Parasiti von Aisha Gamisch reiht sich ein in eine realistische, an die Ästhetik von Lukács angelegte Gegenwartsliteratur, die zeithistorische Knotenpunkte literarisch erforscht und mit erzählerischen Mitteln zu erschließen sucht. Der Roman steht in sehr engem Zusammenhang mit Elli Unruhs Fische im Trüben (Shortlist Leipziger Buchpreis 2026), Svenja Leibers Nelka (Longlist deutscher Buchpreis 2026), Katerina Poladjans Goldstrand (Leipziger Buchpreis 2026) und Dmitrij Kapitelmans Russische Spezialitäten (Longlist deutscher Buchpreis 2025), um nur einige wenige zu nennen. Im Sinne des kritischen Realismus wird jedoch nicht ein Konflikt in seiner Totalität beschrieben, wie im Paradebeispiel Krieg und Frieden, sondern stattdessen aus dem Alltag heraus typische Problemzonen studiert. Im Falle von Parasiti ein sehr problematisches Ehe- und Liebesleben zwischen Lydia und ihrem Ehemann Sashka:
„Aisha Gamisch: „Parasiti““ weiterlesenIhr Sashka hat wieder gestunken, als hätte er im Klohäuschen gelegen. Wie oft hat sie ihm schon gesagt: »Wasch dich, bevor du ins Bett kommst! Trink, wenn es sein muss, aber wasch dich wenigstens!« Doch er spritzt sich immer nur Adekalon ins Gesicht. Als würde das helfen. Er ist nach Mitternacht gekommen, rumpelnd und mit einem Geruch, boshe moj! Davon ist ihr so schlecht geworden, dass sie aufstehen musste, ein paar Minuten auf und ab gehen – wie ein Geist.
Aisha Gamisch aus: „Parasiti“
