Die Literaturgeschichte erinnert oft nicht an die erfolgreichsten Bücher einer Zeit. Sie selektiert nach stark wandelnden Kriterien akademischer Verwendbarkeit wie bspw. Vieldeutigkeit und konfligierende Bedeutungsspielräume, die von populären Titeln nachgerade vermieden werden. Die erfolgreichsten Bücher einer Zeit werden oft sehr schnell vergessen. Als Beispiele können die massiven Erfolgsromane von Hedwig Courths-Mahler (1867-1950) , von Ludwig Ganghofer (1855-1920), die Auflagen in Millionenhöhe erlebten, oder von August Lafontaine (1758-1831) dienen, wobei letzterer ein besonders krasses Beispiel für Gegenwartsruhm und späteres Vergessen gibt. Lafontaine galt in seiner Zeit, derjenigen von Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller, als auflagenstärkster Autor, der zwischen 1789 und 1822 ganze 58 umfangreiche Romane veröffentlichte und seine literarische Produktion sofort einstellte, als er 1822 durch preußische Kulturpfründe eine finanzielle Absicherung und Unabhängigkeit erfuhr. Auch wenn diese Romane von der Literaturgeschichte vergessen werden, ob zu Unrecht oder nicht sei einmal dahingestellt, fangen diese einen, oft im Vergleich zu den Klassikern authentischeren Zeitgeist ein und eignen sich hervorragend für das zeitgenössische Publikum als Projektionsfläche, Phantasie und Bedeutungsgeber sowie Problemhorizontdiskutand. Das gilt mit Sicherheit auch für Ewald Arenz, der seit geraumer Zeit jedes Jahr einen neuen Roman veröffentlicht und mit jedem seiner Romane auf großen Widerhall stößt. Sein neuester Roman heißt Fünf, sechs, sieben, acht und handelt von einem sechzigjährigen Tänzer, der gegen das Altwerden ankämpft:
Nicht darauf hören! Tanz! Jetzt, endlich, verstummten die Gedanken, und da war nur noch die Abfolge der Figuren, nur noch der Körper in der Bewegung, das Ticketitack der Platten auf dem Holz, der immer treibendere Rhythmus, die atemberaubend enge Drehung auf dem winzigen Tisch, Musik, flackerndes Licht, Tempo, der Tanz wie die zweihundert Räderpaare eines Güterzugs, der über eine Weiche jagt. Ganz zum Schluss der Sprung zurück auf den Bühnenboden, darin ein dreifaches Klacken der Heels – einen winzigen Augenblick in der Luft stehend, bevor er mit einem vierfachen Ton Tap – Heel, Tap – Heel landete. Der Dirigent gab dem Publikum eine Pause für den Applaus. Nicht tosend. Freundliche Begeisterung, aber was machte das schon?
Ewald Arenz aus: „Fünf, sechs, sieben, acht“
Inhalt/Plot:
Der Tänzer heißt Anton Wagner, leitet die Choreographie eines kleineren Theaters in einer nicht näher betitelten mittelgroßen Stadt, hat eine dreißig Jahre alte Tochter namens Emma mit seiner Ex-Frau Katja, mit der er sich noch immer in einem guten Verhältnis befindet, auch wenn seine Affäre vor fünfzehn Jahren mit einer jungen Schauspielerin schwer auf die Gemüter der Familienmitglieder drückt. Sie haben sich zusammengerauft, aber nicht wirklich wieder zusammengefunden, und das klingt immer wieder durch. Anton weiß selbst, wie sinnlos sein Seitensprung gewesen ist, doch bedauern kann er ihn dennoch nicht:
Wie furchtbar klischeehaft diese Sätze waren: Katja, ich habe jemanden kennengelernt. Katja, ich habe mich in jemanden verliebt. Katja, da gibt es eine Frau … Wenn er heute daran zurückdachte, konnte er lächeln, weil alles, was seinem stockenden, kleinlauten, lächerlichen Geständnis folgte, ein Klischee gewesen war. Wie in einem überdrehten Hollywoodfilm. Katja war immer temperamentvoll gewesen, am Ende dieses Tages hatten sie kein Geschirr mehr gehabt. Der Boden in der Küche voller Scherben. Ein umgekehrter Polterabend, sozusagen. Nur nicht so lustig. Viel schlimmer aber war es, Emma zu erklären, was geschehen war. Weil es sich nicht erklären ließ.
Die Affäre mit der namenlos bleibenden Schauspielerin und darauffolgende Trennung und Scheidung von Katja hat eine tiefe Wunde in seiner Tochter Emma hinterlassen, und Fünf, sechs, sieben, acht, als Auftakt für den nun einsetzenden Tanz, handelt vor allem von dieser Wunde und den Versuchen, sie wieder zu heilen. Anton stellt sich aber reichlich verworren, ungeschickt und gefühllos an, wenn statt eines Versöhnungsurlaubs mit seiner Ex-Frau er Emma mit auf eine Reise nimmt, um seine Jugendliebe zu finden, die vor fünfunddreißig Jahren spurlos verschwunden und ihm seitdem als mögliche „Liebe seines Lebens“ im Gedächtnis verblieben ist und dadurch Emma und Katja, seine eigentliche Familie, abermals und erneut ins Abseits schiebt:
Katja trank ihr Glas aus. Die Zitronenscheibe pusselte sie mit dem Strohhalm heraus, um sie danebenzulegen. Nicht, um sie womöglich zu essen oder an ihr zu saugen, einfach nur, damit das Glas leer war. Hatte sie auch schon immer so gemacht. »Kein so schönes Gefühl, sein Leben lang nur second best zu sein«, sagte sie leise. Er wollte etwas antworten, aber sie winkte ab. Lass. Wir haben schon so oft darüber gesprochen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie gestorben wäre. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hat man gegen Träume als lebendiger Mensch keine Chance. Gegen einen Traum kann man immer nur verlieren.«
Um das Fass vollzumachen, hadert Anton darüberhinaus noch mit Katja und Emma, weil beide ihn nicht darauf vorbereitet haben, dass Emma auf seinen Posten im Theater berufen wird, nachdem sein Vertrag zu seinem Entsetzen von der neuen Intendanz nicht verlängert worden ist. Statt sich also bei seiner Tochter und Ex-Frau zu entschuldigen, will er eine Entschuldigung von Emma, da sie ihn aus seinem Posten verdrängt hätte. Während sie nun mit ihm auf der Suche nach seiner wahren Liebe in Irland herumkurvt, platzt Emma unüberraschenderweise irgendwann der Kragen:
»Du bist so scheiße«, sagte Emma in diesem Moment mit einem Zittern in der Stimme, das ihn nur noch mehr aufregte. Er wollte nicht, dass sie weinte. Weinen war unfair. Man war automatisch im Unrecht.
»Ich bin scheiße? Scheiße finde ich, dass du nicht den Mut hattest, mit mir zu sprechen. Als ob ich so ein alter weißer Mann wäre. Ich habe immer … Ich wollte immer, dass du deinen Weg machst.«
»Ja!«, schrie sie voller Zorn. Das Zittern war fort. »Aber nur, bis es dich betrifft. Wie immer. Weißt du, was? Du bist ein alter weißer Mann. Das bist du einfach. Wer hat denn nie Rücksicht auf die Familie genommen? Wem war es denn egal, wie das für mich ist, als du plötzlich eine Fünfundzwanzigjährige gefickt hast? Genau zehn Jahre älter als ich? Wir waren dir scheißegal, oder? Und du verlangst von mir, dass ich …«
Wie und ob es noch zu einem Happy End zwischen den beiden kommt, und was es mit dem Verschwinden seiner Jugendliebe auf sich hat, all dies wird dann aufgeklärt. Hier überzieht Arenz in Fünf, sechs, sieben, acht etwas den ruhigen Ton, für den seine Romane sonst bekannt sind, und gerät etwas effektheischend und reißerisch.
Vollständige Inhaltsangabe mit Spoilern hier.
Stoffbereich: Liebe mit Plot: Unerfüllte Liebe/Eifersucht
Stil/Sprache/Form:
Arenz zeichnet sich durch den in letzter Zeit, wohl durch die sozialen Medien erzwungenen, verknappten Stil aus, der meistens rhapsodisch, schlaglichtartig ganze Bedeutungs- und Beschreibungszusammenhänge in knappen Ein-Wort-Hauptsätzen abarbeitet. Hierdurch entsteht eine eingängige Lesbarkeit. Es verschwinden aber auch Nuancen und klare Raumvorstellungen, sowie ein die verschiedenen Eindrücke verbindendes, synthetisierendes, die Welt mit Bedeutung aufladendes Ich. Viele Absätze erscheinen daher pointillistisch:
Die Musik aus dem Orchestergraben eine fast körperliche Welle aus Klang. Und die Luft. Heiß vom Licht, voll vom unverwechselbaren, trockenen Geruch der Schminke, der noch frischen Farbe des Bühnenbilds und der hundert Parfums aus dem Publikum. Niemals gleich, aber immer unverkennbar. Bühne.
Was sonst eher in mundartlichen Dialogen verwendet wird, um die Rasanz von mündlichen Mitteilungen nachzuahmen, wird hier in die Beschreibungsebene verlagert und nimmt so dem Text eine weitere Dimension seiner Fiktionalität. Diese Form von Sprache wird klassischerweise in Kriegsszenarien und Rekapitulationen von traumatischen Ereignissen angewendet, von bspw. Wolfgang Borchert in seinen Erzählungen, in denen entweder Dialoge diese Verknappung aufweisen, Ein-Wort-Sätze, da kein Sinn mehr aus den Ereignissen gebildet werden kann, oder aber von zerstörten Umgebungen wie in Borcherts Erzählsammlung Hundeblume, in denen auch eine besondere Musik und Bühne beschrieben wird:
Und dann klatschen in den grauen Nächten die kalten kalkigen Menschenleichen klagend gegen die Kaimauern von Köhlbrand und Athabaskahöft. Und ihre einzige Blechmusik sind die blechernen Möwenschreie, die geil und voll Gier über den Menschenfischen schwirren. So ist das in den grauen Zeiten. Meerhungrige Riesenkästen, ozeansüchtige Wohnblocks, winderfahrene Paläste voll Ausfahrt und Ankunft mit lärmender Blechmusik dickbäuchiger Messingkapellen – Wassersüchtige Menschenwracks, todsehnende Lebendige, wellenvertraute wellenverliebte Wasserleichen voll Abschied und Endgültigkeit mit einsamem Blechschrei schmalflügeliger Lachmöwen: Lustvolle leidvolle Elbe! Lustvolles leidvolles Leben!
Wolfgang Borchert aus: „Die Elbe“ in „Hundeblume“
Nur handelt es sich bei Arenz nicht um eine traumatische Situation. Es handelt sich eher um eine bedeutungsvolle Atmosphäre, den Sinn des Tänzers auf der Bühne, sein Erleben als Künstler, die gelungene Kommunikation durch seine Bewegung mit dem Publikum. Hier wirkt die Verknappung eher verkürzend und sogar mit der Betonung, Wiederholung und dem Staccato des Wortes „Bühne“ manieriert, vergleichbar einem Ferdinand von Schirach oder Martin Mosebach, sobald ihnen die Luft für die literarische Situation, die sie erwirken wollen, ausgeht.
Kommunikativ-literarisches Resümee:
Stilistisch, inhaltlich lässt sich in Fünf, sechs, sieben, acht nicht viel Literarisches finden. Die Erzählung bleibt zu dünn, die Erzählperspektive zu unentschieden, die Zeiträume zu ungetaktet. Ewald Arenz glänzt nicht in der Verwebung von Bedeutungsinhalten mit Figurenkonstellationen. Er bleibt eher nahe am Alltag, stark verdichtet mit Bezug auf Problemhorizonte der Gegenwart, nur aufgelockert und so deeskaliert im fiktionalen Gewerbe eingebettet. Er bedient eine Unterhaltungsform oder Identifikationsfläche wie anno dazumal August Lafontaine oder Hedwig Courths-Mahler. Das heißt, er strebt einen Tagtraum, eine Ernst Blochsche Wachtraum-Utopie an, in der die Welt in der Versöhnbarkeit vorausscheint. Bei Courths-Mahler klingt das in Die wilde Ursula (1912) wie folgt:
Treusorgende Vaterliebe half ihr, sich wieder zurechtzufinden. Langsam wandte sie sich wieder den Lebenden zu, nachdem der Tote zu seinem Recht gekommen war. Sie konnte es nicht länger verhindern, dass ihre Gedanken wie befreite Vögel in die Ferne zu fliegen begannen […] Wer wollte, wer konnte ihr jetzt noch das Recht auf eigenes Glück absprechen? Und wie schön, dass sie ohne Schuld befreit aufatmen konnte! Es war nicht zuletzt diese Erkenntnis, die ihre Lebensgeister anfachte. Ursula hob stolz ihr Haupt. Sie wandelte sich erneut vor den staunenden Augen ihres Vaters; die ihrer Natur so fremde duldende Demut wich einer stolzen Würde, die schon bisweilen aufgehellt wurde von leiser Schelmerei, die an die sehr junge Ursula erinnerte.
Hedwig Courths-Mahler aus: „Die wilde Ursula“
Bei Ewald Arenz hört sich eine ähnliche Szene zwischen Vater und Tochter wie folgt an:
Emma sah nach oben, dann nahm sie mit drei großen Sprüngen Anlauf und kam auf ihn zu. Er wusste, was es war. Fliegen! So wie sie als Kind in seine Arme gerannt war und wie die Tänzerinnen in die Arme ihrer Kollegen rannten. Ein Aerial. Der Moment im Tanz, der dem Flug am nächsten kam. Eine Hebefigur. Sie rannte, sprang … Sie war kein Kind mehr, eine durchtrainierte, muskulöse Tänzerin, viel schwerer … War er noch stark genug? Die Gedanken waren alle auf einmal da, als er leicht in die Knie ging, um sie zu fangen, zu heben, fliegen zu lassen. Ich vertraue dir. Das war es, was sie damit sagte. Ich vertraue dir so sehr, dass mir egal ist, wie alt du bist. Du fängst mich. Hebst mich. Lässt mich fliegen.
Es ist nicht das Schlechteste, die Tagträume literarisch zu ermöglichen, wie Ewald Arenz es in Fünf, sechs, sieben, acht unternimmt. Das Buch bricht eine Lanze für die Versöhnung, selbst bei härtesten Verfehlungen. Es nährt die Hoffnung auf immer wieder gelungene Neuanfänge, gleich in welchem Alter. Und es stärkt den Glauben an die Möglichkeit von Märchen, die im Nahen wie Fernen glückliche Enden erbringen könnten, so sie Wirklichkeit werden. Die Problematik von Fünf, sechs, sieben, acht liegt nicht in seinen formalästhetisch offenkundigen Mängeln, auch nicht in einer, wie Adorno es bei Courths-Mahler befürchtet, erpressten Versöhnung. Vielmehr gerät das realistische Gegenwartsbild mit seinen alltäglichen Problemen in Konflikt mit dem einseitigen Märchenausgang, das eher einem idealisierten Schwarz-Weiß-Weltbild wie bei Courths-Mahler oder von anderen Märchen entspricht. Mit anderen Worten, Arenz Fünf, sechs, sieben, acht ist einerseits zu idealistisch (alle vergeben Anton), andererseits zu realistisch (Anton ist eben kein Prinz), und wirkt deshalb unglaubwürdig und verspielt so sein utopisches Potential.
tl;dr … eine Kurzversion der Lesebesprechung, aber mit detaillierter Inhaltsangabe findet sich hier.
Die Kurzversion findet sich bald hier und auch andere aktuelle Kurzrezensionen.

Ich frage mich, ob du schon mal etwas von Arenz besprochen hattest. Ich habe damals „Alte Sorten“ gelesen und war davon ganz angetan, ein, zwei spätere Sachen haben mich aber nicht mehr begeistert … 🤔 Was du hier über das Buch schreibst, klingt jedenfalls nach einer echten Enttäuschung, eigentlich schade.
Arenz ist übrigens hauptberuflich Lehrer an einem Gymnasium, soweit ich weiß.
Morgenkaffeegrüße nach Regen 🌥️🎶🛋️☕
Tatsächlich ist dies mein erster Arenz-Roman, habe aber auch Gutes von „Alte Sorten“ gehört, und ich kann mir vorstellen, dass das Märchenhafte, Verträumte bei ihm gut funktionieren kann – hier aber erhält das alles viel zu drastische und antagonistische Züge, und Anton ist nun wirklich kein feiner Kerl, so wie er sich verhält … brr … ich schau vielleicht mal bei Gelegenheit in „Alte Sorten“ hinein. Habe ich irgendwo seinen Beruf falsch bezeichnet? Ich hätte gedacht, er ist voll beruflicher Journalist :O Feierabendgrüße aus der Sonne.
Ja, hast du, in dem Teil mit den Spoilern schreibst du, dass er Journalist wäre. Ich habe ihn schon ein paarmal in Freitagabend-Talkshows gesehen (angenehmer Mensch eigentlich), und da wurde immer darauf abgehoben, dass er nach wie vor im Schuldienst sei.
Mich würde schon interessieren, ob du „Alte Sorten“ besser findest, aber fühl dich um Himmels willen nicht gedrängt.
Frühabendgrüße mit Sonne zurück! 😀
Ah, stimmt, dort schreibe ich „der erfolgreiche Journalist“ – gut aufgepasst 😀 … aber das ist ja er auch, nur eben noch in Teilzeit Lehrer, wo du recht hast. Ich korrigiere das mal „unter der Hand“ in „der im Nebenberuf erfolgreiche Journalist“, dann wirkt es weniger falsch. Danke dafür. Ich freue mich immer über Leseanregung!!
😆👏…Ey, hast du Mosebach grad gesagt, dass er seine Grenze des literarischen Handwerks oft zu schnell erreicht und er dann in Stilmittel flüchtet, die die Fiktionalität untergraben? Oder in meiner Sprache: Da hat aber wer mächtig aufs Maul bekommen!
Diese Rezension gehört eindeutig zu meinen Lieblingsrezensionen. Ich hab von Arenz eh schon immer Abstand genommen, da sämtliche seiner Werke sich so anhören, als seien sie in diesem Missverhältnis geschrieben. Die Ausführen wodurch Literatur ihren Fiktionalitätsgrad einbüßt finde ich sehr aufschlussreich und gelungen. Übrigens denke ich, dass man das auch sehr gut mit Deleuze Ansicht gelungene Literatur sei ein Monument bzw. Empfindungsblock verbinden kann. Der Verlust der Fiktionalität, durch welche Mittel auch immer, zerstört den Kunstcharakter. Das sehe ganz genauso.
Für mich klingt das so, als würden am Ende aus Arenz Figuren rhetorische Figuren, die eine Funktion als Message erfüllen sollen ohne einen eigenen Affekt zu erzeugen.
Du motivierst mich auch Deleuze-Kunstauffassung näher zu betrachten, bin aber momentan noch damit beschäftigt die anderen vier unter einem Hut zu bringen. Ich finde die Inkonsistenz in der Verwendung der literarischen Mittel ein faires Kriterium – es bricht die Fiktionalität, auch das Genre, wie hier das Märchen. Die Sprache gleitet nicht wie im Schlaf, das „Es war einmal …“ wird zu einem Schock. Das Staccato-Schreiben mag ich sowieso nur im Rahmen von extrem beschleunigten Situationen, wie bei Borchert, bspw. Ich würde hier sogar sagen, dass die Rhetorik misslingt, da die Figuren allesamt schlingern und eigentlich will Anton nur nicht alt sein. Das ist ein seltsames Buch, kein guter Einstieg, ganz und gar nicht, würde ich sagen. Ich lese ja Courths-Mahler auch nicht wirklich, aber sie ist sehr sehr konsistent. „Monument“ und „Empfindungsblock“ kannst du mir mal bei nächster Gelegenheit erklären 😀 Danke fürs Kommentieren!!