Es gibt die verschiedensten Theorien über die Dichtung. In beinahe allen erhält die Lyrik gegenüber der Prosa aber den Zug der Einsamkeit, der Einzelheit. Die Sprache emanzipiert sich dort aus dem Funktionskreis der wechselseitig verständlichen Kommunikation und sucht ihre Möglichkeit in der Hermetik des jeweils singulär Erlebten. Die Lyrik Gyrðir Elíassons in Die Sprache der Möwen sucht die Nähe zur Welt, aber nicht durch den Mitmenschen oder das Soziale. In seinen Gedichten tauchen die anderen als gegenüber selten auf. Vielmehr sieht sich ein lyrisches Ich mit einer großen Welt konfrontiert:
„Gyrðir Elíasson: „Die Sprache der Möwen““ weiterlesenIm Café ist niemand außer/ ihm selbst, dem angeblichen/ Besitzer. Der macht sich einen
Kaffee und schaut hinaus, aber/ da ist niemand zu sehen, und/ der Kaffee schmeckt irgend-/ wie seltsam. Er beginnt, etwas auf/ ein Blatt Papier zu kritzeln, das/ neben der Kaffeetasse liegt,/ und bald sind Häuser auf dem/ Blatt zu sehen, menschenleere,/ schwarze Häuser, bei deren/ Anblick es ihm schaudert.
Gyrðir Elíasson aus: „Die Sprache der Möwen“
