Marlene Streeruwitz: „Auflösungen“

Auflösungen von Marlene Streeruwitz. SWR Bestenliste 2025.

Mit dem Untertitel „New York“ setzt Marlene Streeruwitz ihr neuestes Buch Auflösungen eindeutig in die Tradition der Großstadtromane. Sie schließt damit direkt an Romane wie die von John Dos Passos Manhattan Transfer und Alfred Döblins Berlin-Alexanderplatz an. In der deutschsprachigen Literatur findet New York Erwähnung bspw. in Uwe Johnsons Jahrestage und Max Frischs Montauk und, in der Gegenwartsliteratur, u.a. bei Iris Hanika in Echos Kammern. Streeruwitz betreibt in Auflösungen eine eigenwillige Verknüpfung zwischen dem Biographischen und Chronistischen, indem sie das Leben der New Yorker Kulturschaffenden im postpandemischen New York im Bewusstsein einer Lyrikerin namens Nina Wagner gegenspiegelt:

Was war nun ihre Situation. Ganz konkret. Sie war eine fast 56 Jahre alte alleinerziehende Lyrikerin, die nun endgültig ohne Kind leben musste. Sie hörte dem Geraschel ihrer Finger auf der Tastatur des laptops zu. Und Leon? Dieser Mann hatte sie allein in der Wohnung zurückgelassen. Sie stand wieder an der Tür und horchte, ob sie nun endlich zurückkämen. Die, die sie schützen sollten. Das Kind. Das Kind im Text, den sie abschrieb. Das Kind in dem Text bestätigte ihr das. Das Kind. Ihr Kind. Es hatte ihr aus dieser Situation herausgeholfen. Mit dem Kind. Sie hatte das Kind in seinem Bettchen bewacht, und das hatte sie stark gemacht.
Marlene Streeruwitz aus: „Auflösungen“

„Marlene Streeruwitz: „Auflösungen““ weiterlesen

Gaea Schoeters: „Das Geschenk“

Das Geschenk von Gaea Schoeters. Spiegel Belletristik-Bestseller 2025.

Der Stoff Natur findet eher selten Eingang in die Welt der Literatur, wenn überhaupt, dann oft in dem Bereich Welt in Trümmern oder Verhängnisvolles Durcheinander. Diesen Themenbereich bearbeitet oft die Poesie und stilistische Übergangsformen. Lediglich in Genre der Fabel erfreuen sich Naturmetaphern großer Beliebtheit: Bernard Mandevilles Bienenfabel (1714), George Orwells Farm der Tiere (1945) und Richard Adams Unten am Fluss (1972), nur als Beispiele. Seltener aber werden die Bereiche gemischt wie in Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel, Eugène Ionesco Die Nashörner oder, nun, im neuen Kurzroman von Gaea Schoeters Das Geschenk. In der letzten Variante steht ein Mitten- und Gegeneinander im Zentrum, bei Schoeters 20 000 Elefanten, die im Herzen von Berlin ausgesetzt werden:

»Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr einfach mal selbst versuchen, mit Megafauna zurechtzukommen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, Deutschland zwanzigtausend Elefanten zu schenken. Wenn alles geklappt hat, müsste mein Geschenk mittlerweile in Berlin angekommen sein.«
[Bundeskanzler] Winkler klappt die Kinnlade herunter. »Was? Haben Sie die Elefanten … Aber wie … Das Gesetz wurde doch erst gestern verabschiedet!«
Tebogo schmunzelt belustigt. »Magic, my dear friend.«

Gaea Schoeters aus: „Das Geschenk“

„Gaea Schoeters: „Das Geschenk““ weiterlesen

Ralf Rothmann: „Museum der Einsamkeit“

Museum der Einsamkeit von Ralf Rothmann. SWR Bestenliste 2025.

Dem herkömmlichen Literaturdiskurs fällt eher selten auf, dass ein großer Bereich des sozialen Lebens und Erlebens weitestgehend in den meisten Texten und Romanen ausgeklammert bleibt, die Realität der Werktätigen, und zwar nicht aus der Sicht der Kunst oder des Journalismus oder der Politik, sondern aus der Mitte ihrer eigenen Tätigkeit, des Handwerks, der Putz- und Bauarbeiten selbst heraus. Ausnahmen wie Heinz Strunk in Ein Sommer in Niendorf, Jan Weilers Der Markisenmann oder Dinçer Güçyeters Unser Deutschlandmärchen gibt es, stellen aber zahlenmäßig die krasse Minderzahl dar und kratzen auch oft nur die Oberfläche dieser Sozialräume, indem sie sich nämlich auf die Trunksucht, Einsamkeit oder das Ausgeschlossensein fokussieren. Die Arbeitsrealität kommt kaum zur Sprache. Dagegen geht bspw. Werner Bräunig in Rummelplatz auf die Lebensrealität von Bergbauern ein, Brigitte Reimann in Franziska Linkerhand auf die der Bauerarbeiter und, noch weiter zurück, Émile Zola auf die der Wäscherinnen in Der Totschläger. Ralf Rothmann nimmt diese Traditionslinie auf. Schon Die Nacht unterm Schnee handelt im Arbeitermilieu und auch in seinem Erzählband Museum der Einsamkeit werden Episoden und Lebensläufe hauptsächlich von Menschen erzählt, die jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen.

»Wieso«, sagte Herbert und drückte seine Zigarette auf der Fensterbank aus, »machst du denn groß was anderes [als dein eigenes Gefängnis zu bauen]? Wer oder was, glaubst du wohl, hat dir die Hüfte demoliert? Der Geist der Freiheit?« Er öffnete seinen Tabakbeutel und bröselte die Kippe hinein. »Der Unterschied ist, du kriegst ein bisschen Geld dafür und kannst dir abends die Kante geben oder Druck im Puff ablassen, damit du den Krampf überhaupt erträgst. Aber auch du schlägst dich mit Arschlöchern rum und wartest den ganzen Tag darauf, dass man dir aufschließt.«
Ralf Rothmann aus: „Museum der Einsamkeit“ [Engel auf Krücken]

„Ralf Rothmann: „Museum der Einsamkeit““ weiterlesen

Ursula Krechel: „Sehr geehrte Frau Ministerin“

Sehr geehrte Frau Ministerin von Ursula Krechel. Georg-Büchner-Preis 2025. SWR-Bestenliste 2025.

Die Georg-Büchner-Preisträgerin 2025, Ursula Krechel, beschäftigt sich in Sehr geehrte Frau Ministerin intensiv mit der römischen Geschichte, insbesondere mit Nero, dem Sohn von Iulia Agrippina. Ähnlich wie Eugen Ruge in Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna nimmt sie die römischen Verhältnisse ins Visier, um ein erhellendes Licht auf gegenwärtige Zustände zu werfen, die in Krechels Roman durch die Figur einer Essener Kräuterladenverkäuferin namens Eva Patarak repräsentiert werden. Wie Agrippina zu Nero findet auch Eva keinen Zugang zu ihrem Sohn Philipp:

Der Sohn im inzwischen muffigen Zimmer, Kinderzimmer, Jugendzimmer, Sohneszimmer. Er nennt es sein Arbeitszimmer, wenn er mit mir spricht. Er ist zu alt für Aufforderungen. Er ist zu dickfellig (oder zu dünnhäutig?), er will nicht gestört werden. Er überragt mich um Haupteslänge. Der Sohn reitet zwischen den Websites hin und her, Wildwest in seinem Zimmer, öffnen, schließen, surfen, gekrümmter Rücken, trommelnde Fingerspitzen, wenn die Internet-Verbindung zu langsam ist. Er bewegt sich in weitläufigen Räumen, düsteren Räumen, in seinem Zimmer das blaue Licht des Bildschirms. Und dort bleibt er, beharrlich, er versenkt sich (in was?). […] Was weiß ich, was er nicht tut, sagt sich Eva Patarak.
Ursula Krechel aus: „Sehr geehrte Frau Ministerin“

„Ursula Krechel: „Sehr geehrte Frau Ministerin““ weiterlesen

Tarjei Vesaas: „Frühlingsnacht“

Frühlingsnacht von Tarjei Vesaas. SWR Bestenliste 2025.

Durch die öffentlichkeitswirksamen Neuübersetzungen von Hinrich Schmidt-Henkel, der auch die Texte des Literaturnobelpreisträgers von 2023, Jon Fosse, vom Norwegischen ins Deutsche überträgt, erlebt der 1970 verstorbene, vielfach für den Nobelpreis vorgeschlagene, Tarjei Vesaas seit ein paar Jahre eine Renaissance und erscheint auf vielen Kritiker-Bestenlisten wie vom SWR. 2025 ist nun die Übersetzung des 1954 publizierten Romans Frühlingsnacht erschienen. Thematisch und atmosphärisch lassen sich viele Parallelen zu Jon Fosses Der andere Name ziehen wie aber auch zu Frank Wedekinds Frühlings Erwachen. Der Stoff Kindheit/Jugend erfährt in Frühlingsnacht eine imaginäre kosmische Selbstüberschreitung als Plot. Vesaas wählt als Erzählinstanz den vierzehnjährigen Hallstein als Hauptfigur:

Das ganze Haus fühlte sich anders an, weil dies eine Mal beide, Vater und Mutter, weggefahren waren. Sie waren früh heute weggefahren, und sie hatten ihr eigenes Gewicht mitgenommen. Es war gut mit ihnen auszukommen, aber doch: Jetzt atmete man erleichtert auf und war allein. So dachte der vierzehnjährige Hallstein, als er hineinging. Er dachte »allein«, denn seine Schwester Sissel, die gerade in der Stube saß, bedeutete für ihn nicht irgendeinen Druck, im Gegenteil. Und jetzt konnte er tun, was er wollte.
Tarjei Vesaas aus: „Frühlingsnacht“

„Tarjei Vesaas: „Frühlingsnacht““ weiterlesen

Barbi Marković: „Stehlen Schimpfen Spielen“

Stehlen Schimpfen Stehlen von Barbi Marković. SWR Bestenliste 2025.

Anlässlich der Stefan-Zweig-Poetikvorlesung, die die Leipziger Buchmesse Preisträgerin aus dem Jahr 2024, Barbi Marković, in Salzburg gehalten hat, ist nun der, wahrscheinlich, bearbeitete Vorlesungstext als Stehlen Schimpfen Spielen erschienen. Poetikvorlesungen gibt es in der heutigen Form noch nicht lange. Sie wurden mit der Verschulung und massenmedialen Institutionalisierung der Literatur eingeführt und gehören seitdem zum guten Ton wie die Frankfurter Poetikvorlesungen, die mit Ingeborg Bachmanns Probleme der zeitgenössischen Dichtung 1960 ins Leben gerufen worden sind. Eine der neueren Frankfurter Poetikvorlesungen, noch im introspektiven, aber weniger aufs Sprachliche ausgerichteten Sinne wie bei Bachmann, hat Judith Hermann mit Wir hätten uns alles gesagt 2022 gehalten. Barbi Marković schlägt diesbezüglich einen ganz anderen, frecheren, dadaistischeren Ton an:

Du bist ein Feigling, Barbi, eine Verräterin deiner eigenen Seele. Du bist eine Lügnerin, das ist der wahre Grund, aus dem du schreibst. Es wäre besser, wenn du aufhören würdest. Es wäre besser, du würdest dich darauf konzentrieren, deine idiotische Seele in Ordnung zu bringen, bevor du hier komplett scheiterst. Bevor alles aus ist. Na ja, zumindest bist du lustig. Wenn auch nicht freiwillig. Die Zweifel zweifle ich jedoch genauso an. Literarischer Wert ist bekanntlich wackelig und schwer einzuschätzen. Vielleicht bin ich ja doch ein Genie? 
Barbi Marković aus: „Stehlen Schimpfen Spielen“

„Barbi Marković: „Stehlen Schimpfen Spielen““ weiterlesen

Sarah Lorenz: „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken von Sarah Lorenz.

Selten binden sich Coming-of-Age-Romane an vergangene Literaturen zurück. Moderne Jugendromane schwadronieren oft leutselig ins Offene und Gedächtnislose wie Caroline Wahls 22 Bahnen oder Tijan Silas Radio Sarajevo. Sarah Lorenz, Journalistin und Bloggerin, schlägt in Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken einen anderen Weg ein und nimmt sich Mascha Kaléko zum Leit- und Vorbild und arbeitet sich anhand ihrer Gedichte an ihren geballten Lebensereignissen ab. Im Stoffbereich Jugend zeichnet sie so eine Art narrativen Exorzismus nach, der Prekäre Kindheitserlebnisse aufzuarbeiten hat und sie im Punk-Literatur-Stil einer Kathy Acker unverhohlen auf den Punkt bringt:

Dosenbier war 1998 noch das Ding der Stunde. Hansa Pils. Früh Kölsch. Reissdorf Kölsch. Na und so weiter. Aus den silbernen Dosenverschlüssen wurden Ketten für den Hals oder die Springerstiefel gefertigt. Sehr effizient eigentlich, denn so hatte man kostenlosen DIY-Schmuck inklusive einiger Räusche. Diese silbernen Aluminiumösen wurden also entweder zu Schmuck recycelt oder landeten im Müll. Die vier oder fünf jungen Männer entschieden sich an diesem Nachmittag für eine dritte Option und steckten sie in meine Vagina.
Sarah Lorenz aus: „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“

„Sarah Lorenz: „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken““ weiterlesen

Nell Zink: „Sister Europe“

Sister Europe von Nell Zink. SWR Bestenliste 2025.

Die Großstadt als Ort der seltsamen Begegnungen eignet sich wie kaum eine andere Szenerie für Romane, insbesondere solche die diskursiv den Zeitgeist mit seinen eigenen Schlagworten in Bewegung zu bringen versuchen. Durch Literatur erhalten diese Großstädte eigenst für sie imaginierte Gestalten, die durch ihre Straßen flanieren, so bspw. im Falle von Berlin Jakob Fabian aus Erich Kästners gleichnamigem Roman, Franz Biberkopf aus Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz oder Edgar Wibeau aus Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W.. Figuren neueren Datums lassen sich ebenfalls leicht finden wie Herzogin Doktor Ludovica Domenica Waltrude Malabene von Bessarabien und Aragonien aus Ulrike Sterblichs Drifter oder Sophonisbe aus Iris Hanikas Echos Kammern. Nell Zink legt nun mit Sister Europe einen eigenen Berlinroman vor, der vordergründig einen kosmopolitisch-kulturellen melting pot zelebriert und Vorurteile bedient, um sie desto gründlicher im Verlauf zu diffusionieren:

«Wir sind jetzt alle auf der Nonnenschule, Mann», sagte Toto. «Das ist das neue Mittelalter. Homo sapiens gehört nicht mehr zu den Tieren. Wir haben eine höhere Daseinsstufe erreicht.»
«Ich hätte eine Deutsche heiraten sollen. Die YouTube-Kanäle, wo sie ihre Ideen herhat, sind alle auf Englisch. Ihr Teletherapeut spricht Englisch. Der hockt in Delaware. Und Harriet sagt: ‹Mach doch, schneid deinen Penis ab, wen interessiert’s, dann verlier ich einen Sohn, aber ich gewinne eine Tochter.› Für sie ist das wie der Umbau eines Gebäudes – als würden wir den Kirchturm abreißen, und schon ist es ein Gemeindezentrum.
Nell Zink aus: „Sister Europe“

„Nell Zink: „Sister Europe““ weiterlesen

Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter (Hrsg.): „Die Backstage eines Buches“

Die Backstage eines Buches von Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter.

Die Backstage eines Buches versammelt Reflexionen und Assoziationen von 21 Autoren und Autorinnen zum Thema: Schreib- und Publikationsprozess von Romanen, Erzählungen und Gedichten. Herausgegeben wurde die Anthologie, mit „Gegenwart“ als anthologisches Ordnungskriterium, von Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter, die beide auch als Autoren wirken: Schiffer bspw. mit Ich höre dem Regen zu und Güçyeter bspw. mit dem Leipziger Buchpreis 2023 prämierten Unser Deutschlandmärchen. In Die Backstage eines Buches jedoch halten sie sich zurück und lassen andere zu Wort kommen:

Im Universum gibt es keinen Vorhang, kein Dahinter, kein Davor, kein Drinnen und kein Darunter. Nur Vorderseiten, Oberflächen. Das ist die Welt, das Leben, und jede Vorstellung, ein Geheimnis könnte darin verborgen sein, setzt einen Gott voraus, der täuschen will. Die Wasseramsel, eben, in der halben Stunde, in der ich dich, Dinçer, alleine ließ für meine morgendliche Anbetung der Sonne, dieser Vogel auf seinem Stein im Bachbett, noch ohne Ehrgeiz für seine famosen Tauchgänge, er täuscht nicht, er gibt sich dar, streckt seine Daunen in den Morgen, lässt sich das Brustkleid, dieses weiße Pallium, vom Licht beglänzen.
Lukas Bärfuss in: „Die Backstage eines Buches“

„Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter (Hrsg.): „Die Backstage eines Buches““ weiterlesen

Sebastian Haffner: „Abschied“

Abschied von Sebastian Haffner. Spiegel Belletristik-Bestseller 05/2025.

Von Sebastian Haffner stammen die berühmten Anmerkungen zu Hitler (1978), in denen auf sehr öffentlichkeitswirksame Art und Weise Hitler in radikaler Konsequenz als in jeder Hinsicht nihilistischer Vollstrecker charakterisiert wird. Der Historiker und Journalist Haffner mit bürgerlichen Namen Raimund Pretzel trat Zeit seines Lebens (1907 bis 1999) nicht als Romancier in Erscheinung. Ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod erscheint nun sein erster Roman Abschied aus dem Nachlass. Nicht in letzter Hand, aber auch nicht als Fragment liegt dieser weniger als zweihundert Seiten umfassende, von einem Ich-Erzähler handelnde Text vor, der als Stoff die Liebe und als Plot Eifersucht erforscht:

»Ja«, sagte ich, »das ist eine tiefe Beobachtung. Übrigens war ich, glaube ich, der uneleganteste Mann auf dem Ball, mit meinem Abitursmoking. Teddy kriegte ich nachher überhaupt nicht mehr zu sehen. Sie tanzte mit weiß ich wem, mit dem ganzen Attachégesindel und mit dem Bayern — bö. Große bayerische Kuh.«
Franz Frischauer lachte.
»Ist das so zum Lachen?«, sagte ich. »Kennen Sie das nicht? Sind Sie nie eifersüchtig? Es ist ein ekelhaftes Gefühl.«
»Schon, schon«, sagte Franz. »Aber man muss doch wissen, auf wen man eifersüchtig ist, wos lohnt. Man ists doch nicht auf all und jeden.«
»Gerade«, sagte ich. Ich war damals noch ziemlich jung.

Sebastian Haffner aus: „Abschied“

„Sebastian Haffner: „Abschied““ weiterlesen
Die mobile Version verlassen
%%footer%%