Bodo Kirchhoff: „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“

Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt von Bodo Kirchhoff. Spiegel Belletristik-Bestseller 2026.

In seinem neuesten Roman Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt beschäftigt sich Bodo Kirchhoff mit der zunehmenden Desintegration des Leben- und Liebesraumes einer siebzigjährigen Psychotherapeutin auf ehelichen Abwegen. Kirchhoff verschmelzt hier zwei beliebte Stoffe: das Alter und die Liebe, und nimmt die Erzählfäden eines Bernhard Schlinks aus Das späte Leben, Martin Mosebach Krass oder Natascha Wodin in Die späten Tage auf, die ebenfalls prekäre Liebesverhältnisse, Beziehungen und Herausforderungen im Alter behandeln. Das archetypische Alt liebt jung münzt Kirchhoff mal zur Abwechslung nach Seit er sein Leben mit einem Tier teilt auf seine Protagonistin Terese, die sich in einen ungefähr zwanzig Jahre jüngeren Inder namens Rana Walter Panjabi verliebt:

Ein Kuss war das von seiner Seite noch nicht, und ihre Augen, die blieben auf, sie sah leicht verschwommen seine Nase und für einen Mann erstaunliche Wimpern und hörte ihr Herz oder glaubte es zu hören, sein Arbeiten für und gegen sie. Und bei dem Gedanken daran fällt ihr der Begriff für ihre Rolle bei den Sitzungen mit jungen Therapeutinnen ein, die von ihren Fällen erzählen: teilnehmende Beobachterin. So war es auch bei diesem Probekuss mit der Zimmertür im Rücken, die hat sie selbst mit dem Fuß zugedrückt, ihr erster Beitrag zu dem Ganzen.
Bodo Kirchhoff aus: „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“

„Bodo Kirchhoff: „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt““ weiterlesen

Cees Nooteboom: „Rituale“

Rituale von Cees Nooteboom. Eine Trauerüberwindung?

Anlässlich seines Todes am 11. Februar diesen Jahres, bespreche ich den ersten seiner drei größeren Romane, neben Die folgende Geschichte und Allerseelen, den Roman Rituale, der gemeinhin als sein Durchbruchswerk gilt. Sigmund Freud analysiert in seinem Aufsatz Trauer und Melancholie die letztere als eine Herabsetzung des Selbstgefühls, die auf Suizidgefährdung hinausläuft. Sie gilt auch als eine Art Mönchskrankheit, verwandt mit der Acedia, die laut Rufus von Ephesos aus einer übersteigerten Beschäftigung mit abstrakten Dingen herrührt und zu einem Sinnverlust, einem fehlenden Interesse an der Außenwelt führt. Cees Nooteboom exploriert dieses Gefühl in seinem dritten, 1980 erschienen Roman Rituale:

Ihm war, als kotze er seinen ganzen Körper aus […] Der ganze große Kramladen voller Erinnerungen und Demütigungen, seine schwachsinnige Einsamkeit, alles mußte hinein in die dunkle Höhle des Gartens, alles mußte verschwinden, unsichtbar werden, alles mußte wie eine saure, bösartige Masse nach draußen geschleudert werden, wo es sich ein für allemal auflösen würde – zusammen mit ihm. Er wollte nicht mehr existieren.
Cees Nooteboom aus: „Rituale“

„Cees Nooteboom: „Rituale““ weiterlesen

Jean Paul: „Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs“

Siebenkäs von Jean Paul.

Jean Paul (1763-1825) gilt zurecht als ein Solitär der Literaturgeschichte, vergleichbar höchstens mit einem François Rabelais (1483-1553) oder François Villon (1431-1463). Wenige haben seinen Stil fortgesetzt. Im deutschsprachigen Raum können da Albert Vigoleis Thelen mit Die Insel des zweiten Gesichts oder das Werk von Arno Schmidt genannt werden. Von Jean Pauls breitem Gesamtwerk sticht nach mehr als zwei Jahrhunderten noch immer Siebenkäs heraus, der weniger auf zeitgenössische Diskurse Bezug nimmt, als sich um poetische Bewältigung der elementarsten Erfahrungen der menschlichen Existenz bemüht: den Tod, die Ehe und die prekäre Sicherheit der sozialen Existenz. All dies versammelte Jean Paul ungewöhnlich kondensiert im länglichen Titel seines Romans, der mit vollständigem Titel Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs heißt. Er beginnt mit der Hochzeit von Firmian Siebenkäs und Wendeline Lenette Egelkraut:

Droben [hinter der Liedertafel des Chors in der Kirche] guckt nämlich herunter – und wir sehen alle in der Kirche hinauf – Siebenkäsens Geist, wie der Pöbel sagt, d.h. sein Körper, wie er sagen sollte. Wenn der Bräutigam hinauf schauet: so kann er erblassen und denken, er sehe sich selber. – – Die Welt irrt; rot wurd‘ er bloß. Sein Freund Leibgeber stand droben, der schon seit vielen Jahren ihm geschworen hatte, auf seinen Hochzeittag zu reisen, bloß um ihn zwölf Stunden lang auszulachen. Einen solchen Fürstenbund zweier seltsamen Seelen gab es nicht oft.
Jean Paul aus: „Siebenkäs“

„Jean Paul: „Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs““ weiterlesen

Pascal Mercier: „Der Fluss der Zeit“

Der Fluss der Zeit von Pascal Mercier. Spiegel Belletristik-Bestseller 2026.

Lange, über etliche Hunderte Seiten sich erstreckende Erzählungen, also Romane, entstehen in der Zeit der zunehmenden Privatisierung und Atomisierung der Gesellschaft hin zu individuellen Sozialräumen. Walter Benjamin nannte diese Entwicklung in Erfahrung und Armut eine Form von narrativer Entwertung, denn das Erzählen selbst wurde zunehmend unpersönlicher und selbstbezogener. Mercier, bekannt durch seinen Roman Nachtzug nach Lissabon und Perlmanns Schweigen, hingegen beruft sich implizit auf diese ältere Form des Erzählens und setzt dies in seinem posthum erschienen Der Fluss der Zeit, einer Erzählsammlung fort:

Ich schreckte aus einem leichten Schlaf auf. Es war drei Uhr. Alle Fenster in der Gasse waren dunkel. Ich nahm mein Notizbuch aus dem Koffer, setzte mich an den Tisch und begann, die Stationen meines Lebens aufzuschreiben. Was war wann geschehen? Was für Spuren hatte es in mir hinterlassen? Es gab längere Abschnitte, von denen ich überhaupt nichts mehr zu wissen schien. Dass es solche Lücken des Erinnerns gab, wusste ich natürlich, das würde bei jedem so sein. Doch jetzt, an dem Tisch, an dem ich vor vierzig Jahren meine Referate geschrieben hatte, geriet ich über das Vergessen in Panik. Mir war, als hätte ich mich verloren, noch dazu, ohne es bemerkt zu haben.
Pascal Mercier aus: „Der Fluss der Zeit“

„Pascal Mercier: „Der Fluss der Zeit““ weiterlesen

Annett Gröschner: „Schwebende Lasten“

Schwebende Lasten von Annett Gröschner.

Heldengeschichten gibt es in der Gegenwartsliteratur wahrlich selten und noch seltener in solchen, die sich mit der DDR auseinandersetzen. Hier reicht die Bandbreite vom Chronikhaften wie Christoph Heins Das Narrenschiff über psychodramatische Verwicklungen wie in Jenny Erpenbecks Kairos und Satiren wie Uwe Tellkamps Der Turm zu harten Diffamierungen wie in Anne Rabes Die Möglichkeit von Glück. Annett Gröschner schlägt in Schwebende Lasten andere Töne an, indem sie ähnlich einer Dörte Hansen in Zur See eher den individualpsychologischen Raum dynamisiert und verpassten und verwirklichten Chancen literarisch nachspürt. Im Mittelpunkt bei Gröschner steht eine außergewöhnliche Person, Hanna Krause, geboren September 1913, die sich, koste es, was es wolle, nicht als Siegerin der Geschichte darstellen lassen will:

Einmal wurde ein Maler damit beauftragt, [die Kranfahrerin] Hanna zu porträtieren, als sie gerade Aktivistin geworden war. Sie weigerte sich hartnäckig, als Siegerin der Geschichte dargestellt zu werden. Es sei schlimm genug, in diesem Dreck arbeiten zu müssen, da brauche sie kein Erinnerungsbild. Und wenn es noch so beschönigt sei. Der Maler solle sich lieber mit Pflanzen beschäftigen. So ein richtig schönes buntes Blumenbild […] Aber der Maler hielt an seinem Auftrag fest. Eine Frau müsse es sein, die Männerarbeit verrichtet, fröhlich und frisch frisiert. So mürrisch Hanna in diesem Moment dreinblickte, hatte sie durchaus all das zu bieten, aber sie ließ sich nicht erweichen, auch nicht durch Drohungen. Der Maler musste sich eine andere Aktivistin suchen. Hanna weigerte sich ebenso standhaft, in die Partei einzutreten.
Annett Gröschner aus: „Schwebende Lasten“

„Annett Gröschner: „Schwebende Lasten““ weiterlesen

László Krasznahorkai: „Zsömle ist weg“

Zsömle ist weg von László Krasznahorkai. SWR Bestenliste.

Zsölme ist weg heißt der neueste Roman vom Literaturnobelpreisträger 2025, László Krasznahorkai, der, wie schon in seinem zweiten Buch Satanstango(1985), das Alt- und Schwächer-Werden auf dem Lande beschreibt und der Sehnsucht nach einem ganz anderen, neuen Leben woanders eine eigentümlich, in sich zerstrittene Stimme leiht. Treibt in Der Gefangene von Urga das Fernweh zu Abenteuern und einer Selbstbeforschung an, gilt es in Satanstango und Zsömle ist weg (2025)das Neue im eigenen Land zu verwirklichen, eine Utopie, einen Aufbruch zu initiieren, um den festgefahrenen Lebenswegen zu entkommen. Die Hauptfigur in seinem neuesten Roman heißt József Kada I. der Árpáden. Halb Mongole, halb Ungar wartet er als letzter Spross einer über 750 Jahre bestehenden Dynastie auf die rechtmäßige Krönung und Thronbesteigung in einem maroden, sich dem Untergang nähernden Ungarn:

[…] wissen Sie, meine liebe Etelka, wie ich mir das Ungarn vorstelle, das dieses so leidgeprüfte Land durch die Wiederherstellung der Monarchie werden könnte?, und da das nur eine rhetorische Frage gewesen war, sprach er schon weiter, erstens werden wir diese Frage mit Blick auf den erbärmlichen Zustand der Königlichen Ungarischen Flotte durch den Bau neuer Schiffe lösen […] zweitens befreien wir uns von der Schande der heruntergekommenen und an den Tourismus verkauften ungarischen Burgen […] drittens darf der König, also ich, nur und ausschließlich in der königlichen Residenz wohnen, das heißt in der Budaer Burg, viertens werden die traditionellen Bestrafungsmethoden des Ius gladii und der körperlichen Züchtigung wieder eingeführt und ebenso alle derzeit nur als alte Traditionen gepflegten Tätigkeiten wie das Bogenschießen, das Reiten, der Volkstanz, die Turniere, Chöre und so weiter […]
László Krasznahorkai aus: „Zsömle ist weg“

„László Krasznahorkai: „Zsömle ist weg““ weiterlesen

Mein Lesejahr 2025

Ein eher seltsames Jahr neigt sich dem Ende. Zwar bin ich auch 2025 meinem Forschungsvorhaben wie in den Jahren zuvor (202124) treu geblieben, nämlich die Gegenwartsliteratur ästhetisch und literatur-historisch zu erforschen, dennoch habe ich mir in diesem Jahr mehr Zeit genommen, Klassiker zu lesen und zu besprechen. Insgesamt habe ich in diesem Jahr mehr als 125 Bücher gelesen, von denen weniger als die Hälfte Neuerscheinungen (53) gewesen sind. Mehrheitlich stand dieses Jahr also unter dem Zeichen der Literaturtheorie und einigen Klassikern.

In meinem Rückblick will ich nun kurz eine kleine Bilanz ziehen, indem ich zuerst noch mal hinweisen möchte, worum es mir hier im Grunde geht, was also mein Blog unter Literatur versteht und wie ich zu meinem Bewertungssystem komme. Im nächsten Schritt analysiere ich dann mittels des Kategoriensystems die Gegenwartsliteratur, die ich thematisch-schematisch in diesem Jahr klar in Theater/Bohème/Künstler-, Psycho-Physiko-Pathologia- und Journalisten-Politiker-Literaturen einordnen kann, nebst den üblichen Verdächtigen (Coming-of-age und DDR). Hier werde ich meine Bücher des Jahres krönen, in allen Kategorien einzeln und dann in Summe. Im letzten Schritt lasse ich kurz die Klassiker Revue passieren und beende dann fröhlich das Jahr und freue mich auf das nächste.

„Mein Lesejahr 2025“ weiterlesen

Johann Wolfgang Goethe: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (iii: Mignon)

Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang Goethe.

Als Abschluss meiner dreiteiligen Besprechung (Teil 1, Teil 2) von Wilhelm Meisters Lehrjahre soll nun ein Versuch unternommen werden, die harte Dichotomie von Goethe, Kunst oder Leben, Poesie oder Prosa, die Novalis harsch am ersten Wilhelm Meister-Roman kritisiert, als Herausforderung und Problemstellung für die Literaturgeschichte zu betrachten. Auf eine gewisse Weise lassen sich zwei der wichtigsten deutschsprachigen Romane des 20. Jahrhundert als Folgeerscheinungen und Antworten auf Goethes dichterisches Werk begreifen: Doktor Faustus von Thomas Mann als Bearbeitung von Faust Tragödie Erster Teil und Hermann Hesses Das Glasperlenspiel als die von Wilhelm Meisters Lehrjahre. Goethe bietet somit seinen Nachfolgern das, was er zu seiner Zeit noch vermissen musste, und zwar einige Stützpunkte für die literarische Produktion im eigenen Sprachraum:

Es kommt darauf an,« fuhr Goethe fort, »daß Sie sich ein Kapital bilden, das nie ausgeht. Dieses werden Sie erlangen in dem begonnenen Studium der englischen Sprache und Literatur. Halten Sie sich dazu und benutzen Sie die treffliche Gelegenheit der jungen Engländer zu jeder Stunde […] suchen Sie in der Literatur einer so tüchtigen Nation, wie die Engländer, einen Halt. Zudem ist ja unsere eigene Literatur größtenteils aus der ihrigen hergekommen. Unsere Romane, unsere Trauerspiele, woher haben wir sie denn als von Goldsmith, Fielding und Shakespeare? Und noch heutzutage, wo wollen Sie denn in Deutschland drei literarische Helden finden, die dem Lord Byron, Moore und Walter Scott an die Seite zu setzen wären?«
Johann Peter Eckermann aus: „Gespräche mit Goethe“

„Johann Wolfgang Goethe: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (iii: Mignon)“ weiterlesen

Johann Wolfgang Goethe: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (ii: Form)

Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang Goethe.

Wilhelm Meisters Lehrjahre wurde im ersten Teil in seiner inhaltlichen Dynamik entwickelt und mit William Shakespeares Hamlet verglichen, mit dem sich Goethe in jener Zeit offenkundig intensiv auseinandergesetzt hat. Im zweiten Teil will ich nun auf die Form, die des Romans, eingehen. Goethe hat über die Dauer seines langen Lebens (1749-1832) lediglich vier Romane geschrieben, von denen der erste Die Leiden des jungen Werther eher der Gattung Briefroman angehört, und so im Grunde als Prosahauptwerke lediglich Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795), Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) und Die Wahlverwandtschaften (1809) übrigbleiben. Was für Goethe einen Roman gegenüber einem Drama auszeichnet, lässt er den Theaterdirektor Serlo und Wilhelm im 5. Buch, 7. Kapitel diskutieren, bevor er als auktoriale Erzählinstanz eingreift und wie folgt klärt:

Im Roman sollen vorzüglich Gesinnungen und Begebenheiten vorgestellt werden; im Drama Charaktere und Taten. Der Roman muß langsam gehen, und die Gesinnungen der Hauptfigur müssen, es sei auf welche Weise es wolle, das Vordringen des Ganzen zur Entwickelung aufhalten. [Sie] muß leidend, wenigstens nicht im hohen Grade wirkend sein; von [der] dramatischen verlangt man Wirkung und Tat. […] So vereinigte man sich auch darüber, daß man dem Zufall im Roman gar wohl sein Spiel erlauben könne; daß er aber immer durch die Gesinnungen der Personen gelenkt und geleitet werden müsse; daß hingegen das Schicksal, das die Menschen ohne ihr Zutun durch unzusammenhängende äußere Umstände zu einer unvorgesehenen Katastrophe hindrängt, nur im Drama statthabe […]
Johann Wolfgang Goethe aus: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“

„Johann Wolfgang Goethe: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (ii: Form)“ weiterlesen

Johann Wolfgang Goethe: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (i: Inhalt)

Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang Goethe.

Wilhelm Meisters Lehrjahre gilt als einer der einflussreichsten deutschsprachigen Romane überhaupt. Viele andere bekannte Romane, Albert Stifters Nachsommer, Gottfried Kellers Der grüne Heinrich, Thomas Manns Die Buddenbrooks oder Hermann Hesses Das Glasperlenspiel beziehen sich explizit oder motivisch-implizit auf den paradigmatischen Bildungsroman Goethes, in dessen Zentrum ein junger Kaufmannssohn steht, der sich von seinem Zuhause, vom drögen Handelskontor zu emanzipieren sucht. Hierfür dient ihm das Theater:

Nun leugne ich dir [Werner] nicht, daß mein Trieb täglich unüberwindlicher wird, eine öffentliche Person zu sein und in einem weitern Kreise zu gefallen und zu wirken. Dazu kömmt meine Neigung zur Dichtkunst und zu allem, was mit ihr in Verbindung steht, und das Bedürfnis, meinen Geist und Geschmack auszubilden, damit ich nach und nach auch bei dem Genuß, den ich nicht entbehren kann, nur das Gute wirklich für gut, und das Schöne für schön halte. Du siehst wohl, daß das alles für mich nur auf dem Theater zu finden ist und daß ich mich in diesem einzigen Elemente nach Wunsch rühren und ausbilden kann.
Johann Wolfgang Goethe aus: „Wilhelm Meisters Lehrjahre

„Johann Wolfgang Goethe: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (i: Inhalt)“ weiterlesen
Die mobile Version verlassen
%%footer%%