Theodor W. Adorno: „Skoteinos – Wie zu lesen sei“

Von der immanenten Kritik und anderen Münchhausenstücken …

Interpretationsmodelle (1): Wer viel liest, fragt sich schnell, wie unterschiedliche Eindrücke zustande kommen, was den einen vom anderen Text unterscheidet? Was zeichnet diesen von jenem Roman, diese von jener Ausdrucksweise aus? Werturteile lassen sich diesbezüglich schnell aussprechen. Sie hängen aber von den Lesenden ab. Das bestreitet heute kaum noch jemand. Die entscheidende Frage bleibt indes vom Urteil unberührt: Was vom Urteil hat nun mit dem Lesen, was mit dem Text zu tun? Statt den Text zu klären, hat das Urteil also die Aufgabe erweitert und verkompliziert und nicht gelöst.

Im Folgenden, und in der nun startenden Reihe der Interpretationsmodelle, analysiere ich insofern Lesarten, die sich selbst auf die Schliche kommen wollen. Es wird begonnen mit Theodor W. Adornos „Skoteinos – Wie zu lesen sei“ geschrieben im Winter 1962/63 und veröffentlicht in dem Buch „Drei Studien zu Hegel“. In der Reihe der Interpretationsmodelle werden noch weitere Untersuchungen folgen, bspw. Jacques Derrida, Martin Heidegger, Walter Benjamin, Julie Kristeva, Maurice Blanchot, Marguerite Duras, Jean-Paul Sartre oder Simone de Beauvoir, um nur einige zu nennen. Allen gemein ist das Interesse am Interpretieren, Exzerpieren, an der Exegese und Hermeneutik, an der Arbeit und Auseinandersetzung mit einem speziellen Text.

Interpretationsmodell: „Immanente Kritik“

Theodor W. Adornos emphatisch vertretener Begriff der immanenten Kritik macht den Anfang. Dass er ihn selbst nicht einhält, wird im Folgenden gezeigt. Am konzisesten hat er ihn jedenfalls in der erst posthum erschienenen, von Gretel Adorno herausgegebenen, Ästhetischen Theorie beschrieben:

Gleichwohl trifft er [der Begriff des Kunstwollens] ein für immanente Kritik Wesentliches: daß über den Rang von Kunstwerken nicht ein ihnen Äußerliches befindet. Sie – nicht freilich ihre Autoren – sind ihr eigenes Maß, nach der Wagnerschen Formel ihre selbstgesetzte Regel. Die Frage nach deren eigener Legitimation ist nicht jenseits von ihrer Erfüllung. Kein Kunstwerk ist nur, was es will, aber keines ist mehr, ohne daß es etwas will.

Theodor W. Adorno aus: „Ästhetische Theorie“ (Gesammelte Schriften, Bd. 7)

Immanente Kritik nach Adorno möchte die Sache selbst zum Reden bringen. Negativ formuliert jedoch lässt sich das zunächst dadurch einkreisen, dass nicht von oben herab oder von unten hinauf gepriesen, hierarchisiert, typisiert wird. Jeder Ausdrucksversuch bleibt für sich. Er reiht sich ein. Vielleicht möchte er anschließen, unterstützen, als Ereignis, Satz, als Text, Melodie steht der Ausdrucksversuch jedoch bar und allein zwischen allen anderen Ereignissen. Das meint Adorno, wenn er sagt:

So sehr die Werke ihrer Qualität nach voneinander sich abheben, so inkommensurabel sind sie doch zugleich. Sie kommunizieren untereinander allein antithetisch: »ein Werk ist der Todfeind des anderen«.

Werke individualisieren Ereignisse und Erfahrungen und Erlebnisse. In diesem Sinne bleiben sie einzigartig, verortet, eingebettet in einem Entstehungszusammenhang. Sie suchen nicht die Nähe. Im Gegenteil, sie sind der Nähe zueinander nicht fähig. Dies meint die etwas harsche Formulierung „Todfeind“. Sie verdinglichen Zeit, allein, als Einzelne, zu Glaskugeln zusammengezogen, und vermögen dies mittels Erwartung und Erfahrung aufarbeitender Sinnhorizonte. Immanente Kritik strebt nun danach, sie an diesen zu messen, und nicht äußerlichen Kriterien zu subsummieren. Äußerliche Kriterien lauten beispielsweise: Länge der Sätze, Länge des Textes, wie oft werden Wörter wiederholt, Phrasen verwendet, wie hängen die Sätze zusammen, nur kausal oder auch narrativ oder klangmalerisch, oder implizieren sie Anschauungsformen, gleiten von Beschreibungen über Dialoge hin zu neuen Beschreibungen, etc…?

Immanente Kritik verzichtet darauf, oder strebt danach, diese äußeren Maßstäbe nicht anzulegen. Ob ein Text mit Lesegewohnheiten bricht oder sie bestätigt, hat in erster Linie ja mit den Gewohnheiten zu tun, auf denen der Text beim Lesen stößt. Je transparenter die Erwartungshaltung, desto offener wird diese für den Eigensinn der dargebotenen Ausdrucksweisen. Lösen sie ihr eigenes Versprechen ein, ist die Frage, oder baut der Text auf etwas auf, benötigt er mehr als sich selbst, und wie generiert er sein Tempo, die Erwartung, wird sie eingelöst, gibt es einen oder mehrere Fluchtpunkte?

All dies bindet Form und Inhalt unweigerlich zusammen und gilt für alles, was sich medial vermittelt zur Kommunikation anbietet, unterschiedslos, ob es sich nun um einen Weltroman oder eine Dreigroschenbroschüre handelt. Demgemäß zitiert Adorno in der Logik der Sozialwissenschaften Gottfried Wilhelm Friedrich Hegel:

Widerlegung ist fruchtbar nur als immanente Kritik. Das wußte schon Hegel. Über das »Urteil des Begriffs« bringt der zweite Band der großen Logik Sätze, die zugleich das meiste aufwiegen dürften, was seitdem über die Werte orakelt ward: »Die Prädikate gut, schlecht, wahr, schön, richtig u.s.f. drücken aus, daß die Sache an ihrem allgemeinen Begriffe, als dem schlechthin vorausgesetzten Sollen gemessen, und in Übereinstimmung mit demselben ist, oder nicht.« Von außen her ist alles und nichts widerleglich.“

Theodor W. Adorno: „Zur Logik der Sozialwissenschaften“ (Gesammelte Schriften, Bd. 8)

Nur zur Klärung, mit „großer Logik“ ist keine Wertung gemeint, sondern die große Logik, erschienen zweibändig als Wissenschaft der Logik, im Gegensatz zur kleinen Logik, erschienen in der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (Erste Abteilung). Zu der Enzyklopädie muss noch ergänzend gesagt werden, dass die herkömmlichen Ausgaben (bspw. die aus dem Suhrkamp Verlag) nicht strikt zwischen Mitschriften durch Studenten und Hegels eigenen Texten unterscheiden. Eine historisch-kritische Ausgabe hat diesen Mangel jedoch längst, nur nicht in den gängigen Verlagen, beseitigt. In dem obigen Zitat wird indes klar, dass das Sollen selbst eine Wechselwirkung zwischen Erwartung und Verhalten bezeichnet und die Sache selbst in das Spannungsfeld des Gefallens oder Nicht-Gefallens einsortiert, das der Sache selbst nur äußerlich sein kann.

Adornos versteckte Normativität

Dass nun selbst Adorno seine liebe Mühe mit der sogenannten immanenten Kritik hatte, bezeugt der Text Skoteinos – Wie zu lesen sei, in welchem er Hegels philosophische Sprache formallogisch und ästhetisch auseinandernimmt. Im Duktus liest sich der sechzig Seiten lange Aufsatz wie eine Kritik an Sprache und Stil, die kulminierend mit folgender Beobachtung anhebt:

Im Bereich großer Philosophie ist Hegel wohl der einzige, bei dem man buchstäblich zuweilen nicht weiß und nicht bündig entscheiden kann, wovon überhaupt geredet wird, und bei dem selbst die Möglichkeit solcher Entscheidung nicht verbrieft ist.

Theodor W. Adorno aus: „Drei Studien zu Hegel“ (Gesammelte Schriften, Bd. 5)

Als Beispiele werden nun Sätze zitiert, die aus Schriften heraus exzerpiert worden sind, die Hunderte von Seiten lang eben jene Sätze zur Anschauung bringen möchten. Adorno weiß dies, aber zitiert sie dennoch, um anhand von Äquivokationen, fehlender Definitionen, anhand von beliebigen adversativen Konjunktionen zu unterstreichen, dass in Hegels Texten hier und da einfach eine Maschine rattert und weiterläuft, also die Argumentation und Wortketten nur vorgeben, etwas zu demonstrieren, etwas zu vollenden, wo trotz aller Beteuerung des Gegenteils noch alles im Argen liegt und erst zu zeigen und zu leisten wäre.

Verhängnisvoll wird das, weil seine Formulierungen, die abschlußhaft weder sein wollen noch können, doch vielfach klingen, als wären sie es. Hegels Sprache hat den Gestus der Lehre. Ihn motiviert die Präponderanz des quasi mündlichen Vortrags über den geschriebenen Text.

Was Adorno an Hegel stört, ist, dass die Begriffe harmonisch ineinander aufgehen, dass sie jeweils aufgehoben und zu einem Abschluss finden, also eine Leiter der Abstraktheit erklimmen, sich am Konkreten abarbeiten, nur um auf der höchsten Spitze allesumfassend sich an sich selbst zu beruhigen und architektonisch bruchlos sich zusammenzufügen. Hier fährt Adorno sein Prinzip der immanenten Kritik gegen Hegel auf.

An ihm [dem loyalen Interpreten] wäre zu leisten, was Hegel versäumte; soviel an Prägnanz herzustellen wie nur möglich, um jene Stringenz der dialektischen Bewegung darzutun, die in Prägnanz nicht sich beruhigt. Auf keinen weniger wohl als auf Hegel paßt die ohnehin problematische Norm der Philologie, den vom Autor subjektiv gemeinten Sinn herauszuarbeiten. Denn seine von der Sache unablösbare Methode will die Sache sich bewegen lassen, nicht eigene Überlegungen entwickeln.

Exakt dies, „die Sache sich bewegen lassen, nicht eigene Überlegungen entwickeln“, also das geduldige Medium einer Erfahrung der Welt werden, mit der Welt resonierend diese zum Ausdruck bringen, heißt für Adorno immanente Kritik, und hieran misst er Hegels philosophische Sprache, die teilweise zwanghaft, am Ende der Wissenschaft der Logik und der Phänomenologie des Geistes aber höchst gewollt, Vernunft und Welt zusammenschmiedet als Gang des Weltgeistes zu sich selbst. Die Crux liegt im versöhnlichen Stil, darin, dass irgendwie alles mit allem doch zusammenhängt und doch irgendwie zum Guten beiträgt, also die von Adorno bekämpfte Theodizee.

In Hegel lauert schon die akademische Rancune gegen eine sprachliche Selbstreflexion, die vom mediokren Einverständnis allzu weit sich entferne; seine stilistische Indifferenz mahnt an seine fatale Bereitschaft, durch Reflexion der Reflexion mit dem vorkritischen Bewußtsein gemeinsame Sache zu machen, durch Unnaivetät die Naiven in ihrer Willfährigkeit zu bestärken.

Um es kurz zu sagen, für Adorno steht es schlecht um die Welt, und Hegels Optimismus befeuert das Unheil mit unkritischer Reflexion der Reflexion nur weiter, statt auf die Widersprüche aufmerksam zu machen, die eben keine Synthese, Harmonie, kein Ineinander-Aufgehen erlauben. Statt dem schönen Schein des Fortschritts zu widersprechen, macht Hegel gemeinsame Sache mit dem Weltuntergang.

Dies hat, offensichtlich, mit immanenter Kritik nicht mehr viel zu tun, auch wenn in ihrem Namen geurteilt wird, es sei denn, und hier wird Skoteinos – Wie zu lesen sei lehrreich, die Sprache selbst wird mit einem Wollen versehen und der Text selbst anthropomorphisiert. Dies liest sich konsistent mit dem eingangs angegebenen Zitat, dass es kein Kunstwerk gibt, das nicht etwas will. In Adornos Herangehensweise verselbständigt sich die Sprache zu einem Gegenüber, dem man das Gehör schuldet. Begriffe haben ein Eigenleben. Sie besitzen Färbungen durch Kontextualisierungen, insofern eine eigene Geschichte. Sie stehen in einem lautmalerischen, assoziativen Zusammenklang, eingebettet in einem Stand des Materials, der verwendeten Sprache der Menschen. Die Worte selbst, so Adorno, das Material, geben in diesem Sinne, sinnlich und intellektuell, vor, wie sie zu verwenden seien.

Dies Ineinander [von Verständnis und Kritik] nun ist Hegel gegenüber in besonderem Maß zu verlangen. Anweisungen, wie er zu lesen sei, sind notwendig immanent. Sie wollen dazu beitragen, den objektiven Gehalt seiner Texte herauszuholen, anstatt daß von außen her über seine Philosophie philosophiert würde. Nicht anders kommt es zum Kontakt mit der Sache.

Die Frage lautet sofort, auf welche Instanz beruft sich Adorno hier? In wessen Namen ist etwas von Hegel zu verlangen? Und von welcher Sache wird hier gesprochen? Die Sache ist der geschichtliche Zustand des Menschlichen, des Lebens, des Glücks, und die Instanz selbst, so gibt Adorno zur Antwort, ist die Sprache, die Philosophie:

Philosophie ließe, wenn irgend, sich definieren als Anstrengung, zu sagen, wovon man nicht sprechen kann; dem Nichtidentischen zum Ausdruck zu helfen, während der Ausdruck es immer doch identifiziert. Hegel versucht das.

Adorno setzt als maßgebende Instanz, die Philosophie und ihre Sprache, also das Medium, in welchem sich Hegels Ausdruck präsentiert. Mit diesem Schachzug, und im Namen dieses Mediums, dem anthropomorph einen Willen attestiert wird, kann dann immanente Kritik aus- und durchgeführt werden. Immanente Kritik bezieht sich in diesem Fall nur noch auf die jeweilige Begründungsstrategie, nicht mehr auf das Eigengesetzliche des besprochenen Textes. Sie lässt sich als transzendente Kritik auf höherer Ebene bezeichnen, indem im Namen einer Instanz geurteilt wird, die mit dem Hervorbringen des Präsentierten in Verbindung steht. Selbstredend ist hiermit das Problem von Adorno ebenfalls nur verschoben worden, denn nun stellt sich die Frage, was Philosophie, die Sprache, was der Begriff, die Sache „will“, und wer sich schlussendlich erlaubt, in ihrem Namen zu sprechen.

Immanente „immanente Kritik“

Skoteinos von Theodor W. Adorno erschöpft sich jedoch nicht in dieser kontrastiven Lesart. Es exerziert auch eine andere Form von immanenter Kritik vor, ohne sie jedoch im Detail durchzuführen. Sie bleibt in Ansätzen, aber in Ansätzen dennoch erkennbar. Diese Form analysiert das Wortmaterial selbst, die klangmalerischen Zwischentöne, das etwaige Schwäbische im Verwenden eines konjunktivischen „Aber“. Hier ließen sich noch mehr rhythmische, assoziative Formelemente identifizieren, die mehr den Stil, die Assonanzen, die Hegelschen Klangfiguren charakterisieren und ein Licht auf den eigenartigen Sog werfen, der sich beim Lesen dieser Begriffstänze entfaltet. Diese immanente Kritik von Adorno lässt sich auf die Eigendynamik der Hegelschen Begriffe ein und konstatiert:

Hegel lesen wäre demnach ein experimentierendes Verfahren: mögliche Deutungen sich einfallen lassen, vorschlagen, dem Text und dem bereits zuverlässig Interpretierten kontrastieren. Der Gedanke, der notwendig vom Gesagten sich entfernt, muß in es wiederum sich zusammenziehen.

Die Güte des Textes ließe sich dann daran festhalten, als immanentes, nicht objektives Kriterium, inwiefern der Text dem Experiment, dem Lesen, Barrieren aufgibt, wie frei das Assoziieren durch das Lesen hindurch zu wabern vermag, wie mäandernd fröhlich frei die Gedanken spielen und sich tummeln, also wie wieviel kruder Widerstand einseitiger Vorgaben oder unaufgelöster Feststellungen übrigbleibt, sobald man sich dem dargebotenen, nicht erwarteten Argumentationsfluss überlässt. Adorno kommt hier zu dem Schluss:

Er [Hegel] fordert die experimentelle Methode heraus, die sonst nur von puren Nominalisten empfohlen ward. Experimentierend ihn lesen heißt, ihn am eigenen Maß messen.

Vor diesem Hintergrund jedoch lässt sich gegen Hegel wenig einwenden. Dem Gang der Gedanken hin zu einer Entspannung und der erneuten Bewegung durchs Erinnerungsmaterial steht nichts im Wege. Hegel hat eine Tautologie erzeugt, die paradoxerweise zu blitzhaften, also Augenblicksmomenten sich verdichtet, die eine immer wieder erneute Lektüre fruchtbar werden lässt. Der historische Abstand schadet nicht. Die Wörter tummeln sich um sich selbst, und jedes Lesen gerät zum Abenteuer einer selbstgeführten Reise. Hegel bietet eine Begriffsarchitektur an, eine in sich ruhende ästhetische Form, die erst gefüllt und in Bewegung gesetzt werden muss. Ob sie leerläuft, oder Resultate bringt, bleibt den Lesenden überlassen. Eine immanente Kritik würde nun minutiös durch den Text gehen und widerborstige Details analysieren, die diesem freien Verständnis im Wege stehen. Nicht anderes als durch sich selbst gelingt die immanente Kritik. Aus diesem Grund schreibt Adorno:

Keiner kann aus Hegel mehr herauslesen, als er hineinlegt. Der Prozeß des Verständnisses ist die fortschreitende Selbstkorrektur solcher Projektion durch den Vergleich mit dem, was geschrieben steht.

Wenn etwas in der Selbstkorrektur der Projektion unterdrückt, beiseite gewischt, ein Erfahrungskern unberücksichtigt bliebe, so spräche diese für eine gewisse Vorzugsrichtung in der Argumentation Hegels. Im Sinne Adornos, gibt es in Hegels Texten zu viel Zuversicht und zu wenig Pessimismus, und darin hat er ganz transzendental-kritisch mit Sicherheit recht.

4 Antworten auf „Theodor W. Adorno: „Skoteinos – Wie zu lesen sei““

  1. Ein spannendes Projekt, das ich gerne verfolge. Ich mag Lesarten anderer Menschen, besonders gefallen hat mir Nabokovs Kunst zu lesen, die allerdings sehr viel einfacher verständlich ist als Adornos. Spannend finde ich seine Ansicht des Todfeindes, die ich anders sehe. Werke sind für mich keine Todfeinde, die wie Glaskugeln abgeschottet sind, sondern eher wie sich gegenseitige Befruchter, da jedes gelesene Werk etwas im Leser hinterlässt, das er beim nächsten Lesen mit sich trägt. Und wenn es zum Klingen kommt beim Lesen, trägt es etwas dazu bei.

    1. Es freut mich, dass das Projekt auf dein Interesse stößt. Ich werde viele Stimmen zu Wort kommen lassen. Nabokovs Kunst zu lesen, werde ich mir mal zulegen. Der stand bislang nicht auf der Liste. Ich mag Textarbeit und Textbegrifflichkeiten sehr und freue mich über jeden Vorschlag. Adornos Begriff vom „Todfeind“ ist eine seiner typischen Übertreibungen – er jagt das Kunstwerk selbst aus dem Zusammenhang, auch verwendet er die Formulierung als Zitat, ich denke von Walter Benjamin, bin mir aber nicht sicher und hab die Quelle noch nicht gefunden. Ich stimme dir sehr zu, die verschiedenen Lektüren mischen sich in die Leseerwartung und Lesart automatisch ein. Am Ende hat man ein vielstimmiges Portfolio bunter Assoziationen. Adorno mag es halt hermetisch. Viele Grüße und Danke für den Kommentar und den Hinweis!

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