arbeiterin“
Inhalt/Plot:
Strukturell in jeder Hinsicht vergleichbar zu Wolf Haas‘ Eigentum handelt Eribons Eine Arbeiterin von den letzten Tagen seiner Mutter in einem Altersheim. Beide starben arm. Beide starben plötzlich und schnell, und beide haben ein schweres und entbehrungsreiches Leben geführt:
Bei meiner Mutter war es fast genauso: Sie hatte ebenfalls als Putzfrau gearbeitet, immer ein eigenes Haus haben wollen, sich dieses aber nie leisten können und durchgehend in Sozialwohnungen gelebt. Beide Frauen hatten die Angewohnheit, lautstark zu kommentieren, was sie im Fernsehen sahen, in Bezug auf ähnliche Bilder, und sie stammten aus derselben sozialen Klasse. Doch ihre Hautfarbe trennte sie, und das Trennende war letztlich mächtiger als das Verbindende.
Die Mutter in Eribons Eine Arbeiterin wehrt sich lange dagegen, ins Pflegeheim zu ziehen. Sie will nicht auf ihre Freiheit verzichten, zumal sie in Reims nach dem Tode ihres Ehemannes ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann begonnen hat, mit dem sie sich zum ersten Mal glücklich fühlt. Ihre zunehmende Immobilität und Stürze zwingen ihre Söhne jedoch, sie einweisen zu lassen, da die Familie weit zersprengt in Frankreich und Belgien lebt und nicht auf sie aufpassen kann oder will. Ausschlag, den Umzug zu erzwingen, gibt ein Vorfall, in welchem die Feuerwehr in die Wohnung der Mutter einbrechen muss, da diese nicht öffnen kann:
Daraufhin fuhren [die Feuerwehrleute] die Drehleiter an der Außenwand aus und verschafften sich Zugang zur Wohnung, indem sie die Scheibe der Balkontür einschlugen. Dann öffneten sie mir von innen. Meine Mutter lag auf dem Boden. Sie war gestürzt und nicht wieder hochgekommen. Als ich geklingelt hatte, war sie in den Flur gerobbt, aber es war ihr nicht gelungen, sich aufzurichten oder hinzuknien, um den Schlüssel im Schloss zu drehen. Sie war nackt. Ich wandte den Blick ab: Die eigene Mutter nackt zu sehen, die eigene alte Mutter nackt zu sehen, war schon unangenehm genug, aber sie nackt auf dem Boden liegen zu sehen, mit verwirrtem Blick, als wäre sie nicht ganz da, war nahezu unerträglich.
Nach mehreren Versuchen, sie ambulant zu behandeln, die abermals mit einem Feuerwehreinsatz endeten, weil sie nicht mehr die Tür öffnen konnte, beschließen der Ich-Erzähler und seine Brüder sie im EHPAD (Établissement pour l’hébergement des personnes âgées dépendantes) in Fismes unterzubringen, nachdem sie sich geweigert hat, in den Großraum Paris oder nach Belgien in die Nähe der Familie zu ziehen. In Fismes geht es aber schnell bergab mit ihrem gesundheitlichen Gesamtzustand, und so stirbt sie dort schneller, als der Ich-Erzähler es für möglich gehalten hat:
Ich habe meine Mutter also nach jenen zwei Tagen, von denen ich eingangs erzählt habe, nicht mehr wiedergesehen, den zwei Tagen, an denen ich ihr beim Umzug in ihr neues »Zuhause« in Fismes geholfen habe. Als ich mich am zweiten Nachmittag mit den Worten: »Ich komme bald wieder«, von ihr verabschiedete, um zum Bus zu gehen, ahnte ich nicht, dass wir uns in dem Moment zum letzten Mal sahen.
Die Entwurzelung, der Umzug führte in ihrem Falle zu einem Schockzustand. Die Mutter verweigerte die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, wollte nicht mehr kommunizieren und zeigte alle Anzeichen einer psychomotorischen Regression. Dieses auf wenigen Seiten abgehandelte Ereignis führt nun zu dem sehr langen Text, der sich wie ein Versuch einer Beichte, einer Rechtfertigung, einer Erklärung liest, weshalb der Ich-Erzähler seiner Mutter nie sehr nahe und am Ende auch nicht beigestanden hat. Von der Mutter selbst wird kaum noch berichtet:
Ich muss gestehen, dass das gemeinsame Fernsehen, auch wenn es dabei zu unangenehmen Szenen kam, eine Möglichkeit war, Zeit miteinander zu verbringen, ohne krampfhaft nach Gesprächsthemen suchen zu müssen. Wenn wir erst einmal Neuigkeiten über die Gesundheit und die Familie, ein paar Erinnerungen und einige neue oder bereits hundertmal erzählte Anekdoten ausgetauscht hatten, wussten wir meist nicht weiter. So konnten wir nebeneinandersitzen, ohne miteinander reden zu müssen, abgesehen von knappen Kommentaren zu dem, was vor uns auf dem Bildschirm lief […]
Mit sehr vielen Zitaten aus den verschiedensten Werken, u.a. aus Yasushi Inoue Unter den Blüten, Édouard Louis Die Freiheit einer Frau, Samuel Beckett Molloy, Bohumil Hrabal Harlekins Millionen und vielen mehr, umkreist er das Gebiet der Trauer, des Alterns, der Schwäche und der Angst vor dem Sterben, bis er schließlich in den letzten Teilen sehr essayistisch, sozialphilosophisch sich mit Simone de Beauvoirs Buch Das Alter und Norbert Elias‘ Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen beschäftigt und die politische Philosophie überhaupt, insbesondere den Existentialismus für die Ignoranz gegenüber dem Alterungsprozess kritisiert:
»Aber das sind Alte«, scheinen unzählige Werke der Philosophie unausgesprochen zu sagen, Werke, in denen die Demarkationslinie nicht zwischen Vernunft und Unvernunft verläuft, sondern zwischen Jugend und Alter, Gesundheit und Gebrechlichkeit, unversehrten und hilfsbedürftigen Körpern. Den Ausschluss des Alters aus der Ordnung des Diskurses und aus dem Feld der Theorie könnte man, demselben Prinzip einer strukturellen Analogie oder strukturellen Isomorphie folgend, als einen Aspekt der generellen Konfiguration unserer Kultur beschreiben, deren Kehrseite die institutionelle Ausgrenzung alter Menschen ist.
Und so endet Didier Eribon mit vielen Fragezeichen, aber auch Hoffnungen, dass das Altern, die letzten Jahre in Zukunft mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhält, als es bislang der Fall gewesen ist.
Stil/Sprache/Form:
Didier Eribons Text, der kein Roman, aber auch keine Abhandlung oder Untersuchung, noch ein politischer Aufruf oder Pamphlet ist, fügt sich ein in die gegenwärtige Reihe von Büchern von Autoren und Autorinnen, die mit offenherziger Selbstbeschuldigung und Bekenntnishaftigkeit über das eigene Irren und Wirren berichten wie Emmanuel Carrères Yoga, Michel Houellebecqs Einige Monate in meinem Leben, Annie Ernaux in bspw. Eine Frau, oder Kim de l’Horizon in Blutbuch. Diese Bücher schwanken und spielen zwischen den Extremen von Fiktion, Reflexion, Theorie und Literatur. Die Texte erscheinen mehr als authentische, spontane Kommunikation, denn als ausgearbeitete, komponierte Unterhaltungsform. Sie leben von einer Authentizität und Entblößung und Selbstbeschuldigung, die jede Form des Irrens, fehlgeleiteten Schließens und offenherzigen Spekulierens ermöglichen. Hier steht insbesondere der Versuch im Vordergrund, die eigene Herkunft zu überkommen, die Brücken zu den Eltern zu verbrennen, ja, nicht mehr mit dem familiären Kontext identifiziert zu werden. Im Vordergrund steht das Gefühl der Scham:
Jedenfalls litt ich unter dieser bestimmten Form der Scham, die sich aus der Angst vor Entdeckung ergibt, der Angst davor, verurteilt und verspottet zu werden (wovon ich ausging). Ja, ich schämte mich: für mich, für meine Mutter, für das, was wir waren, für das, was wir tun mussten – einmal war es draußen so kalt, dass wir Wollhandschuhe anzogen, von denen wir die Fingerspitzen abgeschnitten hatten, um die Zettel einzeln greifen zu können. Ich schämte mich für die Armut, die keiner meiner Klassenkameraden kannte, geschweige denn selbst erlebte.
Bei Annie Ernaux hört sich das in Bezug auf die Mutter der Ich-Erzählerin wie folgt an:
Sie hörte auf, mein Idol zu sein. Ich wurde empfänglich für das Frauenbild, das Zeitschriften wie L’Écho de la Mode vermittelten und dem die Mütter meiner kleinbürgerlichen Klassenkameradinnen auf dem Pensionat nahekamen: schlanke, zurückhaltende Frauen, die kochen konnten und ihre Töchter »Schätzchen« nannten. Ich fand, meine Mutter nahm zu viel Raum ein. Ich sah weg, wenn sie sich eine Flasche zum Entkorken zwischen die Beine klemmte. Ich schämte mich für ihren barschen Ton und ihr forsches Auftreten, umso mehr, als ich ahnte, wie ähnlich ich ihr war.
Annie Ernaux aus: „Eine Frau“
In dieser sehr ungeminderten Form der autobiographischen Enthüllung steht nicht so sehr der Ausdruck, die Ästhetik im Vordergrund, die Komposition, die Struktur eines literarischen Textes als der Inhalt, als das Zeugnis eines Lebens, als das Wirken und die Versuche, bestimmten sozialen Erwartungen entsprechen zu wollen. Eribons Ich-Erzähler schämt sich für seine Eltern, für ihren Dialekt aus der Region Champagne, für die Verhaltensweisen des Arbeitermilieus und deren grobschlächtigen Kommentare. Er fühlt sich aber auch schuldig, denn er weiß, dass seine Eltern für ihn gesorgt, ihm seine Bildung ermöglicht haben. Aus dieser Spannung heraus entwickelt sich Eine Arbeiterin hin zu einem Bekenntnis, das von Zeile zu Zeile persönlicher wird und seine Entlastung in allgemeinen Erörterungen sucht, wie die Gesellschaft im allgemeinen besser für alte Menschen sorgen sollte, ohne auf individuelle Verhältnisse zurückzugreifen, ja die Individuen mit ihrem sozialen Umfeld zu identifizieren:
Einmal hatte ich all meine Papiere verloren und musste, damit man mir in Paris neue ausstellen konnte, auf dem Standesamt von Reims einen »Auszug aus dem Geburtenregister« und einen »Nachweis über den Familienstand« beantragen, Dokumente, auf denen der Name meines Vaters und sein Beruf zum Zeitpunkt meiner Geburt, »Hilfsarbeiter«, sowie der Mädchenname meiner Mutter und ihr Beruf, »Putzfrau«, eingetragen waren. Damit wurde ich auf eine familiäre und soziale Identität zurückgeworfen, von der ich mich zu diesem Zeitpunkt sehr weit entfernt hatte (ich brauchte einen neuen Reisepass, um in Berkeley eine Gastprofessur anzutreten).
Eribon reflektiert in Eine Arbeiterin schonungslos die Ängste seines Ich-Erzählers, seine Vorurteile, auch seine Abhängigkeit gegenüber anderen, deren Erwartungen und Wertungen, dass sein Text tendenziell einer Selbstzerfleischung nahekommt.
Kommunikativ-literarisches Resümee:
Eine Arbeiterin stellt mehr dar als ein bloßer, privater Abschied von der eigenen Mutter, wie ihn Wolf Haas in Eigentum oder Sylvie Schenk in Maman vollziehen. Wie Kim de l’Horizons Blutbuch schreibt sich hier ein Ich-Erzähler die Seele aus dem Leib, hin und her gerissen zwischen seinem Versuch, sich von seiner Vergangenheit zu lösen, sich aber dennoch emotional verpflichtet zu fühlen. Sachliche Richtigkeiten spielen in diesem Zusammenhang der Interjektionen nur noch eine untergeordnete Rolle.
Beispielsweise argumentiert Didier Eribon, dass Jean-Paul Sartres Existentialismus und Freiheitsbegriff alte Menschen ausschließe, aber seine dutzende Seiten lange Kritik geht fehl, denn sie vernachlässigt dessen Begriff des präreflexiven Cogitos, das jedem Menschen zu jeder Zeit in seinem Leben den intellektuellen Zugang zur Freiheit verschafft, unabhängig vom Alter, nämlich rein aus Sartres Beschreibung des ontologischen und individuell-unhintergehbaren In-der-Welt-Seins heraus. Seine Kritik bleibt aber dennoch gültig, denn sie verweist auf die Problematik des individuellen Schuldig-Fühlens des Sohnes seiner pflegebedürftigen Mutter gegenüber:
Nach jedem Gespräch mit meiner Mutter, nach jeder Nachricht, die sie auf meiner Mailbox hinterließ, war ich traurig und verzweifelt. Ich fragte mich ständig: Hätten wir sie nicht in einem teureren Altenheim unterbringen müssen, mit höherem Personalschlüssel, in dem die Bewohner besser versorgt waren? Diese Überzeugung wurde von Tag zu Tag stärker, und meine Schuldgefühle stiegen ins Unermessliche.
Thema von Eine Arbeiterin bleibt das inhärierende Versagen der Familie selbst, eine Struktur aufrechtzuerhalten, in der das Füreinander-Da-Sein Selbstverständlichkeit bleibt. Der Ich-Erzähler beklagt sich, dass die moderne Gesellschaft Solidarität mit den alten Menschen erschwert, sie isoliert, nicht in das angestrebte Gemeinwohl inkludiert, und möchte mit seinem Traktat für eine solche Inklusion werben. Ihm steht, möglicherweise ohne es zu wissen und von der offensichtlichen privaten Entlastungsstrategie ganz abgesehen, eine Konzeption vor Augen, wie sie Hannah Arendt in Vita activa oder Vom tätigen Leben formuliert:
Nur die Existenz eines öffentlichen Raumes in der Welt und die in ihm erfolgende Verwandlung von Objekten in eine Dingwelt, die Menschen versammelt und miteinander verbindet, ist auf Dauerhaftigkeit angewiesen. Eine Welt, die Platz für Öffentlichkeit haben soll, kann nicht nur für eine Generation errichtet oder nur für die Lebenden geplant sein; sie muß die Lebensspanne sterblicher Menschen übersteigen. Ohne dies Übersteigen in eine mögliche irdische Unsterblichkeit kann es im Ernst weder Politik noch eine gemeinsame Welt noch eine Öffentlichkeit geben.
Hannah Arendt aus: „Vita activa oder Vom tätigen Leben“
Didier Eribon beschäftigt sich mit dem Sterblich-Sein, mit der Angst vor dem Tod, mit der Fragmentierung der Gesellschaft auf der Suche nach einer gemeinschaftlichen Lösung dieser Problematik. Mit teilweise hilflosen, dennoch engagierten Versuchen und Argumenten und Reflexionen stellt er sein eigenes Versagen, seine eigene Schuld zur Verfügung, um die Aufmerksamkeit auf Verhältnisse und Ängste und Schmerzen und Leiden zu lenken, die alte Menschen oft alleine tragen müssen und die Mutter seines Ich-Erzählers alleine zu tragen gehabt hat. Eine Arbeiterin erscheint so als ein lehrreiches Beispiel eines bereitwillig eingestandenen Versagens.
tl;dr … eine Kurzversion der Lesebesprechung gibt es hier.
Nächste Woche am 28.05.2024 auf Kommunikatives Lesen:
bespreche ich das neue Buch von Sjón Nachtarbeit in der Übersetzung von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer.
Eine Kurzversion der Besprechung und noch andere aktuelle Kurzrezensionen findet sich demnächst hier.

Indem du immer wieder Bezüge zu anderen Büchern mit einem ähnlichen Thema aufzeigst, ermöglichst du deinen LeserInnen ein strukturiertes, vergleichendes Lesen. Das bietet einen Wert weit über deine einzelne Rezension hinaus, wofür man dir gar nicht genug danken kann, Alexander.
Liebe Ule! Danke, mein Problem ist mittlerweile die Seitenbeschränkung, die ich mir auferlege. Die Besprechungen erscheinen bereits relativ lange und umständlich, als dass ich den Aspekt der Vernetzung noch erweitern könnte – aber ich möchte eigentlich die Welt der Literatur zum Schwingen bringen, indem die Texte miteinander zu korrespondieren beginnen, statt sich gegenseitig zu vergessen. Ich arbeite gerade an Kategorien, die Stoffe und Plot voneinander scheidet, in denen sich aber schnell eine Übersicht erstellen lässt, zu ähnlichen, verwandten Werken. Mal sehen, wie weit ich da komme. Danke für den Kommentar und die Aufmunterung 🙂 Viele Grüße!!
Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Kategorien auf deine Rezensionen auswirken werden. Wirst du uns diese Kategorien auch vorstellen, oder lässt du sie allein durch ihre Wirkung erscheinen?
Nein, ich schreibe was dazu, stelle sie vor, und auch zur Diskussion, und dann gibt es eigene Seiten, von dieser Seite aus, so dass sich dort die Werke stapeln, sammeln und gegenseitig ergänzen können. Literarische Symbiose, sozusagen 🥳
Das klingt hochinteressant, ich freue mich schon darauf.
Ich kann Ule nur recht geben. Deine Rezensionen bieten zusätzlich zur Information über einzelne Werke auch eine Bibliographie von ähnlichen Werken, die mich schon öfter zu interessanten Lektüren gebracht hat. Ebenfalls herzlichen Dank dafür 🌺
Liebe Myriade, Danke für deine freundlichen Worte. Ich arbeite tatsächlich auch an diesen Stoff-Kategorien-Seiten, die eine noch tiefergehende Analyse ermöglichen, zudem gibt es demnächst auch ein paar Extras zur Erzähltheorie, so dass alles schön miteinander wachsen kann. Ich verliere sonst völlig den Überblick 🙂 Viele Grüße und Danke für die blumigen Worte!
Ah, Erzähltheorie, da bin ich schon sehr neugierig
Habe gerade einen Grundlagentext dazu gelesen, Gérard Genette, die Erzählung, das bringt mich weiter hinsichtlich meines Problems zum glaubwürdigen Erzählen, und wie sich Glaubwürdigkeit literarisch ergibt. Eines meiner liebsten Steckenpferdchen.
Gérard Genette kenne ich nur dem Namen nach. Es klingt aber verlockend. Andererseits ist natürlich die Frage, ob man noch einen einzigen „natürlichen“ Satz schreiben kann, wenn man literaturwissenschaftliche Kriterien anlegt. Wie der berühmte Tausendfüßler, der beginnt darüber nachzudenken, wie er seine Beine setzt und sich dann hoffnungslos verheddert
Von Eribon habe ich „Rückkehr nach Reims“ gelesen, nicht aber dieses Buch. Dort handelt er seine Homosexualitaet ab, aber ich finde, andere (zB Louis) tun das besser :-). Kann mit Eribons Mischformen weniger anfangen, als mit Romanen – oder aber reinen Essays.
Erzaehltheorie! klingt spannend!! Ja, und Vernetzung natürlich. Du wirst das bestimmt ebenso gut hinkriegen, machst es ja schon in Deinen ausführlichen Rezensionen… Merci! Bin auch auf die „Kategorien“ gespannt!
Mir faellt noch ein, dass Walter Benjamin sehr treffend übers Erzaehlen geschrieben hat, aber das wirst Du bestimmt kennen?
Ja, Benjamin lese ich ein und aus, immer wieder. Ich bin mit der halb-soziologischen Schreibweise Eribons nicht sehr warm geworden, finde aber schon, dass sehr viel Mut aus seiner Selbstentblößung spricht. Ich habe gestern an den „Stoffen“ gearbeitet, schon etwas mühevoll, aber ich bleibe am Ball!! Danke!
Unsre Katze hat ihre Jungen in den Kasten vorm Haus, wo das Gas verstaut ist, fallenlassen…Jaja, die Lustbarkeiten…
ach herrje … wie traurig. War das Absicht?
Hier was ich früher mal zu „Vernon Subutex“ von Virginie Despentes schrieb:
„In unserer Gruppe lasen wir davor “Rückkehr nach Reims” von Didier Eribon. Welch gute Wahl haben wir unbewusst getroffen! Eribon und Despentes behandeln nahezu das gleiche Thema, aber wie unterschiedlich! Eribon stellt sich selbst ganz in den Vordergrund, Despentes aber nimmt sich völlig zurück, beschreibt die unterschiedlichsten Menschen und Ansichten mit gleicher Empathie.“
Danke nochmal fürs Aufmerksam-Machen. Subutex wollte ich lesen und steht auch hier. Bin gespannt. Und du hast das gut beschrieben. Didier gibt einem kaum Raum an ihm vorbeizusehen 🙂 Viele Grüße!